Zeitreise mit Karina Kremers-Jeggle
Ein ausdrucksstarkes Tagebuch

Warendorf -

„Malen geht nicht, ohne ganz genau hinzuschauen“, sagt die Malerin Karina Kremer-Jeggle. „Nicht nur das Oberflächliche und das Offensichtliche zu sehen, sondern tiefer zu forschen, wie die Dinge sind.“ Das ist für die Malerin unglaublich spannend und zugleich eine großer Herausforderung. Ihre Hochzeit mit Johannes Kremers auf Wangerooge. Der Flug mit einer Propellermaschine nach Borkum, der Blick aus der Cessna. „Jeden besonderen Tag nehme ich mit in meine Bilder.“

Donnerstag, 03.10.2019, 10:00 Uhr
Die Malerin Karina Kremers-Jeggle macht mit einer großen Ausstellung auf sich aufmerksam. „Eine Zeitreise“ ihrer Arbeiten von 2003 bis heute zeigt die Galerie des Heinrich-Friederich-Museums (Oststraße 21) vom 6. Oktober bis 31. Dezember.
Die Malerin Karina Kremers-Jeggle macht mit einer großen Ausstellung auf sich aufmerksam. „Eine Zeitreise“ ihrer Arbeiten von 2003 bis heute zeigt die Galerie des Heinrich-Friederich-Museums (Oststraße 21) vom 6. Oktober bis 31. Dezember. Foto: Joachim Edler

Jedes Bild hat eine Geschichte. Der Tod ihrer Freundin Heike ging Karina Kremers-Jeggle sehr nahe. „Heike ist an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. Ich war bis zum Schluss bei ihr.“ „Heike“ ist dann auch der Titel eines Bildes, das keineswegs düster ist, sondern Hoffnung, Licht und Wärme ausstrahlt. Der Himmel reißt auf. „Das Bild spiegelt die Zeit wider, die Heike und ich gemeinsam erlebt haben.“ Die Malerin Karina Kremers-Jeggle lebt seit drei Jahren wieder in Warendorf. Ganz weg war sie aber nie. Die Verbindung nach Warendorf, ihrer Heimatstadt, riss auch während ihres fünfjährigen Aufenthalts (2011 bis 2016) im Ruhrgebiet nie ab. Der Liebe wegen war die Mutter dreier Kinder von der Ems an die Ruhr gezogen – nach Mühlheim. Drei Jahre nach ihrer Rückkehr macht die Malerin mit einer großen Ausstellung auf sich aufmerksam. „Eine Zeitreise“ ihrer Arbeiten von 2003 bis heute zeigt die Galerie des Heinrich-Friederich-Museums (Oststraße 21) vom 6. Oktober bis 31. Dezember. Die Ausstellung wird am Sonntag um 15 Uhr eröffnet. In die Arbeiten einführen wird Hedwig Sölter-Bolte, Jeggles erste Galeristin.

Karina Kremers-Jeggles Blick schweift auf ein Bild, das auch wieder sehr persönliche Erinnerungen beinhaltet. „Mein Vater lebt im Seniorenheim. Er ist dement. Als ich ihn das letzte Mal besuchte, hatte er für einen kurzen Augenblick einen hellen Moment und sagte zu mir: Kind, du hast alles richtig gemacht. Das tat mir gut. Denn ich hatte immer Schuldgefühle, dass mein Vater im Seniorenheim ist.“ Diese Stimmung, diesen für sie so wichtigen Satz ihres Vaters hat sie im Bild festgehalten: das Meer, der Horizont – ein Vorhang, der sich öffnet. „Malen geht nicht, ohne ganz genau hinzuschauen“, sagt sie. „Nicht nur das Oberflächliche und das Offensichtliche zu sehen, sondern tiefer zu forschen, wie die Dinge sind.“ Das ist für die Malerin unglaublich spannend und zugleich eine großer Herausforderung. Ihre Hochzeit mit Johannes Kremers auf Wangerooge. Der Flug mit einer Propellermaschine nach Borkum, der Blick aus der Cessna. „Jeden besonderen Tag nehme ich mit in meine Bilder.“

