Hundeasyl fehlt es an Personal und Geld
Brandbrief an die Stadt

Freckenhorst -

Einen Aufnahmestopp für Fundhunde und sichergestellte Hunde wird das Hundeasyl in Freckenhorst wohl ab Mitte August verkünden. In einem Brandbrief, der die Stadt Warendorf und umliegende Städte und Gemeinden in Kürze erreichen soll, klagen die Mitglieder des Vereins, der das Tierheim betreibt, über Personalnot und zu geringe finanzielle Mittel.

Freitag, 26.07.2019, 21:00 Uhr
Roswitha Welle, Marlen Mahlmann und Sarah Borree (v. l.) kümmern sich im Hundeasyl unter anderem um Zwergpinscher Max (2. v. l.), Milou, Johnny, Schorn und Bardino-Mix Shira. Vermittelt werden sollen ferner ein englischer Bulldoggen-Mix und „Christa“, ein Kaukasischer Owtscharka (Herdenschutzhund). Die Hündin ganz links gehört Roswitha Welle und wird natürlich nicht vermittelt.
Roswitha Welle, Marlen Mahlmann und Sarah Borree (v. l.) kümmern sich im Hundeasyl unter anderem um Zwergpinscher Max (2. v. l.), Milou, Johnny, Schorn und Bardino-Mix Shira. Vermittelt werden sollen ferner ein englischer Bulldoggen-Mix und „Christa“, ein Kaukasischer Owtscharka (Herdenschutzhund). Die Hündin ganz links gehört Roswitha Welle und wird natürlich nicht vermittelt. Foto: Joke Brocker

Einen Brandbrief des Hundeasyls werden in Kürze wohl die Stadt Warendorf und einige umliegende Städte und Gemeinden bekommen, die Fund- und sichergestellte Hunde bislang im Tierheim am Feidiek abgeben. „Ab Mitte August können wir nur noch die Versorgung der bereits aufgenommenen Hunde leisten“, kündigt Sarah Borree an, die in Gütersloh den Verein „Hundehilfe ohne Grenzen“ betreibt und sich seit eineinhalb Jahren außerdem ehrenamtlich im Freckenhorster Hundeasyl engagiert. Die Mitarbeiter der Ordnungsämter und die Polizei müssten sich darauf einstellen, dass Fundhunde und Sicherstellungen künftig ins Tierheim nach Ahlen gebracht werden müssen.

Borree begründet diesen Schritt einerseits mit Personalproblemen, andererseits mit dem knappen Budget. Die 10 000 Euro, die die Stadt Warendorf, Vermieter des Grundstücks, dem privaten Tierheim seit 2017 jährlich zur Verfügung stellt, gingen „allein für Strom und Wasser drauf“, berichtet Borree und blickt etwas neidisch auf das Mammut-Tierheim in Ahlen, das von der Stadt Warendorf jedes Jahr fast den doppelten Betrag erhalte. Um kleinere Bau- und Reparaturmaßnahmen kostengünstig stemmen zu können, hat der Verein einen Helfertag (erster Sonntag im Monat, 14 bis 18 Uhr) eingeführt, bei dem handwerklich geschickte Menschen jederzeit willkommen sind (akut werden Baumfäller gesucht, die zwei tote Bäume, auf dem Gelände fällen, die jederzeit umstürzen könnten). Futter- und teilweise enorme Tierarztkosten finanziere das Hundeasyl über Spendengelder. „Dadurch“, so Borree, „fehlt uns das Geld, um selbst einen Minijob zu finanzieren.“ Die Finanzierung einer Halbtagsstelle hat sich der Verein deshalb von der Stadt Warendorf gewünscht, die so eine Teilzeitstelle aber abgelehnt habe.

„Mit einer kompetenten Person könnte man aber vieles abdecken“, ist Roswitha Welle überzeugt. Schon jetzt sei das täglich anfallende Pensum kaum zu bewältigen: „Da schafft man gerade die Grundreinigung.“ Ein Maulkorbtraining für sogenannte Listenhunde oder das Trainieren der Leinenführigkeit nicht immer ganz pflegeleichter Vierbeiner, die man aufgrund ihres Temperamentes oder ihrer Größe auch nicht jedem x-beliebigen Spaziergänger anvertrauen könne, sei da zeitlich kaum drin.

Und offenbar wird die Situation noch dramatischer. Vereinsvorsitzende Katrin Lindpere fällt krankheitsbedingt länger aus. Eine Ehrenamtliche beginnt in Kürze eine Ausbildung, eine weitere wechselt den Job, und auch Sarah Borree, die selbst lange krank geschrieben war, wird in Kürze wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen müssen. „Für uns Ehrenamtliche ist die Arbeit hier eine Herzenssache. Wenn das alles vor die Hunde ginge, wäre das unheimlich schade“, bangt Roswitha Welle um die Zukunft der Einrichtung.

„Wir sind guten Willens zu helfen“, versichert auf WN-Anfrage Dr. Martin Thormann. Bei einem Besuch des Hundeasyls im April hatte der Erste Beigeordnete und Kämmerer „Probleme auf verschiedenen Ebenen“ hinsichtlich des „Bauzustandes und in Fragen des Betrieblichen“ registriert. Zweifellos stünden Entscheidungen an, für die es aber einer Basis bedürfe.

„Wir brauchen ein Konzept“, stellt Thormann klar. Dieses müsse zeigen, dass das, was im Hundeasyl passiere, sinnvoll, nachhaltig und verhältnismäßig sei. Der Stadtkämmerer: „Wir müssen schließlich auch verantwortlich mit unseren Ressourcen umgehen.“

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