Schauspieler im TaW
Als Hans-Martin noch zur See fuhr

Warendorf -

Die besten Zeiten mit der Törner Stier Crew liegen lange zurück, aber Hans-Martin Stier ist als Charakterdarsteller noch immer präsent. Und auch als Erzähler und Sänger. Wie er jetzt im TaW bewies.

Mittwoch, 25.09.2019, 15:02 Uhr aktualisiert: 25.09.2019, 16:14 Uhr
Hans-Martin Stier gehörte mal zur „Törner Stier Crew“, ist mal fast am Kap der Guten Hoffnung gesunken und singt auch noch.
Hans-Martin Stier gehörte mal zur „Törner Stier Crew“, ist mal fast am Kap der Guten Hoffnung gesunken und singt auch noch. Foto: Joe Rieder

„An Backbord brennt `ne rode Lamp, an Stüerbord `ne greun“ – dazu eine Trosse, ein Rettungsring und eine Schiffslaterne, fertig ist das Bühnenbild für „ Hans-Martin Stier & Die Shipping Company“, die am Dienstagabend im Theater am Wall 60 000 Seemeilen mit Musik begleitete autobiografische Geschichten aus der Seefahrerzeit von Hans-Martin Stier erzählten.

Die meisten Menschen kennen ihn als Schauspieler, manche als Musiker. Fernsehzuschauer kennen ihn aus den verschiedensten Rollen, manchmal irgendwie böse, immer charakterstark. Glatzköpfig, mit massiver Statur und einem Gesicht, das sich sofort einprägt. Ebenso wie seine Stimme.

Die stand im Vordergrund des rund zweieinhalbstündigen Abends im leider nicht ganz ausverkauften TaW und wurde begleitet von Stefan Kaspring (Keyboard), Thom Brill (Gitarre, Vocals) und Thomas Lensing (Percussion, Vocals).

Das Quartett begann die Reise mit sanftem Möwengeschrei und „Albatros“ von Fleetwood Mac , dazu eine Geschichte, die von einer Begegnung Stiers mit einem Albatros handelte. Sie stammte, wie die anderen, aus den 60er und 70er Jahren, „als es noch echte Seefahrt gab“, so der Autor, Erzähler und Sänger.

Er nahm die Zuhörer mit nach Kanada in eine Striptease-Bar und rund um das Kap der Guten Hoffnung, wo sein Schiff beinahe gesunken wäre. Er erzählte von den Slums in Chicago, wo er als Weißer die Rassentrennung erlebte, und von der Straße von Malaga, wo er am Ruder um ein Haar zahlreiche Fischerboote versenkt hätte.

Gibt es das Jugendzentrum noch?

Stier über seinen letzten Auftritt in Warendorf

Die Geschichten wechselten sich ab mit Musik und die war ebenso abwechslungsreich, wie die wahren Erlebnisse. Stier sang den Blues wie ein Geschwisterpaar aus Joe Cocker und Louis (Satchmo) Armstrong, er schmeichelte einen sanften Part wie Peter Alexander, nuschelte wie Udo Lindenberg, hauchte den Bass wie kein anderer und bewegt sich dabei so schwerfällig und ohne jede Grazie, dass es eine Freude ist, ihm zuzuschauen.

Dabei ist er während des ganzen Abends beim Publikum, erläutert verschiedene Begriffe aus der Seefahrt, damit die westfälischen Landratten unter den Zuhörern verstehen, wo er sich gerade auf dem Schiff befindet und was er da tut.

Er nimmt sie auch mit in sein musikalisches Leben. „Gibt es das Jugendzentrum noch?“ fragt er, denn vor rund 50 Jahren hat er hier in Warendorf schon Musik gemacht. Ebenso wie in Schüttorf 1981. Da war er mit der Törner Stier Crew nach Zappa („Zappa ist `ne lahme Ente“) auf der Bühne.

Zwei Zugaben mussten schon sein

Sein durchweg kurzweiliges, manchmal nachdenklich stimmendes Programm ist zugleich Einladung für die neuen Pläne von „Hans-Martin Stier & Die Shipping Company“. Darin will er ab 2020 von „Hinter den Kulissen“ erzählen.

Dahin wollten die Zuschauer ihn – und seine perfekten Begleiter – aber nicht so schnell entfliehen lassen. Zwei Zugaben musste das Quartett geben, und so hörte – in perfekter Hans-Albers- Nachempfindung – mit der berühmtesten Taube der Welt (La Paloma) auf, was mit dem Albatros begonnen hatte.

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