IHK-Studie zu Online-Präsenz des örtlichen Einzelhandels
Online als Unternehmens-Säule

Warendorf -

Vergleichsweise viele Unternehmen im Stadtkern sind schon auf eigenen Internetseiten zu finden. Deren Nutzungsgrad hat allerdings teils noch Luft nach oben, sagt IHK-Referent Christian Korte.

Dienstag, 05.11.2019, 16:34 Uhr aktualisiert: 05.11.2019, 20:53 Uhr
Wie werden die Einkaufsstraßen in 15 oder 30 Jahren aussehen? Laut Referent Andreas Graunke beschleunigen sich die Veränderungen im stationären Einzelhandel weiter.
Wie werden die Einkaufsstraßen in 15 oder 30 Jahren aussehen? Laut Referent Andreas Graunke beschleunigen sich die Veränderungen im stationären Einzelhandel weiter. Foto: Jörg Pastoor

Die Gastronomie in der Emsstadt ist – digital betrachtet – moderner in Sachen Eigenvermarktung unterwegs als mancher Einzelhändler. Das ist Fakt. Negativ betonen wollte Christian Korte das Montagabend aber nicht. Dafür schneidet Warendorf insgesamt beim Thema online-Aktivität vergleichsweise zu gut ab beim „City-Monitor“ der Industrie- und Handelskammer Nord-Westfalen. Deren Referent Handel und Dienstleistung ist Korte. Dass er im Elsberg-Forum des Hauses Ebbers über die online- „Sichtbarkeit“ Warendorfs sprach, zielte nach seinen Worten vor allem auf die Sensibilisierung der hiesigen Händler und Dienstleister. Das schien entweder nicht oder sehr nötig: Anwesend waren nur rund zwei Dutzend Unternehmer. 

Warum Internetseiten überprüfen? Ganz einfach aus Sicht der IHK: Der Einzelhandel mit rund 700 000 Beschäftigten allein in NRW ist ein wichtiger Wirtschafts- und Belebungsfaktor für die Innenstädte. „Offline zu sein, ist heute keine Option mehr“, hatte er letzte Woche bei Bekanntgabe des allerdings überdurchschnittlich hohen „on“-Wertes von 77 Prozent der Gewerbetreibenden in der Warendorfer Innenstadt zu Protokoll gegeben.

Der Inhaber muss für ein Feedback gar nicht aktiv sein, sondern lässt es verfassen.

Christian Korte über die Vorteile aktiven Homepage-Einsatzes

Montag ging es nun ins Detail. Zwei Drittel der erfassten Homepages, so Korte weiter nach kurzer Begrüßung durch Gastgeber Christoph Berger, seien auf aktuellem Stand, 92 Prozent sogar bei Google zu finden. Aber: Nur 58 Prozent der Inhaber pflegen auch ihre Daten. Am Beispiel einer Apothekerin in Ibbenbüren verdeutlichte Christian Korte, dass das das Liegenlassen von Chancen sei: Kunden hätten sich hier nicht orientieren können, weil Öffnungszeiten und die Telefonnummer fehlten. Mit einigem Aufwand sei die Seite dann aktualisiert worden.

Ein positives Gegenbeispiel hatte Korte auch dabei: das Brauhaus „Warintharpa“. Ohnehin auf Platz vier der Top Fünf in Warendorf gesuchter Einzelhändler und Dienstleister, seien hier neben den nötigen Grunddaten einer Unternehmens-Homepage auch gleich noch die komplette Speisekarte, die Besucherfrequenz und die Möglichkeit zur Bewertung an Bord: „Der Inhaber muss für ein Feedback gar nicht aktiv sein, sondern lässt es verfassen.“

Weniger Online-Shops als im Durchschnitt

Bei allem Lob im Vergleich mit den anderen bisher untersuchten Städten (2019 außerdem Senden und Greven, letztes Jahr u.a. Lüdinghausen und Ibbenbüren) fällt der Anteil eigener Internet-Shops, also virtueller Ladenangebote, dagegen ab. 13 Prozent seien „tatsächlich ein bisschen schwächer“ als der Durchschnitt. Und nur vier Prozent mit einer eigenen App liegt bei nur einem Drittel der durchschnittlichen zwölf Prozent.

Was zu tun ist? Christian Korte empfahl auf jeden Fall hochleistungsfähige Datenleitungen, womit Warendorf schon gut da stehe. Die eigenen Angebote rechtssicher zu machen und einen klareren Wettbewerb zwischen „stationärem“ und digitalem Einzelhandel, sei ebenfalls dringend angeraten.

Wohin die Zukunft im Handel, in der Gesellschaft, führt? Andreas Graunke wagte sich 20 bis 40 Jahre voraus mit seinem Impulsreferat. „2062“, zitierte der an der Splieterstraße ansässige Herausgeber des Magazins „Netcoo“ Forscher, „soll die Künstliche Intelligenz der unseren ebenbürtig sein.“ Vielleicht auch erst 2112 – aber das zeige, welche bahnbrechenden Veränderungen die Technik für alles Leben mitbringe.

Symbiose von stationärem und Online-Handel

Arbeitswelt, privater Alltag – und eben auch Einkaufsverhalten wandelten sich. Das müsse nicht zum Aussterben des Einzelhandel führen, aber mancher Filialist werde in den nächsten Jahren verschwinden – Beispiel Banken. Das habe „Microsoft“-Gründer Bill Gates schon vor langer Zeit prophezeit. Nur Qualität und starke Marken – auch und gerade online – sicherten das unternehmerische Überleben, wenn das Marketing und die Beschäftigung mit dem Publikum passten: „Die Zielgruppe ist mobil unterwegs“, mahnte Graunke.

Die Interessenten tauschten sich nach dem offiziellen Teil des Abends noch aus.

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