Franz Münteferings Tipps fürs Älterwerden
Laufen, Lernen und Lachen

Warendorf -

„Wir wollen, dass auch die Älteren gut leben können“, sagte Franz Müntefering am Samstag im Hotel „Im Engel“. Zuvor hatte sich der 70-Jährige ins Goldene Buch der Stadt Warendorf eingetragen. Mit Sorge sehe er, dass es in Großstädten wie Berlin und Düsseldorf rund 50 Prozent Singlehaushalte gebe und die Menschen Tür an Tür leben würden, ohne sich zu kennen. Glücklicherweise sei die Situation in ländlich geprägten Kommunen wie Warendorf noch nicht so dramatisch: „Kommunen sind von entscheidender Bedeutung für das Zusammenleben.“

Sonntag, 08.09.2019, 10:12 Uhr aktualisiert: 08.09.2019, 18:10 Uhr
Franz Müntefering trug sich ins Goldene Buch der Stadt Warendorf ein. Bürgermeister Axel Linke schaut ihm über die Schulter.
Franz Müntefering trug sich ins Goldene Buch der Stadt Warendorf ein. Bürgermeister Axel Linke schaut ihm über die Schulter. Foto: Stephan Ohlmeier

Franz Müntefering ist ein politischer Vollprofi. Jemand, der es versteht, für seine Überzeugen zu kämpfen und Menschen zu gewinnen. Er war Bundesvorsitzender der SPD , Vizekanzler im Kabinett Merkel I und am Samstag als Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) zu Gast in Warendorf.

Nach der Eintragung in das Goldene Buch der Stadt referierte der 79-jährige im Hotel „Im Engel“ auf Einladung des Seniorenfreizeitkreises, der Volkshochschule und der Stadtverwaltung über seine Vision eines selbstbestimmten und aktiven Lebens im Alter. Die Gesellschaft erlebe zurzeit einen Wandel, wie es ihn noch nie gegeben habe, so Müntefering. Während die individuelle Lebenserwartung immer weiter anwachse, verdopple sich die Zahl der über 80-Jährigen bis zum Jahr 2035 auf über 10 Millionen Menschen.

„Wir wollen, dass auch die Älteren gut leben können“, sagte Franz Müntefering: „Dazu brauchen wir eine Gesellschaft, die zusammenhält und in der die Menschen aufeinander achten.“ Mit Sorge sehe er, dass es in Großstädten wie Berlin und Düsseldorf rund 50 Prozent Singlehaushalte gebe und die Menschen Tür an Tür leben würden, ohne sich zu kennen. Glücklicherweise sei die Situation in ländlich geprägten Kommunen wie Warendorf noch nicht so dramatisch: „Kommunen sind von entscheidender Bedeutung für das Zusammenleben.“

Um im Alter gut leben zu können, sah der Sozialdemokrat den Staat, die Gesellschaft und den Einzelnen gefordert. Während der Staat soziale Sicherheit schaffen müsse, sei es auf gesellschaftlicher Ebene wichtig, miteinander zu sprechen und soziale Umfelder zu wahren. Aber auch der Einzelne sei gefordert: „Nicht sagen, Staat mach mal – wo man sich auch selbst engagieren könnte.“

Den zahlreichen Zuhörern gab Franz Müntefering die drei „L“ – Laufen, Lernen, Lachen – als Tipp für ein erfülltes Leben im Alter mit auf den Weg. „Warten sie nicht, dass irgendeiner kommt, sondern bleiben sie dazwischen.“ Jeder solle gesellschaftliche Angebote wahrnehmen, Kontakte pflegen und in Bewegung bleiben: „Einmal im Vierteljahr gibt es dann auch ein Rollatoren-Rennen. Jeder ist dabei.“

Zugleich solle man im Alter neugierig bleiben und sich in die Gesellschaft einbringen: „Das Potenzial ist in unseren Köpfen da.“ Beispielhaft könne man junge Menschen dabei unterstützen, einen Schulabschluss zu erlangen oder als Zeitzeugen von früher berichten.

Genauso wichtig sei es aber, in regelmäßigen Abständen zu lachen und Spaß zu haben. Abschließend appellierte Franz Müntefering an die Senioren: „Helfen sie mit, dass es in ihrer Stadt gut läuft.“

Eine Möglichkeit sich vor Ort einzubringen, stellt der Strategieprozess der Stadt Warendorf dar. Bürgermeister Axel Linke lud alle Senioren ein, ihre Ideen und Wünsche zu äußern und betonte: „Die wachsende Gruppe von älteren Menschen mit ihren Bedürfnissen und auch mit ihren Potenzialen muss und soll nach meiner Auffassung zukünftig verstärkt in den Blick genommen werden.“

Iris Blume, Sachgebietsleiterin „Soziales und Wohnen“ in der Stadtverwaltung, stellte kurz die ersten Ergebnisse des runden Tisches der Seniorenarbeit und des gegründeten Arbeitskreises Wohnen, Mobilität, Pflege und Betreuung sowie Freizeit vor. Zudem habe man das Informationsangebot auf der städtischen Homepage aktualisiert, plane eine Neuauflage des Seniorenratgebers und wolle an einem Projekt des Kreises Warendorf im Bereich der aufsuchenden Seniorenberatung teilnehmen. Im Anschluss hatten die Gäste genügend Gelegenheit, mit Franz Müntefering und den Vertretern der Verwaltung zu diskutieren. Für die Moderation zeichnete Markus Bußmann verantwortlich.

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