Projekt „Kultur & Schule“
Selbstbewusster durch Pantomime

Hoetmar -

Pantomime und Schwarzlichttheater stehen neuerdings auf dem Stundenplan der Dechant-Wessing-Grundschule. Pantomime Peter Paul aus Münster arbeitet jeden Dienstag mit den Dritt- und Viertklässlern, die durch das Spiel auf der Bühne unter anderem selbstbewusster werden sollen.

Mittwoch, 06.11.2019, 23:00 Uhr
Mit den Dritt- und Viertklässlern der Dechant-Wessing-Schule, hier mit Lehrerin Renate Lohmann und Schulleiterin Dorothee Nottebaum, erarbeitet der Pantomime Peter Paul kleine Sketche und ein Schwarzlicht-Theaterstück.
Mit den Dritt- und Viertklässlern der Dechant-Wessing-Schule, hier mit Lehrerin Renate Lohmann und Schulleiterin Dorothee Nottebaum, erarbeitet der Pantomime Peter Paul kleine Sketche und ein Schwarzlicht-Theaterstück. Foto: Joke Brocker

Er hat eine klassische Tanzausbildung genossen und die Schauspielerei von der Pike auf gelernt, beim berühmten Samy Molcho Pantomimeunterricht genommen und schon mit Ute Lemper getanzt. Samy wer? Und Ute häh? Die Dritt- und Viertklässler, mit denen Peter Paul jeden Dienstagvormittag in der Aula der Dechant-Wessing-Schule kleine pantomimische Theater- und Rollenspiele erarbeitet, interessiert der illustre Bekanntenkreis des 62-jährigen Münsteraners vermutlich nicht die Bohne.

Wichtig ist ihnen, dass Peter Paul mit ihnen auf der Bühne spielt und tanzt, ihnen zuhört, auf sie eingeht, ihre Ideen in Choreographien einbaut, mit ihnen lacht, sie lobt, aber auch schon mal Tacheles redet, wenn es gilt sich an gewisse Regeln zu halten. Er sei so eine Art Trainer, hat Paul den Schülern gleich bei ihrer ersten Begegnung erklärt. Ein Trainer, der mit Kleingruppen Pantomime und Schwarzlicht-Theater macht; und den Kindern vermittelt, dass Erfolg „eine Tolle Sache“ ist. „Alle Kinder“, versichert Peter Paul, „bekommen eine Rolle, in der sie glänzen können.“

Tatsächlich hat Paul ein gutes Gespür dafür, welche Rolle zu welchem Kind passt. Obwohl der aus Bangladesch stammende Jamal die deutsche Sprache noch nicht so gut beherrscht, gibt er in einem Sketch einen vom Dummen August veräppelten Zirkusdirektor, dessen Mimik und Gestik mehr sagen, als alle Worte dieser Welt auszudrücken vermögen. Und auch Hannah, die Schulleiterin Dorothee Nottebaum bisher als sehr zurückhaltend, ja geradezu schüchtern erlebt hat, blüht in der Rolle der Zirkusdirektorin auf der Bühne förmlich auf, geht aus sich heraus.

Genau das ist eines der wesentlichen Ziele des Pantomime-Projektes, von dem die Schulleiterin zunächst durch einen Brief erfahren hatte, mit dem Peter Paul seine Schulprojekte „Helden bitte melden“ sowie „Feuer-Wasser-Erde-Luft“ potenziellen Kooperationspartnern vorstellte. Theater- und Rollenspiele zum Thema Konfliktkultur – die Inhalte des Programms „Helden bitte melden“ – seien in Hoetmar „nicht so das Thema“, erklärt Nottebaum. Das Theater- und Pantomime-Projekt schien ihr für die Hoetmarer Grundschüler geeigneter. Denn,: „Wir möchten zur Stärkung des Selbstbewusstseins unserer Schüler beitragen.“ Ferner, so die Schulleiterin, gehe es darum, den Kindern Körpergefühl und eine Vorstellung davon zu vermitteln, wie es sich anfühlt, plötzlich im Mittelpunkt zu stehen. Ganz wichtig ist es Nottebaum aber auch, den Kindern zu vermitteln, „dass es in der Schule nicht nur um bewertbare Leistung geht.“

Gefördert wird das Projekt über das Schul- und Kulturministerium des Landes Nordrhein-Westfalen, das ein Programm „Kultur & Schule“ aufgelegt hat. Dieses möchte es Schülern ermöglichen, sich im Kontakt mit professionellen Künstlern mit der Welt auf eine kreativ-künstlerische Weise auseinanderzusetzen. Die Kursleiter müssen eine künstlerisch-fachliche Ausbildung nachweisen. Dem Künstler- und Projektepool, aus dem die Schulen auswählen können, gehören auch der bildende Künstler Thomas Stuwe und Tanzpädagogin Olga Altergott-Neugebauer an. Beide haben in den vergangenen Jahren bereits Projekte in der Dechant-Wessing-Schule angeboten. Altergott-Neugebauer leitet derzeit im Rahmen von „Kultur & Schule“ in der Freckenhorster Everword-Schule ein Tanzprojekt.

Die Projekte werden mit maximal 3050 Euro gefördert. Projekte in Schulen erhalten 240 Euro vom Land für die Honorare, die Kommunen übernehmen einen Eigenanteil von 610 Euro. Nachdem sie sich vom Erfolg des Pantomime-Projektes mit eigenen Augen hat überzeugen können, hofft Dorothee Nottebaum nun, dass die Mittel auch für das kommende Schuljahr bewilligt werden. Für den Pantomimen und „Trainer“ hieße das dann Verlängerung der Spielzeit in Hoetmar.

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