Top Ten bei Ebbeke
Lesestoff für schlaflose Nächte

Warendorf -

Ihre ganz persönlichen „Top Ten“ der Buch-Neuerscheinungen dieses Herbstes haben Marita und Reinhard Hesse am Montagabend in ihrer Buchhandlung einem vorwiegend weiblichen Publikum präsentiert. Passagen aus den Romanen las Andre Auer – und machte damit Appetit auf Krimi, Familien-Saga oder Entwicklungsroman.

Dienstag, 05.11.2019, 22:00 Uhr aktualisiert: 06.11.2019, 15:48 Uhr
Marita Hesse, Andre Auer und Reinhard Hesse stellten ihre ganz persönlichen „Top Ten“ der Neuerscheinungen des Bücherherbstes 2019 am Montagabend in der Buchhandlung Ebbeke vor.
Marita Hesse, Andre Auer und Reinhard Hesse stellten ihre ganz persönlichen „Top Ten“ der Neuerscheinungen des Bücherherbstes 2019 am Montagabend in der Buchhandlung Ebbeke vor. Foto: Joke Brocker

Lesestoff für schlaflose Nächte und lange Herbst- und Winterabende präsentierten am Montagabend mit der 34. Auflage der „Top Ten“ Marita und Reinhard Hesse in der Buchhandlung Ebbeke. Aus der gewaltigen Flut der Neuerscheinungen dieses Herbstes, die erst kürzlich auf der Buchmesse in Frankfurt vorgestellt worden waren, hatten die Buchhändler zehn Titel, ausnahmslos Romane, ausgewählt.

Um dem fast ausnahmslos weiblichen Publikum diese Romane, darunter original Debütanten und Romandebütanten, schmackhaft zu machen, gab es „Appetizer“: Andre Auer las Passagen aus den Werken, die von Reinhard Hesse um knackig-informative Inhaltsangaben und Autoren-Biografien ergänzt wurden.

Mit „Ein Leben und eine Nacht“, dem die irischen Bestseller-Listen anführenden Roman-Debüt „der Irin Anne Griffin, die man bisher als Autorin preisgekrönter Kurzgeschichten kannte, begann der Abend. In einer Nacht blickt Protagonist Maurice Hannigan auf sein Leben zurück. Fünfmal in dieser Nacht erhebt er das Glas, um auf die wichtigsten Menschen seines Lebens anzustoßen und (s)eine Geschichte voller Höhen und Tiefen zu erzählen.

Einen starken Kontrast zu dieser eher leisen Geschichte bietet der Wissenschafts-Thriller „ Transfusion“ des freien Journalisten Jens Lubbadeh, der den Leser in die Abgründe der Pharma-Industrie blicken lässt: Der Hamburger Pharmakonzern hat ein Wundermittel entwickelt, mit dem Alzheimer endgültig geheilt werden kann. Iliana Kornblum, Wissenschaftlerin bei Astrada, hat das Medikament mitentwickelt, und ihr Vater gehörte zu den ersten Geheilten. Als Kornblums Chef verschwindet und sie auf einer Festplatte geheime Versuchsdaten entdeckt, schrillen bei ihr die Alarmglocken. Für das ultimative Heilmittel würde der Konzern offenbar über Leichen gehen.

Der atemberaubende Spannungsroman – nicht zuletzt wegen seiner erschreckenden Parallelen zum täglichen Nachrichtenwahnsinn übrigens Andre Auers persönlicher Favorit – ist erst ab 11. November im Buchhandel erhältlich.

Von einer jungen Frau, die auf einem Dach steht, sich weigert herunterzukommen und damit elf Menschen aus der Routine ihres Alltags reißt, erzählt – aus elfmal wechselnden Perspektiven – die Schweizerin Simone Lappert in „Der Sprung“. Die Mahnung Reinhard Hesses, bloß nicht ungeduldig auf die letzte Seite zu linsen, kam wahrscheinlich nicht von ungefähr.

