Vorwurf gegen früheren Pfarrer
Missbrauchsfall in St. Josef?

Warendorf -

Ein heute 58-jähriger Mann wirft einem ehemaligen Pfarrer von St. Josef vor, vor 38 Jahren eine schwierige persönliche Situation ausgenutzt und zu Nacktfotos überredet zu haben. Das Bistum ermittelt. Den Pfarrer, von 1975 bis 1983 in St. Josef im Dienst, kann niemand fragen. Er starb vor einem Jahr.

Montag, 13.05.2019, 16:32 Uhr aktualisiert: 14.05.2019, 16:22 Uhr
In der damals noch eigenständigen Gemeinde St. Josef soll es passiert sein: Ein damals 20-Jähriger sagt, er sei vor 38 Jahren vom Geistlichen der Gemeinde überredet worden, sich für Nacktfotos vor ihm auszuziehen.
In der damals noch eigenständigen Gemeinde St. Josef soll es passiert sein: Ein damals 20-Jähriger sagt, er sei vor 38 Jahren vom Geistlichen der Gemeinde überredet worden, sich für Nacktfotos vor ihm auszuziehen. Foto: Rebecca Lek

Es gibt Missbrauchsvorwürfe gegen einen – vor einem Jahr verstorbenen – früheren Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Josef. Er war von 1975 bis 1983 in der Gemeinde tätig gewesen.

Nach den Behauptungen des heute 58-jährige Betroffene sei er vor 38 Jahren von dem Geistlichen nach einem von mehreren seelsorgerlichen Gesprächen in dessen Schlafzimmer gebeten worden. Dort habe der Pfarrer den damals 20-jährigen Leistungssportler gebeten, sich auszuziehen; der Geistliche habe den Nackten dann fotografiert. Der junge Mann sei damals so konsterniert gewesen, dass er der Forderung gefolgt sei.

Am Sonntag erstattete Pfarrdechant Peter Lenfers in St. Laurentius Gläubigen vor fünf verschiedenen Messen Bericht.

Ich habe die Briefe gesehen. Das ist eindeutig.

Pfarrer Peter Lenfers

Nach diesem Vorfall hatte sich der heute nicht mehr in Warendorf lebende Mann von dem Pfarrer zurückgezogen. Der ließ aber offenbar nicht von ihm ab und sandte ihm mehrere persönliche und unmissverständlich schwärmerische Briefe, die der Betroffene auch noch besitzt, wie Peter Lenfers den WN gegenüber erklärte. „Ich habe die Briefe gesehen. Das ist eindeutig. Ich habe keinen Zweifel an ihrer Authenzität.“ Es gibt aktuell zudem mindestens den Hinweis auf einen weiteren Betroffenen. „Das ist aber nur eine Vermutung, noch nichts Greifbares“, so Peter Lenfers.

Durch den allgemeinen Trend zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche habe der Mann den Mut gefunden, sich an das Pastoralteam von St. Laurentius zu wenden. Daraufhin hat das Team gleich Kontakt zu Peter Frings aufgenommen, dem Interventionsbeauftragten des Bistums Münster.

Schweigen nach 38 Jahren gebrochen

Für viele in der Gemeinde war die Nachricht ein Schock. „Es leben ja durchaus noch Menschen, die mit ihm zusammengearbeitet haben“, meinte Dechant Lenfers, und: „In der Kirche ist die moralische Fallhöhe natürlich eine ganz andere.“ Es habe immer seine Gründe, wenn ein Betroffener so lange Zeit schweige.

Peter Lenfers bietet sich als Ansprechpartner auch für mögliche andere Betroffene an (Telefon 98 91 70). Beim Bistum sind Bernadette Böcker-Koch ( ✆ 01 51 / 63 40 47 38) und Bardo Schaffner ( ✆ 01 51 / 43 81 66 95) als unabhängige Kontaktpersonen von sexuellem Missbrauch Betroffener erreichbar.

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