Karl Schenk Graf von Stauffenberg im MGW
„Mein Großvater war kein Held“

Warendorf -

Auf Vermittlung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit war am Mittwochvormittag Karl Schenk Graf von Stauffenberg, Enkel des Widerstandskämpfers und Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg zu Gast im Mariengymnasium.

Mittwoch, 10.07.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 11.07.2019, 13:02 Uhr
Karl Schenk Graf von Stauffenberg war am Mittwoch im Mariengymnasium zu Gast. Bereitwillig beantwortete er Fragen, die Vincent Mann (kleines Foto, r.) sowie seine Leistungskurs-Kollegen Manuel Fast und Niels Dieckmann ihm stellten, hielt ein Plädoyer für Freiheit und Demokratie und warnte vor Radikalisierungstendenzen. Bereitwillig beantwortete Karl Schenk Graf von Stauffenberg Fragen, die Vincent Mann (r.) ihm stellte. Erarbeitet hatte diese Fragen der Leistungskurs Geschichte von Dr. Stephanie Taube.
Karl Schenk Graf von Stauffenberg war am Mittwoch im Mariengymnasium zu Gast. Bereitwillig beantwortete er Fragen, die Vincent Mann (kleines Foto, r.) sowie seine Leistungskurs-Kollegen Manuel Fast und Niels Dieckmann ihm stellten, hielt ein Plädoyer für Freiheit und Demokratie und warnte vor Radikalisierungstendenzen. Bereitwillig beantwortete Karl Schenk Graf von Stauffenberg Fragen, die Vincent Mann (r.) ihm stellte. Erarbeitet hatte diese Fragen der Leistungskurs Geschichte von Dr. Stephanie Taube. Foto: Joke Brocker

„Trauen Sie nie Leuten, die auf komplizierte Fragen einfache Antworten haben“, riet Ulrich Hoyer, Erfolgstrainer Kommunalpolitik und Seminarleiter der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit , den Schülern der Q1-Geschichtskurse des Mariengymnasiums. Das habe in Deutschland schon zweimal nicht funktioniert. In der Nazizeit und in der DDR, bemerkte der ehemalige Laurentianer.

Als überzeugter Verfechter von Demokratie und Freiheit stellte der langjährige Referent der Minister Jürgen W. Möllemann und Daniel Bahr den Gymnasiasten am Mittwochvormittag einen Mitstreiter vor, dessen prominenter Name für den Träger einerseits Bürde, andererseits aber auch Türöffner ist. Allein die Tatsache, mit dem „Typ aus dem Geschichtsbuch“ verwandt zu sein, öffnet Karl Schenk Graf von Stauffenberg , Enkel des Widerstandskämpfers Claus Schenk Graf von Stauffenberg, dessen Attentatsversuch auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 scheiterte, die Tore zu Plätzen, die er mit einem persönlich erlittenen „wirtschaftlichen Totalschaden“ assoziiert. Zu Schulen. „Ein mieser Trick meinerseits“, bemerkte der angenehm geerdet wirkende Vater von vier Kindern augenzwinkernd.

Mit seinen engagierten, von kleinen Experimenten begleiteten Vorträgen möchte der 49-Jährige Gründer des Vereins „Mittendrin statt extrem daneben“ vor allem junge Menschen für (linke wie rechte) Radikalisierungs- und Ausgrenzungstendenzen sensibilisieren. Und aufzeigen, wie Demokratie und Freiheit sowie eine von vielen Menschen heute als normal empfundene, mehr als 70 Jahre währende Zeit des Friedens – in einem Land, in dem 3000 Jahre lang Krieg herrschte – bewahrt werden können. In seinem Vortrag, aber auch im anschließenden Interview mit Manuel Fast, Niels Dieckmann und Vincent Mann, vorbereitet im Leistungskurs Geschichte von Dr. Stephanie Taube, wurde deutlich, dass ihm die Vereinnahmung seines Großvaters – wie auch die Gustav Stresemanns – durch „die Partei, die keine Alternative für Deutschland sein kann“ ebenso gegen den Strich geht wie die von der Kritik hochgelobte Karlauf-Biografie „Porträt eines Attentäters“, in dem der Autor dem Hitler-Attentäter jegliche Moral abspricht. Die Lektüre der gerade erschienenen Replik seiner Schwester Sophie („Stauffenberg – mein Großvater war kein Attentäter“) legte Stauffenberg den Schülern ans Herz.

„Mein Großvater“, befand er, „war kein Held.“ Er sei vielmehr ein Mensch mit Zivilcourage gewesen, der versucht habe, die freiheitliche Grundordnung in Deutschland wiederherzustellen. Aus Gesprächen mit seiner 2006 verstorbenen Großmutter wisse er, dass der Großvater gewissenhaft in seinem Tun, im Umgang mit der Familie und dies auch hinsichtlich seines Menschenbildes gewesen sei.

Nicht alle Statements Stauffenbergs nahmen die Zuhörer unwidersprochen zur Kenntnis. Seine Kritik an Kevin Kühnert, der vorgeschlagen hatte, Großunternehmen zu kollektivieren und damit nach Ansicht des Referenten „totalitäre Fantasien wie in der DDR entwickelt“, sorgte ebenso für Protest wie sein Vergleich zwischen Hitler und Stalin, deren einziges Unterscheidungsmerkmal in der Form ihrer Bärte bestanden habe.

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