Thema Seniorenbeauftragte(r)
Dauerbaustelle Älterwerden

Warendorf -

Wie viel wird der oder die für die Seniorenarbeit Zuständige in der Stadtverwaltung zu tun haben? Es könnte mehr sein, als in einer halben Stelle zu schaffen ist, sagten zwei Experten im Fachausschuss.

Freitag, 13.09.2019, 16:22 Uhr
Gabriele Linsten macht in Bersenbrück Seniorenarbeit.
Gabriele Linsten macht in Bersenbrück Seniorenarbeit. Foto: Jörg Pastoor

Soll Warendorfs Seniorenbeauftrage(r) bündeln und verwalten, was es an Angeboten für ältere Menschen schon gibt – wie ein Beckum? Oder soll es auch um strategische Weiterentwicklung gehen? So läuft das in der Samtgemeinde Bersenbrück. Raue Mengen an Details in beiden Kommunen hörte dazu der Sozialausschuss von Gabriele Linsten (Bersenbrück) und Eggi Steinhoff (Beckum).

„Das Thema beschäftigt uns schon einige Jahre“, leitete Vorsitzender Alfons Havelt in die Vorträge, „und es herrscht ziemliche Übereinstimmung, das zielgenau anzugehen.“

Das Thema beschäftigt uns schon einige Jahre.

Ausschussvorsitzender Alfons Havelt

Das tut man in Bersenbrück schon sechs Jahre lang. Gabriele Linsten erzählte, wie die Arbeit in der niedersächsischen Gemeinde mit knapp 15 000 Einwohnern funktioniert. Nämlich unter starker Einbeziehung älterer Menschen selbst. Die Gruppen von 60 bis 70, 70 bis 80, 80 bis 90 Jahren und höherem Lebensalter seien in Arbeitskreisen aktiv. Sie habe wissen wollen: „Was machen wir für Menschen 60+?“ Da gab es schon Angebote, doch vieles sei durch Abfrage dazu gekommen. Denn: „Mit 60 ist man heute nicht alt.“

Mit 60 ist man heute nicht alt.

Gabriele Linsten

In sozialen wie handwerklichen Projekten habe man sich des Wissens von „Seniorexperten“ bedient. Es gebe intensive Zusammenarbeit mit den Berufsschulen, junge Leute helfen älteren auch beim Thema Digitalisierung, bauen Hemmnisse vor Smartphone- und Computernutzung ab. Es gebe in mehreren der sieben kleinen Ortsteile Dorfzentren, um vor Ort bei den Menschen sein zu können. Bewegungs- und Kochkursangebote, Beratung zu allem, was das Altwerden mit sich bringt – laut Gabriele Linsten entwickle sich das fortlaufend: „Eine Kommune darf nicht stillstehen und sich auf dem ausruhen, was sie hat.“

Hohe Zuschüsse in Niedersachsen

Der Vorteil in Niedersachsen sei hohe finanzielle Förderung durch Land und Krankenkassen – letztere wüssten, dass so betreute alte Menschen viel länger keine teuere Hilfe brauchen, weil sie länger eigenständig bleiben.

So eine Förderkulisse hätte Eggi Steinhoff auch gerne. Seit 20 Jahren ist er sozusagen die Altenarbeit in Beckum, das von der Einwohnerzahl mit Warendorf vergleichbar ist. Dort stehe allerdings klar fest: Am besten kostet es nichts. Er stelle zusammen mit den vorhandenen Altenhilfeeinrichtungen ein jeweils vier Jahre geltendes Handlungskonzept auf, das allgemein die Verbesserung der Lebenssituation älterer Menschen zum Ziel hat. An Bedarfen ausgerichtete, neue Angebote gehören dazu: Statt der erwarteten 45 Teilnehmer haben sich für ein Programm mit Bewegungskursen 130 Menschen gemeldet. „Mit einem Durchschnittsalter von 74 Jahren“, so Steinhoff stolz. In Beckum gebe es auch einen Pflegestammtisch. Aber irgendwo stoße er an die Grenzen seiner 30-Stunden-Stelle: „Man braucht für alles Personal – und Stunden.“

Man braucht Personal – und Stunden.

Eggi Steinhoff

Sowohl für Eggi Steinhoff als auch für Gabriele Linsten stand die Einschätzung ganz oben auf der Liste: „Mit einer halben Stelle das überhaupt nicht.“

Der Ausschuss wird, das hatte Beigeordneter Dr. Martin Thormann so vorgeschlagen, nun über Details der Stellenausschreibung sprechen, um das Anforderungsprofil des oder der Seniorenbeauftragten genauer festzulegen. Im November wird das sein. Zustände wie in Niedersachsen stehen dabei nicht zur Debatte. „Weil wir dreimal so groß sind wie Bersenbrück, würden wir über 15 Stellen sprechen . . .“ Dort gibt es fünf davon. Warendorf plant eine halbe.  

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