Großbaustelle Kläranlage
Feuchttücher lösen Millionenprojekt aus

Warendorf -

Feuchttücher verstopfen immer wieder Großpumpen im Klärwerk. Das ist teuer, zudem erlischt mit jedem Ausfall eigentlich die Betriebserlaubnis. Also her mit neuen Pumpen? So einfach ist das nicht.

Donnerstag, 11.07.2019, 13:02 Uhr aktualisiert: 11.07.2019, 15:48 Uhr
Die nicht wasserlöslichen Feuchttücher verstopfen die Pumpenpropeller. Jede Reparatur kostet 25.000 Euro.
Die nicht wasserlöslichen Feuchttücher verstopfen die Pumpenpropeller. Jede Reparatur kostet 25.000 Euro. Foto: Joachim Edler

Für die Kläranlage werden achtstellige Beträge fällig: Abwasser-Betriebsleiter Ralf Bücker sprach am Mittwochabend im Fachausschuss von einer „Summe im niedrigen zweistelligen Millionenbereich“ und beließ es dabei. Danach ging ein Raunen durch die Reihen, allerdings konnte sich mancher angesichts Bückers Wortwahl auch ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Bevor die Kläranlage klären kann, passiert das Abwasser den sogenannten Zulaufbereich. Der ist nicht nur in Teilen 40 Jahre alt und „auf“, sondern durch seine Pumpentechnik immer wieder ausfallgefährdet. Andere Aggregate entsprechen nicht mehr dem technischen Standard oder sind zu klein für die Bewältigung der rechnerisch 21.500 Kubikmeter Abwasser, die bei Regen aus dem Mischwassersystem der Stadt ans Hartsteinwerk rauschen.

Jede Reparatur kostet 25.000 Euro

Wie mehrfach berichtet, verstopfen die nicht wasserlöslichen Feuchttücher die Pumpenpropeller. Jede Reparatur kostet 25.000 Euro. Und die, so Michael Schütte vom Ingenieurbüro Frilling und Rolfs, lasse abwasserrechtlich betrachtet für die jeweilige Reparaturdauer von rund drei Monaten die Betriebserlaubnis erlöschen.

Wir reden über ein Summe im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.

Ralf Bücker nennt noch keine genauere Schätzung

Das Büro hat den Auftrag, die durch das Feuchttuchproblem ausgelöste Gesamtbetrachtung des Zulaufbereichs zu begutachten. Das Ergebnis: Es gibt sehr viel zu tun. Während die Anlage insgesamt in einem laut Michael Schütte vergleichsweise auffällig guten Zustand ist, was sorgfältige Instandhaltung belege, ist anderes sanierungs- oder ersatzbedürftig.

Kostenermittlung läuft

Schütte konnte am Mittwoch noch keine Summen nennen, weil die Kostenermittlung gerade erst läuft. Ziel sei, sagte Ralf Bücker, noch dieses Jahr, sonst Anfang 2020 die vorgeschriebene europaweite Ausschreibung der Planungen zu erledigen.

Im Wesentlichen kommen bei der Begutachtung des Status Quo zwei Empfehlungen heraus: Entweder lässt der Abwasserbetrieb ein Pumpwerk mit Schneckenförderung bauen, einer laut Schütte leistungsstarken und robusten Technik, die nicht nur Feuchttücher, sondern sogar ganze Tiefkühltruhen fördern könne. Oder, das wäre Variante zwei, die Entscheidung fällt für eine Grobrechenanlage mit Kombipumpwerk. Auch dort arbeiten andere Pumpen als die jetzigen.

Robustere Pumpen müssen her

Beide Varianten bedeuten vor allem tiefgründende Bauarbeiten in schwierigem Boden mit hohem Grundwasserstand, beide ermöglichen aber den Aufbau im laufenden Betrieb und sukzessiven Anschluss an die nachfolgende Technik. Sobald die neugebauten Anlagenteile betriebsbereit sind und verlässlich laufen, können die nicht mehr benötigten Altteile dann angerissen werden. Das, fügte Michael Schütte an, sei übrigens im Gegensatz zum Neubau der schwerer zu beziffernde Teil der Gesamtkosten. Deren Höhe wird das Gremium in einer seiner nächsten Sitzungen beschäftigen.

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