Einen „wunderbaren Schmöker“ kündigte der Buchhändler mit „Im Licht der Zeit“ von Edgar Rai an. Auf über 500 Seiten erzählt der Schriftsteller, Übersetzer und Dozent für kreatives Schreiben von Marlene Dietrich und der Entstehung des Films „Der blaue Engel“ Ende der 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Das Urteil Hesses: „Ein Lesevergnügen.“

Eine nachdenklich stimmende Lektüre beschert der politische Journalist Rob Hart seinen Lesern mit seinem die Übermacht der Wirtschaft thematisierenden Debütroman „Der Store“. Zinnia und Paxton sind Mitarbeiter bei „Cloud“, dem weltgrößten Onlineshop. Paxton arbeitet im Security-Bereich, Zinnia sammelt die Waren für den Versand in den Lagerhallen zusammen. Beide kommen sich näher und verfolgen doch ganz unterschiedliche Ziele. Und beide spüren, dass es unter der Oberfläche von „Cloud“ brodelt. Dann verändert eine schreckliche Entdeckung alles. Hart halte dem Verbraucher einen riesig großen Spiegel vor, gab es von Hesse eine ganz klare Leseempfehlung für diesen Spannungsroman, zugleich Gesellschaftsroman und Krimi.

Schnodderig-lakonisch ist der Ton, in dem Matthias Brand Motte, den Protagonisten seines Debütromans „Blackbird“, von einem Anruf, der sein ganzes Leben auf den Kopf stellt, von Freundschaft, erster Liebe, Tod und Alkohol-Eskapaden mit „Amselfelder“-Wein erzählen lässt.

Die Zuhörer, denen während der Buchvorstellung glücklicherweise nicht etwa Amselfelder, sondern gute Tropfen aus dem Hotel „Im Engel“ kredenzt wurden, glucksten vergnügt, als Andre Auer Auszüge aus dem Entwicklungsroman las. Einem Roman, der zeigt, wie nahe komische und tragische Momente im Leben beieinander liegen.

Eine „großartige, total bewegende Familiengeschichte“ verbirgt sich nach Ansicht Hesses hinter dem in Italien und Amerika spielenden Roman „Die sieben oder acht Leben der Stella Fortuna“ von Juliet Grames. Das Porträt einer ungewöhnlichen Frau, die viele Male auf verschiedenste Weise beinahe zu Tode kommt, in Kalabrien aufwächst und in Amerika die große Freiheit zu finden hofft – wenn das kein Stoff für lange Herbstabende ist . . .

Eine „bis ins Mark berührende Sprache“ attestieren die Buchhändler Enrico Galianos Debütroman „Und doch fallen wir glücklich. “ Galiano, einer der 100 besten Lehrer Italiens, erzählt darin die Geschichte der Außenseiterin Gioia, von der ersten Liebe, dem Glück, endlich verstanden zu werden und von dem Halt, den vertraute Werte dem Leben geben.

Ein Megaseller in Israel war „Drei“, ein Krimi in drei Teilen aus der Feder von Dror Mishani. Jedes Kapitel hat seine eigene Geschichte, jede Geschichte ihre eigene Protagonistin, drei Frauen, die auf der Suche sind. Nach Trost, nach einem Zuhause, nach etwas ganz anderem. Aber alle finden denselben Mann. Mit einem etwas kryptischen Satz machte Reinhard Hesse seine Zuhörer neugierig auf den Krimi und dessen männlichen Protagonisten „Es gibt vieles, was sie nicht über ihn wissen, denn er sagt ihnen nicht die Wahrheit. Aber auch er weiß nicht alles über sie – die drei Frauen.“

Auch über „Tante Martl“, die im Mittelpunkt des gleichnamigen, berührenden Romans von Ursula März steht, scheint deren Familie wenig zu wissen. Erst als die Nichte Fragmente aus dem Leben ihrer Patentante zusammenträgt, entsteht das Porträt einer nur scheinbar unscheinbaren Frau, die stets im Schatten ihrer Schwestern und unter der Fuchtel ihrer Eltern stand, tatsächlich aber eine ebenso starke wie beeindruckende Persönlichkeit war. „Wunderbar feinfühlig erzählt“, sind sich Marita und Reinhard Hesse mit vielen anderen Kritikern einig, denen vor allem der leise Ton des Romans gefällt.

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