Stadtbücherei im Wandel
Entdeckerparadies oder Wohnzimmer?

Warendorf -

Birgit Lücke sieht die Bücherei künftig als einen inspirierenden Ort, an dem man sich wohlfühlen kann. Mit noch mehr Rückzugsräumen wie es sie jetzt schon gibt und noch enger auf die Bedürfnisse aller Generationen eingehend. Wo Menschen aufeinanderstoßen, die sich sonst nicht begegnen. Anregungen hat sich die Leiterin der Stadtbücherei aus den Niederlanden geholt. In Den Helder steht eine Bibliothek, die als die beste der Welt ausgezeichnet wurde.

Donnerstag, 12.09.2019, 04:00 Uhr
Ausgezeichnet und hoch gelobt: die Bibliothek in Den Helder. Eine Delegation mit Büchereileiterin Birgit Lücke an der Spitze besichtigte die Bibliothek und holte sich Anregungen für den Warendorfer Standort: Teppiche, Licht, Farben, Möbel – Ruhezonen, die auch in Warendorf möglich wären.
Ausgezeichnet und hoch gelobt: die Bibliothek in Den Helder. Eine Delegation mit Büchereileiterin Birgit Lücke an der Spitze besichtigte die Bibliothek und holte sich Anregungen für den Warendorfer Standort: Teppiche, Licht, Farben, Möbel – Ruhezonen, die auch in Warendorf möglich wären. Foto: Birgit Lücke

Die Einwohner von Den Helder (Niederlande) sind stolz auf ihre Bibliothek, was sich täglich zeigt. Die Leute kommen, um zu lesen, zu arbeiten, eine Lesung zu hören oder an einem Workshop teilzunehmen. Man kann sich sogar im Theatersaal trauen lassen oder im Café einen Geburtstag feiern. Die Bibliothek, die als beste in den Niederladen – und sogar weltweit – ausgezeichnet wurde, ist ein leuchtendes Beispiel einer innovativen und unternehmerischen Kommunikationsplattform, oder salopp gesagt, das Wohnzimmer der Stadt.

Auch die Warendorfer sind stolz auf ihre Stadtbücherei, die längst ein Ort des Lernens, der Begegnung und des Austausches ist. Das haben die Bibliotheken in Den Helder und Warendorf gemeinsam. Nein, messen möchten sich die Mitarbeiter der Stadtbücherei an der Ems nicht mit den Kollegen in den Niederlanden – jedenfalls was das 10 Millionen Euro teure Bibliothek-Projekt angeht. Aber Inspirationen, Anregungen holte sich jetzt das Team bei einer Besichtigung in Den Helder.

Das Ergebnis stellte Birgit Lücke , Leiterin der Stadtbücherei, am Dienstagabend im Schul- und Kulturausschuss vor. Und sie war total begeistert. Und nicht nur sie, auch alle Mitreisenden, darunter Vertreter des Fördervereins der Bücherei und der Politik, waren voll des Lobes ob der Atmosphäre und der Besucher, die sie dort vorfanden. Nämlich alle Generationen unter einem Dach, der alten Schule der Stadt. Die Bibliothek als zentraler Raum, in der herkunft- und interessenübergreifend Begegnung stattfindet. Und in der sich auch ein Stück Stadtgeschichte widerspiegelt.

„Was können wir aus Den Helder lernen und für Warendorf umsetzen?“ fragte Birgit Lücke. Ein Arbeitskreis, zu dem ausdrücklich auch die Politiker eingeladen sind, soll die Antwort geben. Bei der Konzeptentwicklung auf dem Weg zum Wohnzimmer der Stadt oder zu einem Entdeckerparadies, hat sich die Stadtbücherei externe Hilfe einer Agentur geholt. Ende Dezember soll ein Konzept auf dem Tisch liegen – eine Umsetzung ist bis Ende 2020 geplant. Dann könnten auch konkrete Kosten genannt werden.

Die Warendorfer Stadtbücherei baut dabei auf das Förderprogramm „hochdrei – Stadtbibliotheken verändern“ der Kulturstiftung des Bundes, die Stadtbibliotheken in ihrer Rolle als kooperationsfreudige und teilhabeorientierte Kulturorte stärken will. Das Programm will Raum schaffen für unkonventionelle Ideen und kreative Formate, die es den Stadtbibliotheken auf Dauer ermöglichen, sich als offene Orte der Begegnung zu etablieren. Die Kulturstiftung des Bundes fördert das Programm in den Jahren noch bis 2022 mit 5,6 Millionen Euro.

Und Warendorf ist dabei. „Wir werden im kommenden Jahr 130 000 Euro in Möbel stecken können“, sagte Birgit Lücke, die bereits konkrete Vorstellungen davon hat, welche Bausteine aus Den Helder auf Warendorf übertragbar sind: Lernen und Arbeiten , Begegnen und Genießen, Insel für Studierende. Lücke: „Es gab schon Studenten, die ihre Bachelor-Arbeit hier in der Bücherei geschrieben haben.“ Die Leiterin der Stadtbücherei könnte sich vorstellten, die Geschichte des Gebäudes an der Kurzen Kesselstraße, in der früher mal drei Schulen untergebracht waren, lesbar zu machen. „Geplant ist, dass der Förderverein demnächst Führungen anbietet, um zum Beispiel Klassentreffen zu unterfüttern. Es gibt viele Ideen – auch ohne zehn Millionen Euro in die Hand nehmen zu müssen. Teppiche, Möbel, Licht, Farben – kleine Momente für schmales Geld.“ Birgit Lücke sieht die Bücherei künftig als einen inspirierenden Ort, an dem man sich wohlfühlen kann. Mit noch mehr Rückzugsräumen wie es sie jetzt

schon gibt und noch enger auf die Bedürfnisse aller Generationen eingehend. Wo Menschen aufeinanderstoßen, die sich sonst nicht begegnen. Dabei will sie an dem Raumprogramm der Ausleihe im Erdgeschoss mit dem Angebot für Kinder und Jugendliche, wo es dann auch schon mal lauter ist, nichts ändern. Rückzugsräume wie der Lerntreff sollen weiter im Obergeschoss angesiedelt sein. Bauliche Veränderungen sind nicht geplant. Wenn es in der Bibliothek in Den Helder einmal zu laut zugeht, dann spielen die Mitarbeiter einfach klassische Musik ein, erzählte Birgit Lücke. Und fand das eine gute Idee.

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