Gesetzesentwurf zielt auf erweiterte Öffnungszeiten ab
Bücherei als Kulturort am Sonntag?

Warendorf -

Ein Blick auf die Angebotsvielfalt der Stadtbücherei Warendorf verrät, dass ein Besuch dort sich nicht mehr allein darum dreht, spannende Bücher, CD‘s oder Zeitschriften auszuleihen. Hier geht es längst um mehr: Die Stadtbücherei ist ein Ort des kulturellen Austauschs geworden. Hier findet Begegnung und Aktion statt. Hier bilden sich Schnittstellen und Netzwerke. Demnächst auch am Sonntag?

Dienstag, 03.09.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 03.09.2019, 07:42 Uhr
Bibliotheken werden zu zentralen Begegnungsorten wie hier bei der Nacht der Bibliotheken. Birgit Lücke (rundes Bild) freut sich über die spannende Entwicklung für die öffentlichen Bibliotheken
Bibliotheken werden zu zentralen Begegnungsorten wie hier bei der Nacht der Bibliotheken. Birgit Lücke (rundes Bild) freut sich über die spannende Entwicklung für die öffentlichen Bibliotheken Foto: Rebekka Lek/Peter Sauer

Ein Blick auf die Angebotsvielfalt der Stadtbücherei Warendorf verrät, dass ein Besuch dort sich nicht mehr allein darum dreht, spannende Bücher, CD‘s oder Zeitschriften auszuleihen. Hier geht es längst um mehr: Die Stadtbücherei ist ein Ort des kulturellen Austauschs geworden. Hier findet Begegnung und Aktion statt. Hier bilden sich Schnittstellen und Netzwerke. In Warendorf heißt das konkret: „Die Bücherfreunde“ treffen sich im Lesecafé der Stadtbücherei, Die Kids sind zum Gaming Vormittag mit Playstation 4, Nintendo Switch oder mit VR-Brille eingeladen. Für Kinder von vier bis sieben Jahren gibt es Vorlesestunden und auch das Bilderbuchkino ist zum regelmäßigen Termin geworden. Dieser kulturelle Austausch findet im Rahmen der Öffnungszeiten der Bücherei statt. Und genau das war bislang ein entscheidender Unterschied zwischen einer Stadtbücherei und anderen Kulturangeboten wie beispielsweise Museen, Theater oder Kino.

„Das ist ein echter Nachteil“, finden Vertreter der FDP- und auch der CDU-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag. Sie haben bereits Anfang April einen Gesetzentwurf vorgelegt, in dem es um die Stärkung der kulturellen Funktion der öffentlichen Bibiotheken und ihrer Öffnung am Sonntag geht (Bibliotheksstärkungsgesetz).

Sonntagsöffnung per Gesetz

Birgit Lücke vom Team der Stadtbücherei Warendorf findet auf WN-Nachfrage, dass eine erweiterte Öffnungszeit von Bibliotheken auch am Sonntag zunächst mal ein reizvoller Gedanke ist. „Ganz spontan gesagt, finde ich es gut, dass Bibliotheken auch aus politischer Sicht endlich nicht mehr nur als reine BuchausleihStation gesehen werden, sondern als Ort der Begegnung.“ Bibliotheken seien tatsächlich die am meisten unterschätzten kulturellen Einrichtungen.

Das sieht der NRW- Gesetzesentwurf ähnlich: Nach der im Gesetzentwurf aufgezeigten Problemstellung müssen öffentliche Bibliotheken anders als Museen beispielsweise an Sonn- und Feiertagen schließen und können dadurch ihre Funktion als gesellschaftlicher Begegnungsort nur unzureichend erfüllen. Eine Lösung sehen die beiden Landtagsfraktionen in einer Funktionsstärkung der Bibliotheken als Begegnungs- und kulturelle Veranstaltungsorte, und zwar nicht zuletzt durch eine Änderung des Kulturfördergesetzes und der Bedarfsgewerbeverordnung.

Katholische Konkurrenz

Mit anderen Worten: Durch diese Gesetzesänderungen soll eine Sonntagsöffnung von Bibliotheken ermöglicht werden. Dazu fällt Birgit Lücke spontan die Situation in Warendorf ein, die dadurch sehr komfortabel ist, dass es im Stadtgebiet noch vier katholische öffentliche Büchereien gibt, die sonntags geöffnet haben. „Dazu möchte ich nicht in Konkurrenz treten“, stellt sie klar. Obendrein ist aus ihrer Sicht eine Erweiterung der Öffnungszeiten auch nicht ohne finanziellen Einsatz zu stemmen. Es sei letztlich suboptimal, die Öffnungszeiten der Büchereien auszuweiten und sie dann personalfrei zugänglich zu machen. „Dann bleibt der Effekt als Kulturort der Begegnung doch auf der Strecke“, meint sie. Für sinnvoller hält es Lücke, in Warendorf über erweiterte Öffnungszeiten in den Abendstunden nachzudenken und diese auch mit Inhalten zu füllen.

Bereits im Herbst dieses Jahres wird auf das Inkrafttreten des Bibliothekenstärkungsgesetzes spekuliert. In dem Gesetzgebungsvorhaben sehen die Landespolitiker laut Gesetzentwurf auch eine Stärkung der Selbstverwaltung der Gemeinde, in dem neue kulturpolitische Gestaltungsspielräume ermöglicht werden.

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