Heimische Kunst aus Schottland
Naomi Campbell inspiriert ihn

Warendorf/EDingburgh -

Kunst kommt vom Können. Kreativität und Authentizität sind aber genauso wichtig. Der 20-jährige Nachwuchskünstler Pierre Musa, der gebürtig aus Warendorf/Sassenberg stammt, setzt von Edinburgh aus wichtige Akzente. Und die haben auch mit Vorbildern, Umweltschutz und schönen Frauen zu tun. Und mit Bleistiften.

Dienstag, 25.06.2019, 22:00 Uhr
Mit dem Bleistift fängt Pierre Musa Supermodel Naomi Campbell (oben r.) ebenso ein wie das kanadische Fashion-Model Winnie Harlow.
Mit dem Bleistift fängt Pierre Musa Supermodel Naomi Campbell (oben r.) ebenso ein wie das kanadische Fashion-Model Winnie Harlow. Foto: Privat

Mit wenigen Sachen Großes schaffen: Bleistift und Fotoapparat sind die beiden Werkzeuge, mit denen Pierre Musa auf seinem öffentlichen Instagram-Blog seine beiden neuen Kunst-Ideen umsetzt. Zunächst geht es darum, aus Fotografien „berühmter Frauen mit Vorbildfunktion“ neue Bilder zu machen, allein aus Bleistift auf weißem Papier. Authentische Frauen sollen es sein, getreu der von ihm geschätzten Ästhetik-Maxime: „So wie ich bin, bin ich schön.“

Musa ist eigentlich der zweite Vorname des gebürtige Sassenbergers Pierre Wessel, der seit kurzem als Künstler auf seinen Hausnamen verzichtet und sich als Warendorfer versteht.

Schon mit jungen Jahren hat sich der Loburg-Abiturient als Poetry-Slammer Pierre Wessel in Warendorf (Jour fixe im „Theater am Wall“) und in Münster (Gewinner U-20-Slam) sowie als und Buchautor („Molke) einen Namen gemacht hat (wir berichteten).

Seit zwei Semestern studiert er im schottischen Edinburgh Sprachen und Kommunikation, auch um von da aus dem internationalem Kunstmarkt näher zu sein. Er kommt aber immer wieder zurück in die Warendorfer Heimat, um Familie und Freunde zu besuchen. Neben dem Studium baut er sich – zunächst noch als Hobby – ein künstlerisches Standbein auf und testet auf Instagram einige seiner Ideen aus.

Bleistiftzeichnung von Naomi Campbell.

Bleistiftzeichnung von Naomi Campbell.

Da sind zum einen seine Bleistiftzeichnungen berühmter Frauen, zu denen auch das kanadische Fashion-Model Winnie Harlow gehört, „weil sie eben gerade wegen ihren natürlich auffälligen Pigmentstörungen Erfolge feiert“, sagt Musa.

Mit Bleistift hat er auch sehr fotorealistisch, aber mit mehr Tiefe und Wärme als ein Foto, das zeitlose englische Supermodel Naomi Campbell gezeichnet. „38 Stunden habe ich dafür gebraucht.“ Bislang mit einem kleinen, aber feinen Achtungserfolg.

„Naomi Campbell hat meinen Blog gelesen und einen Like-Kommentar hinterlassen und meine Arbeit dem Millionenpublikum ihrer Follower vorgestellt“, freut sich Pierrre Musa. „Ein Creative-Director, der Naomi Campbell kennt, folgt mir auch bei Instagram.“ Das hört sich gut an.

Das zweite Standbein des Künstlers mit den Warendorfer Wurzeln ist seine aktuelle Arbeit als Fotograf. „Gegen die Plastikmüllwelle will ich ein Zeichen setzen.“ Das gelingt dem 20-Jährigen vortrefflich. In eine mit Wasser und unzähligen Plastiksachen, Kabel und Barbieklamotten gefüllte Badewanne, setzt sich eine junge nackte, weil schutzlose Frau. Auf den Fotos wirkt die Zivilisationskritik sehr plastisch und assoziativ: man hat das Gefühl, Plastik würde der Frau die Luft zum Atmen nehmen, wie den Lebewesen in den vermüllten Ozeanen.

Eine weitere Fotografie drückt es noch schmerzhafter aus. Plastikfolie verklebt die Augen einer anderen attraktiven Frau, so, als ob sie blind auf beiden Augen ist angesichts von Vermüllung und Klimawandel und es irgendwie nicht wahrhaben will. Gleichzeitig denkt man auch an eine auf beiden Augen blinde Justitia-Göttin.

Mit dieser drastischen Symbolik trifft Musa ins Zentrum des Schmerzens: „Ich möchte die Lasten, die der Umwelt und den Tieren durch den Plastikmüll auferlegt werden, einfach mal so den Menschen auferlegen, wie Tiere und Umwelt darunter leiden.“

Pierre Musa appelliert an den gesunden Menschenverstand, wilder Müllentsorgung und überflüssiger Plastikbenutzung einen Riegel vorzuschieben: „Mein Wunsch ist es, dass sich endlich im Bewusstsein der Menschen etwas ändert.“

Aus seinen Fotografien entstehen bis zum Herbst seine signifikanten Bleistiftzeichnungen unter dem wortspielerischen Arbeitstitel „Don´t you sea?“

Die Lust am Zeichnen hatte übrigens ein russischer Austauschschüler in seiner Jugend erweckt und weniger der Kunstunterricht an der heimischen Schule. Musa lebt in der Nähe des schottischen Nationalmuseums, das er gerne besucht. Der 20-Jährige Student steckt viel Herz und Energie in seine Kunst, bleibt aber auch im Gespräch sehr bodenständig. Das ist eigentlich eine gute Mischung, um als Künstler durchstarten zu können. Bislang verdient er damit noch kein Geld, hätte es aber verdient.  

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