Träger schlagen Alarm – Stadt stockt freiwilligen Beitrag auf
Mehr Geld für die OGS

Warendorf -

Die Träger der Offenen Ganztagsschulen in Warendorf schlagen Alarm und haben in der jüngsten Sitzung des Schul- und Kulturausschusses die Qualitätsdebatte eröffnet. Bei dem engen Personalschlüssel und dem getakteten Arbeitsablauf sei es kaum noch möglich, allen Kindern, vor allem mit besonderen Pflegebedarf, gerecht zu werden.

Donnerstag, 12.09.2019, 15:32 Uhr aktualisiert: 12.09.2019, 16:42 Uhr
Die Träger der Offenen Ganztagsschulen schlagen Alarm und haben in der Sitzung des Schul- und Kulturausschusses die Qualitätsdebatte eröffnet. Bei engem Personalschlüssel und Arbeitsablauf sei es kaum noch möglich, allen Kindern gerecht zu werden.
Die Träger der Offenen Ganztagsschulen schlagen Alarm und haben in der Sitzung des Schul- und Kulturausschusses die Qualitätsdebatte eröffnet. Bei engem Personalschlüssel und Arbeitsablauf sei es kaum noch möglich, allen Kindern gerecht zu werden. Foto: di

Die Träger der Offenen Ganztagsschulen in Warendorf schlagen Alarm und haben in der jüngsten Sitzung des Schul- und Kulturausschusses die Qualitätsdebatte eröffnet. Bei dem engen Personalschlüssel und dem getakteten Arbeitsablauf sei es kaum noch möglich, allen Kindern, vor allem mit besonderen Pflegebedarf, gerecht zu werden. „Mit dem jetzigen Personalschlüssel können wir gerade die Betreuung der Kinder leisten“, schilderte Sebastian von Hebel, Leiter des Offenen Ganztags der Overbergschule, in der Sitzung eindrucksvoll, wie ein Tagesablauf mit 100 Kindern in der OGS aussieht. Und das sei weit mehr als nur Mittagessen, Hausaufgaben und Betreuung. „Für Elterngespräche, spezielle Erziehungsfragen, bleibt keine Zeit.“ Das machten die Mitarbeiter jetzt bereits in ihrer Freizeit. Kurz: es fehlt an Geld und an Personal.

Finanziert wird die Offene Ganztagsschule in Warendorf durch drei Bausteine. Erstens: das Land. Zweitens: die Stadt mit ihrem kommunalen Pflichtanteil, den die Kommune durch den Elternbeitrag wieder refinanziert. Und drittens, zahlt die Stadt zusätzlich einen freiwilligen Geldbetrag. Und der soll jetzt angepasst werden. Während die OGS-Träger Arbeiterwohlfahrt (Awo) und Caritas bei der Stadt beantragt haben, diesen freiwilligen Zuschuss auf 800 Euro für jedes Kind zu erhöhen, schlägt die Stadt einen Kompromiss vor: für die ersten 25 Kinder je 450 Euro und für jedes weitere Kind 350 Euro. Aktuell zahlt die Stadt 360 Euro für die ersten 25 Kinder und für jedes weitere Kind 100 Euro. Knapp 95000 Euro. Mit dem eigenen Kompromiss-Vorschlag würde die Stadt ihre freiwilligen Zuschüsse nahezu verdoppeln – auf fast 190 000 Euro.

Schulamtsleiter Udo Gohl brachte es in der Sitzung auf den Punkt: „Der Offene Ganztag ist absolut unterfinanziert.“ Und Herbert Kraft , Geschäftsführer des Caritasverbandes im Kreis Warendorf untermauerte: „Es geht um die Kinder in dieser Stadt.“

Dr. Martin Thormann, Erster Beigeordneter der Stadt, signalisierte bereits in der Sitzung, dass die Stadt deutlich mehr tun werde, damit die OGS-Träger qualitative Arbeit leisten könnten. Und er verwies auf den Kompromiss, der jetzt politisch diskutiert wird.

Thormann kündigte bereits in der Sitzung an, dass die Satzung für die Elternbeiträge angepasst wird. Seit dem Schuljahr 2006/2007 gibt es die Offenen Ganztagsschulen in Warendorf. Die Elternbeiträge sind nach dem Einkommen gestaffelt. Aktuell gilt: Bei einem Jahreseinkommen von unter 20 000 Euro müssen Eltern keine Beiträge zahlen. Nach Informationen unserer Zeitung möchte die Stadt den Freibetrag auf 28 000 oder 30 000 Euro anheben. Hintergrund: Familien, die Leistungen beim Jobcenter beziehen, liegen dann schon mal über der bisherigen freien Beitragsgrenze. Die SPD hatte in ihrem Antrag sogar gefordert, die beitragsfreie Grenze bis auf 40 000 Euro anzuheben. Die letzte Anpassung der Beitragssätze war im Jahre 2011.

Bei allem Engagement und Einsatz, den die Mitarbeiter der Offenen Ganztagsschulen leisten, gab Mechtildes Wissmann (CDU) jedoch zu bedenken, dass die Finanzierung Aufgabe des Landes und nicht der Kommune sei: „Das ist Ländersache.“

Die CDU-Politikerin wollte wissen, wo das Geld der Stadt denn dann eingesetzt wird. „Wir werden wohl keine neue Kraft einstellen können“, sagte von Hebel. Er hoffe aber, den Mitarbeitern mehr Stunden bezahlen zu können.

Zu den Standards gehört eine definierte personelle fachliche Ausstattung, ein ausreichendes Raumangebot und individuelle Förderung, außerdem eine Hausaufgabenbetreuung, eine gemeinsame Mittagsverpflegung sowie ein kulturelles, sportliches und gemeinwohlorientiertes Angebot.

Und wie sieht es bei der Acht- bis Eins-Betreuung aus? Die Stadt sieht ihren vornehmlichen Auftrag in der OGS-Finanzierung, will aber beim Acht- bis Eins-Angebot künftig ebenfalls auf freiwilliger Basis Zuschüsse zahlen. Das Land fördert dieses Betreuungsangebot mit 7500 Euro. Die Stadt will künftig 4500 Euro (ab dem 30. Kind) dazuschießen. Mehrkosten von 37 500 Euro. Die Bodelschwingh-schule hat als einzige Grundschule in Warendorf keine OGS, aber eine Acht- bis Eins-Betreuung. Dieses Angebot halten ebenfalls die Dechant-Wessing-Schule, die Everwordschule, die Overbergschule, die Laurentiusschule und die Wilhelm-Achtermann-Schule vor. In Hoetmar nehmen unter 26 Kinder das Betreuungsangebot wahr.

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