Protest von Umweltschützern und Anwohnern
Von-Galen-Straße: Lieber höhere Bürgersteige

Warendorf -

Der BUND fordert eine andere Lösung für die uneben gewordenen Geh- und Radwege auf der Kardinal-von-Galen-Straße. Die Allee dort sei „grüne Lunge“ im Siedlungsbereich und durch Ausgleichspflanzung nicht ersetzbar.

Donnerstag, 07.11.2019, 13:48 Uhr
Dass die Geh- und Radwege durch die Wurzeln uneben sind, bestreitet niemand. Aber es gebe Alternativen zur Fällung der Bäume, sagt der BUND – und nicht nur er, auch Anwohner.
Dass die Geh- und Radwege durch die Wurzeln uneben sind, bestreitet niemand. Aber es gebe Alternativen zur Fällung der Bäume, sagt der BUND – und nicht nur er, auch Anwohner. Foto: Jörg Pastoor

„Für Hanse- und Schulviertel ist das eine grüne Lunge – die würde man uns doch nehmen!“ Rita Gernet spricht ruhig, aber engagiert, ihre Arme deuten auf einen Teil dieser „Lunge“, von der die Anwohnerin spricht – an der Kardinal-von-Galen-Straße. Die Stadt plant, rund 80 der knapp 100 Bäume dort zu fällen. Wie zum Beweis stehen vor mancher Eiche auf der Straßenseite gegenüber Warnbaken etwas windschief auf den Gehwegplatten, zeigen aufgesprüht Markierungen, wo die Wurzeln in ihrem Wachstum die Wegoberfläche mitgenommen haben.

„Die Verkehrssicherungspflicht der Stadt ist nicht von der Hand zu weisen“, räumt Harry Wagner Donnerstagmorgen während des von ihm anberaumten Pressetermin ein. Aber, das findet der Sprecher des Kreis-BUND wichtiger: „Wenn man mit Unebenheiten in der Fahrbahn argumentiert, müssten mindestens 50 Prozent aller Bäume in Warendorf abgeholzt werden.“

Da helfe, das wirft BUND-Kreisvorstandsmitglied Hiltrud Brüggemann ein, eine Ersatzpflanzung auch nicht wesentlich: „Schauen Sie sich doch mal die Bäume an der Reichenbacher Straße an.“ So kleinkronige Bäume seien nicht im Ansatz ökologisch so wertvoll wie die gefällten, also kein adäquater Ersatz.

Wir sind doch damals bewusst hier ins Grüne gezogen.

Anwohner Dr. Antonius Kleickmann

Das ist auch Harry Wagners Meinung. Die wohltuende Wirkung der inzwischen um die 40 Jahre alten Platanen und Eichen lasse sich nicht durch neue, kleinere Bäume ersetzen, weil sie nur den Bruchteil der jetzigen Kohlendioxid-Mengen aufnehmen könnten. Zudem helfe eine Ausgleichspflanzung den Anwohnern nicht, wenn sie, wie geplant, Kilometer entfernt in Milte umgesetzt werde.

Dr. Antonius Kleickmann, der wie die ebenfalls zum Termin erschienenen Norbert Hessel, Rita Gernet und Bernhard Franke selbst im Viertel wohnt, bestätigt das. Und außerdem: „Wir sind doch damals bewusst hier ins Grüne gezogen.“ Sicher, den Bäumen größere Scheiben (also unbefestigten Freiraum um den Wurzelbereich herum) zu geben und das Niveau von Geh- und Radwegen anzuheben, wie der BUND es fordere, koste Geld. Aber die Aufenthaltsqualität, die bessere Luft und der ökologische Wert müssten es der Stadt schon wert sein.

Hohe Luft- und Aufenthaltsqualität

Für Hiltrud Brüggemann kommt hinzu, dass der Beschluss für die Fällungen (die Gänsestraße und die Reichenbacher Straße sind schon abgearbeitet) von 2015 stammt. Inzwischen gebe es allgemein eine ganz andere Wertschätzung für gesunde Bäume – gerade nach den beiden letzten heißen Sommern, wie Harry Wagner anfügt. Rita Gernet erinnert an die Worte von Bundesumweltministerin Julia Klöckner: „Jeder Baum ist unser Verbündeter im Kampf gegen den Klimawandel.“ Baumschützerin Gertrud Rehm, die extra hergekommen war, obwohl sie gar nicht vor Ort wohnt, pflichtet allen bei.

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