Gedenkfeier zu den Novemberpogromen
Erinnern, Nichtvergessen, Mahnen

Warendorf -

An die Reichspogromnacht vor 81 Jahren haben am Freitagvormittag Schüler der Berufsfachschule Wirtschaft und Verwaltung des Paul-Spiegel-Berufskollegs mit einer Gedenkfeier auf dem Alten Jüdischen Friedhof erinnert.

Freitag, 08.11.2019, 18:42 Uhr
Schüler der Berufsfachschule Wirtschaft und Verwaltung (BW11 A und BW11 B) gestalteten die Gedenkstunde mit und berichteten über ihre bei einer Studienfahrt zur Wewelsburg gewonnen Erkenntnisse. Unter anderem brachten sie eine Blumenschale vom Gedenkstein auf dem Alten Jüdischen Friedhof zur gläsernen Gedenktafel auf dem Friedhofs-Vorplatz (kleines Foto).
Schüler der Berufsfachschule Wirtschaft und Verwaltung (BW11 A und BW11 B) gestalteten die Gedenkstunde mit und berichteten über ihre bei einer Studienfahrt zur Wewelsburg gewonnen Erkenntnisse. Unter anderem brachten sie eine Blumenschale vom Gedenkstein auf dem Alten Jüdischen Friedhof zur gläsernen Gedenktafel auf dem Friedhofs-Vorplatz (kleines Foto). Foto: Joke Brocker

Mit einer würdevollen Gedenkstunde haben am Freitagvormittag Schüler der Berufsfachschule Wirtschaft und Verwaltung (BW11 A und BW11 B) des Paul-Spiegel-Berufskollegs auf dem Neuen Jüdischen Friedhof an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938, erinnert. Im Politikunterricht hatten sich die Schüler intensiv mit dem wohl finstersten Kapitel deutscher Vergangenheit beschäftigt. Vier Schüler berichteten von einer Studienfahrt zur Gedenkstätte Wewelsburg in Büren bei Paderborn, die für die Schüler der Europaschule inzwischen obligatorisch ist. Eine der zentralen Fragen, die sich die Schüler, von denen viele übrigens einen Migrationshintergrund haben, bei der Beschäftigung mit dem Naziterror stellten, lautete: Was haben wir damit zu tun? Die den Fachoberschulabschluss anstrebenden jungen Leute kehrten mit der Erkenntnis, dass es um das Erinnern, das Nichtvergessen gehe, zurück.

Kritisch auseinandergesetzt hatten sie sich in Büren auch mit Neonazis, deren manipulativem Agieren und den Gefahren eines erstarkenden Nationalismus. Wie wichtig das Erinnern, Nichtvergessen und Mahnen ist, zeigte auch die Rede der stellvertretenden Bürgermeisterin Doris Kaiser . Der perfide Angriff auf die Synagoge in Halle vor wenigen Wochen, bei dem zwei Menschen von einem offenbar aus purem Hass gegen Minderheiten handelnden Rechtsextremen getötet worden waren, solle „Mahnung genug sein, aufmerksam, wachsam zu sein und konsequent einer so unerträglichen Entwicklung entgegenzutreten.“

Das Gedenken an die Novemberpogrome, so Doris Kaiser, gelte einerseits den jüdischen Mitbürgern, allen Verfolgten und durch das nationalsozialistische Terror-Regime Ermordeten. Andererseits solle gerade dieser Tag aber auch Mahnung dafür sein, „dass jegliche Verfolgung aufgrund von Rassen-und Religionszugehörigkeit unseren offen gelebten Widerstand hervorrufen wird.“

Die Schüler des PaulSpiegel-Berufskollegs hätten sich in ganz besonderer Weise mit diesem Thema befasst. Doris Kaiser: „Denn Geschichte wiederholt sich nicht, aber alte Probleme können in neuem Gewand wieder auftauchen. Von daher haben Gedenken eine tiefe Berechtigung, auch im 21. Jahrhundert an die Zivilisationsbrüche des 20. Jahrhunderts zu erinnern.“

Zum Abschluss der Gedenkveranstaltung, die auch von Kulturbüro-Leiter Horst Breuer mitgestaltet wurde, der eine Passage aus Paul Spiegels Buch „Wieder zu Hause?“ las, brachte einer der Schüler eine Blumenschale vom Gedenkstein auf em Friedhof zur gläsernen Gedenktafel auf den Friedhofs-Vorplatz.

Breuer erinnerte daran, dass die Inschrift des Steins auf dem Alten Jüdischen Friedhof, auf Veranlassung von Hugo Spiegel und dem damaligen Bürgermeister Dr. Hans Kluck in den 70er-Jahren aufgestellt, Paul Spiegel unerträglich gewesen sei. Die auf dem Stein zu lesende Formulierung „umgekommen“ hatte der Vorsitzende des Zentralrates der Juden als euphemistisch empfunden und die Aufstellung der Gedenktafel aus Glas angeregt.

Diese war 2006, wenige Tage nach dem Tod Spiegels, auf dem Friedhofs-Vorplatz aufgestellt worden und erinnert seither an die Ermordung der jüdischen Bürger durch das nationalsozialistische Terror-Regime.

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