Giulia Wahn beim ESC
Alles mega getaktet und organisiert

Warendorf/Tel Aviv -

Der türkische Sänger Serhat, der beim Eurovision Song Contest in Tel Aviv für San Marino an den Start geht, hat es mit seinen Backgroundsängerinnen und zwei Tänzern ins Finale geschafft. Eine der Sängerinnen kommt aus dem Kreis Warendorf: Giulia Wahn. Sie berichtet im Interview über ihre Eindrücke.

Donnerstag, 16.05.2019, 16:14 Uhr aktualisiert: 16.05.2019, 17:29 Uhr
„Say Na Na Na“ heißt der Song, mit dem der türkische Sänger Serhat (3. v. l.) am Samstag im ESC-Finale für San Marino antritt. Zu seinem Backgroundchor gehören Juan Geck,Giulia Wahn, Chantal Hartmann, Sebastian Okouagbe und Iness Voca
„Say Na Na Na“ heißt der Song, mit dem der türkische Sänger Serhat (3. v. l.) am Samstag im ESC-Finale für San Marino antritt. Zu seinem Backgroundchor gehören Juan Geck,Giulia Wahn, Chantal Hartmann, Sebastian Okouagbe und Iness Voca Foto: privat

Die Anreise war ein wenig wie eine verpatzte Generalprobe. Als ESC-Teilnehmerin Giulia Wahn am 4. Mai über Frankfurt am Main und Istanbul in Richtung Tel Aviv, Austragungsort des ESC, flog, verpasste sie den Anschlussflug – und den Rest ihres Teams – um mit dreistündiger Verspätung in Tel Aviv zu landen. Dort erwartete die 31-Jährige, die am Rande von Warendorf wohnt, ein dicht getaktetes Programm, wie sie WN-Redakteurin Joke Brocker erzählt hat.

Als Du erfahren hattest, dass Du beim ESC in Tel Aviv mit Serhat für San Marino an den Start gehen würdest, hast Du gesagt, dass Du das wohl erst glauben könntest, wenn Du im Flieger nach Tel Aviv sitzen würdest. Muss man Dich noch mal kneifen oder glaubst Du es jetzt?

Giulia Wahn: Tatsächlich ist die Zeit wahnsinnig schnell vergangen. Je weniger Zeit bis zum Abflug blieb, umso schneller verging alles. Und nun sitze ich in meinem Hotelzimmer und realisiere, dass wir gestern (am Dienstag, Anm. d. Red.) durch das Semifinale gekommen sind. Für uns eigentlich schon das wichtigste Ereignis, da wir ja nicht wussten, ob wir es schaffen durchzukommen.

Jetzt darf die Reise noch ein paar Tage weitergehen. Wir freuen uns alle sehr. Kneifen muss ich mich übrigens regelmäßig, denn auch hier wird man überhäuft von Eindrücken und Einflüssen, dass man sich vorkommt wie in einer Blase.

Ging es in Tel Aviv gleich in die Expo Hallen, den Veranstaltungsort, oder erst mal ins Hotel?

Giulia Wahn: Nach der Landung wurden wir erst mal ins „VIP“-Resort gebracht. Unsere Koffer wurden abgeholt, die ersten Interviews fanden statt, wir haben unsere Badges bekommen, Anleitungen zu Sicherheit und Co., dann wurden wir erst ins Hotel gefahren. Die erste Probe war quasi um 24 Uhr in der Lobby im Hotel. Die Jungs haben noch bis drei Uhr nachts ihre Choreos durchgeprobt.

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Irgendeine Chance, etwas von der Stadt zu sehen?

Giulia Wahn: Am Sonntag und Montag wurden wir bereits für die ersten Stage-Proben abgeholt, die ersten Bühnenbegehungen, Outfit-Anpassungen, Makeup-Besprechungen, Choreo-Schliff, Kamera-Proben, Soundcheck. Seit der Ankunft haben wir eigentlich jeden Tag mindestens zwei Stunden Choreoproben, Besprechungen, Meetings, Stylings...