Karina Kremers-Jeggle ist nicht nur Malerin, sondern auch Geschichtenerzählerin. Und so ist ihre Ausstellung ein bebildertes Tagebuch. Es sind immer Landschaften, die sie auf die Leinwand bringt. In Öl und Aryl. Mal groß, mal klein. Es sind Bilder, die den Blick frei geben in das Innere der Malerin aber auch Ausschnitte aus der Welt zeigen, in der wir leben. Botschaften ohne Worte. „Dabei geht es mir nicht um eine fotorealistische Wiedergabe dessen, was mich umgibt. Vielmehr ist es die Begegnung und der Dialog mit unserer Natur und manchmal auch mit ihren Lebenswesen.“ Die Malerin fasziniert der Gedanke, das nichts ist wie es scheint. Das nichts bleibt wie es ist. Und so ist es kein Foto, sondern eine Stimmung, ein Gefühl, das sie mit ihren Bildern ausdrückt.

Inspiriert von einer Emil-Nolde-Ausstellung in Dublin (Irland) verwandte Karina Kremers-Jeggle bei einer ihrer Werkreihen eine ausdrucksstarke Farbwahl. „Ich dachte, ich flieg weg, was für eine Wucht der Farben.“

Dem gegenüber steht das Bild „Menschenmassen im Pott“ (Ruhrgebiet). Oder Neuwarendorf im Herbst. Ausdrucksstarke Stimmungen. Porträts, röhrenden Hirsche oder Pferde kommen bei ihr nicht auf die Leinwand, sie bleibt den Naturlandschaften treu. „Ja, ich bin und bleibe eine Malterin“, lacht sie. „Unbeschreibliche Erfüllung im eigenen Tun – das drückt genau das aus, was ich bei meiner Arbeit empfinde.“ Kurz: Malen aus dem Bauch heraus. Karina Kremers-Jeggle hat in Irland gelebt und gearbeitet und „Lady in Red“-Sänger Chris de Burgh kennengelernt. „Uns verbindet eine gute Freundschaft. Wann immer ich in Irland bin, treffen wir uns. Ein Bild, das darfst du nie verkaufen, hat er einmal zu mir gesagt.“ Die Malerin zeigt auf ein Bild mit dem Titel „Wo friedliche Wasser fließen.“ Als könnte man das grüne Moos riechen, die Elfen und Feen in dem Waldstück greifen, so detailgetreu und perspektivisch gemalt, als stehe der Betrachter mittendrin. Dickes Lob bekam die Kunst-Studentin damals dafür von ihrem Lehrmeister, Professor P. Sonnewend. „Damit ich es niemals verkaufen werde, hat Chris de Burgh mit einem schwarzen Edding „Für Karina“ auf das Bild geschrieben und seine Unterschrift darunter gesetzt.“ Seit 25 Jahren gibt Karina Kremers-Jeggle Malkurse – der wohl bekannteste: die „Auszeit am Meer“ in Zusammenarbeit mit dem Haus der Familie auf Wangerooge. Sie unterrichtete Kunst am Edith-Stein-Kolleg in Warendorf. Die Malerin bezeichnet sich selbst als Kunstvermittlerin und Kreativtherapeutin, gibt Kurse und Vorträge und arbeitet mit Psychisch Kranken und an Demenz erkrankten Menschen zusammen. Aktuell liegt ihr eine Anfrage der Sankt Vincenz-Gesellschaft vor, die ein Wohnhaus an der Dr.-Hans-Kluck-Straße in Warendorf betreibt. „Dort soll ich eine Kunsttherapie anbieten.“ Sie freut sich schon darauf, denn so könne sie immer wieder eine Brücke schlagen zu ihrem ersten Beruf: Krankenschwester.

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