Wir haben immer mal wieder zwischendurch Zeit für uns. Der Strand ist direkt vorm Hotel, so dass man sich immer ein wenig zurückziehen kann. Wir haben heute (Mittwoch, Anm. d. Red.) zum Glück mal einen Tag frei, an dem wir nichts machen, außer am Strand zu liegen und heute Abend mal in die Altstadt zu gehen. Ab morgen gehen die nächsten Proben wieder los, und Freitag müssen wir schon wieder für Soundcheck und Fittings in die Expo Hallen.

Sehr spannend war die erste ESC-Party, zu der alle Delegationen und Teams, Künstler, Sänger, Backgroundsänger und Tänzer vom Bürgermeister eingeladen waren. Am 12. Mai war „Orange Carpet“-Tag, bei dem alle mit der Limo vorgefahren wurden und dann zwei Stunden zum Abschreiten eines 100 Meter langen Teppichs brauchten. Um null Uhr hatten wir dann noch einen Auftritt zusammen mit Serhat im ESC-Fanclub, eine eigens für die ESC-Fans organisierte Event-Location, in der viele ESC-Sänger Gastauftritte haben.

Das sind die Kandidaten beim ESC 2019

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  • Die Sängerinnen Carlotta Truman (l) und Laurita Spinelli aus Deutschland, vom Duo «Sisters»

    Foto: Ariel Schalit
  • Michael Rice (M) aus Großbritannien

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  • Mahmood aus Italien

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  • KEiiNO aus Norwegen

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  • Chingiz (M) aus Azarbeijan

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  • Jonida Maliqi aus Albanien

    Foto: Ariel Schalit
  • Tamara Todevska (2.v.l) aus Nordmakedonien

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  • Sergey Lazarev aus Russland

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  • Jurij Veklenko aus Litauen

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  • Michela (M) aus Malta

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  • Roko (M) aus Kroatien

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  • Paenda aus Österreich

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  • John Lundvik aus Schweden

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  • Leonora (M) aus Dänemark

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  • Carousel von Lettland

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  • Luca Hänni (3.v.l) aus der Schweiz

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  • Sarah McTernan aus Irland

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  • Srbuk von Armenien

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  • Bilal Hassani aus Frankreich

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  • Miki aus Spanien (3.v.r)

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  • Kobi Marimi aus Israel

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  • Katerine Duska aus Griechenland

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  • Das Duo Conan Osiris aus Portugal

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  • Victor Crone aus Estland

    Foto: Ariel Schalit
  • Serhat (M) von San Marino

    Foto: Ariel Schalit
  • Hatari aus Island

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  • Kate Miller-Heidke aus Australien

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  • Oto Nemsadze Band aus Georgien

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  • Die Band Eliot aus Belgien

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  • Nevena Bozovic aus Serbien

    Foto: Ariel Schalit
  • Die Band ZENA aus Weißrussland

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  • Joci Papai aus Ungarn

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  • Zala Kralj (l) und Ga·per Santl aus Slowenien

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  • Die Band Lake Malawi aus Tschechien

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  • Die Band D mol aus Montenegro

    Foto: Ariel Schalit
  • Die Band Tulia aus Polen

    Foto: Ariel Schalit
  • Die Sängerin Tamta (M) und ihre Band aus Zypern

    Foto: Ariel Schalit
  • Darude (l), bürgerlich Ville Virtanen, und Sebastian Rejman aus Finnland

    Foto: Ariel Schalit

Wie lief das Semifinale ab?

Giulia Wahn: Gestern wurden wir um 14 Uhr abgeholt und in die Expo Hallen gefahren, wo das Semifinale stattfand. Erst Makeup, dann Haarstyling, Fitting, Warm-up, Besprechung im Team, und los ging‘s. Alles ist hier mega getaktet und organisiert. Du wirst eigentlich immer nur von einem Spot zum anderen gebracht, hörst ständig „Saaan Maaarino let‘s gooo“, und dann läufst du einfach der Gruppe hinterher. Gestern war die Anspannung aber echt zu spüren. Wir arbeiten seit Monaten so hart an diesem Ding, und gestern hat jeder seinen eigenen Puls in den Ohren gehört. Der Druck war schon immens hoch.

Wie stark ist nach Deiner Einschätzung die Konkurrenz?

Giulia Wahn: Die anderen Teams sind durchweg super nett. Es herrscht absolut kein Konkurrenzdenken. Wir haben alle Backstage-Räume nebeneinander und ich habe mich mit vielen anderen Backings angefreundet. Alles scheint hier wie eine riesengroße Familie. Jedes Team präsentiert seinen eigenen Song, hinter dem es zu 100 Prozent steht. Ganz egal, wie dieser in Szene gesetzt wird, es herrscht eine einzigartige Solidarität zwischen Teams und Künstlern.

Wie siehst Du Eure Chancen?

Giulia Wahn: Im Laufe der Zeit bekommt man mit, wer unter den Favoriten ist. Durch die Medien, aber auch, weil man einfach merkt, welche Songs wirklich massentauglich sind und welche eher als Nischen-Songs gehandelt werden. Ich denke, dass San Marino gute Chancen hat, denn wir sind ein geschlossenes, hochwertiges, massentaugliches und schönes Team. Wir transportieren eine wunderbare Message, Freude und Spaß an der und Liebe zur Musik.

Hier wurde wiederholt berichtet, dass Israel ESC-Besuchern deren Sicherheits-Bedenken zu nehmen versucht. Der Botschafter Israels in Deutschland hat in einem Interview nicht ausschließen wollen, dass militante Palästinenser die Großveranstaltung nutzen könnten, um Verunsicherung zu erzeugen, hat aber zugleich versichert, dass Israel alles tun werde, solche Vorfälle zu verhindern und jegliche Beeinträchtigung des ESC zu minimieren. Hast Du persönlich vor diesem Hintergrund Bedenken gehabt, nach Israel zu reisen? Wie ist die Atmosphäre?

Giulia Wahn: „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, wir hätten das nicht mitbekommen. Ich werde regelmäßig angeschrieben und gefragt, ob es mir gut geht, ob die Lage „sicher“ ist und ob wir „irgendwas mitbekommen“. Ich fühle mich hier sehr sicher. Die Sicherheitsvorkehrungen werden hier vermehrt angesprochen, es gibt auch beim ESC „Security and Safety Instructions“, jedes Hotel, die Expo Hallen haben „Safety Rooms“, und generell sieht man vermehrt Militär und Sicherheitspersonal.

Ich spaziere durch die Straßen Tel Avivs und fühle mich vollkommen in Sicherheit! Die Einzigen, die einem gefährlich werden könnten, sind die überschnellen E-Tretroller und E-Bike Fahrer. Tel Aviv an sich vermittelt aber, trotz der verschärften Sicherheitsanordnungen, ein sehr sicheres und sonniges Gefühl. Alle, wirklich alle Menschen hier sind unfassbar freundlich und offen.

Am Memorial Day haben die Menschen auf den Straßen getanzt, es gab Feuerwerke, Flugshows, Tanzveranstaltungen auf offener Straße. Da war nichts beklemmend oder bedrückend, im Gegenteil. Man hat den Eindruck, dass sich die Menschen hier von den verschärften Sicherheitsmaßnahmen gemütstechnisch nicht beeindrucken lassen. Auch die ESC-Fans, zeigen sich nicht von der Terrorgefahr eingeschüchtert und sind trotzdem gekommen, um alles hautnah zu verfolgen.

Die ESC-Teilnehmer wurden in den Vorjahren immer gerne mit einem kurzen Film vorgestellt. Auch in diesem Jahr?

Giulia Wahn: Ich bin ein riesen Fan des ESC-Intros. Ich bin der Meinung, dass es noch nie einen besseren und hochwertigeren Intro-Film gab als dieses Jahr. Gedreht worden ist er übrigens im März in Tel Aviv. Alleine das ist ein Grund, sich den ESC anzuschauen.

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