Bekanntester Warendorfer überhaupt
„Dorfsheriff“ Dieter Wohlgemuth geht in Rente

Warendorf -

Warendorfs wohl bekanntester Bürger geht in Rente – oder bei Beamten korrekt, in Pension. Nach über 45 Jahren Dienstzeit wird Dieter Wohlgemuth in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.

Samstag, 16.11.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 16.11.2019, 10:20 Uhr
Dieter Wohlgemuth geht seit Jahrzehnten beim Rosenmontagsumzug vorne weg. Eine Aufgabe, die ihm immer viel Spaß gemacht hat. Auch bei den Päckchen-Projekten der Aktion Kleiner Prinz half er. Und die Schützenfeste hat Dieter Wohlgemuth (hier mit Bürgerschütze Sascha Labbi) immer gerne begleitet.
Dieter Wohlgemuth geht seit Jahrzehnten beim Rosenmontagsumzug vorne weg. Eine Aufgabe, die ihm immer viel Spaß gemacht hat. Foto: Rene Penno

Jeder kennt den „Dorfsheriff“, wie er überall liebevoll genannt wird. Dieter Wohlgemuth ist eine Institution. „Ich bin in Warendorf geboren, aufgewachsen und ich möchte auch hier sterben – nur nicht so früh“, sagt Wohlgemuth lachend über sich und die Verbindungen zu seiner Heimatstadt. Wie von vielen Kindern war Dieters – eigentlich jeder darf ihn duzen – Traumberuf Polizist. „Bei mir hat dieser Wunsch sich nie geändert.“

Ausbildung mit 16 Jahren begonnen

Und so begann er bereits im Alter von 16 Jahren seine Ausbildung bei der Polizei. Nach drei Jahren brachte es Wohlgemuth vom Wachtmeister über den Oberwachtmeister zum Hauptwachtmeister. Der erste Stern kam auf die Schulter.

Nach einem Jahr im Personen- und Objektschutz in Bonn für hochrangige Bundespolitiker und einem weiteren Jahr als Streifenpolizist in Castrop Rauxel wechselte der heute 61-Jährige zurück nach Warendorf. „Wegen der Verbundenheit zu meiner Heimat und besonders wegen meiner damaligen Freundin und heutigen Frau“, erklärt der Beamte.

„Dorfsheriff“ Dieter Wohlgemuth

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  • Dieter Wohlgemuth (hier mit Bürgerschütze Sascha Labbi) begleitete die Warendorfer Schützenfeste.

    Foto: Jonas Wiening
  • Hier testet Dieter Wohlgemuth mit Kollege Helmut Linnenbank den „Sky Dance“ auf der Fettmarktkirmes 2019.

    Foto: Jonas Wiening
  • Auch Schreibtischarbeit gehört zur Arbeit bei der Polizei dazu.

    Foto: Jonas Wiening
  • Sein ständiger Begleiter: das Pedelec.

    Foto: Jonas Wiening
  • Werbung für die Kirmes.

    Foto: Jonas Wiening
  • Noch mehr Werbung für die Kirmes.

    Foto: Haack
  • Dieter Wohlgemuth im Autoscooter.

    Foto: Heseker
  • Aktion „Riegel vor“ - Dieter Wohlgemuth bei der Einbruchsprävention.

    Foto: Ralf Steinhorst
  • Sicherheit für alle Veranstaltungen: Dieter Wohlgemuth und seine Kollegen sorgen dafür.

    Foto: Geuer
  • Neue Schilder werden angebracht.

    Foto: Lowinski
  • Foto: Wemhoff
  • Foto: Diverse
  • Foto: Diverse
  • Foto: Diverse
  • Foto: Diverse
  • Foto: Diverse
  • Foto: Diverse
  • Foto: Hartmeyer
  • Foto: Ines-Bianca Hartmeyer
  • Foto: Stavesand
  • Foto: Heseker
  • Foto: Lowinski
  • Foto: Penno
  • Foto: Wiening
  • Foto: Heseker
  • Foto: Heseker
  • Foto: Penno
  • Foto: Wemhoff
  • Foto: Kolb
  • Foto: Wemhoff
  • Foto: TC Sassenberg

Rund 20 Jahre lang arbeitete Wohlgemuth dann im Verkehrsdienst – ehe er 1998 zum Bezirksbeamten bestellt wurde. „Etwas Besseres konnte mir nie passieren“, ist er sich bis heute sicher. Seitdem ist Wohlgemuth in der Stadt der Ansprechpartner für alle und alles. Als Kontaktbeamter ist er für die Radfahrausbildung in den Grundschulen zuständig, kümmert sich um alle größeren Veranstaltungen, ist aber auch für die Vollstreckung von Haftbefehlen verantwortlich. „Das Aufgabengebiet ist vielfältig“, sagt er, der immer gerne auf der Kirmes, bei den Bundeschampionaten, bei den Schützenfesten und an Karneval unterwegs ist und sich unter das Volk mischt.

„Ich versuche den Kontakt zu allen Bevölkerungsschichten aufzubauen. Die Menschen sollen mir vertrauen. Wenn die Warendorfer Probleme haben oder komische Beobachtungen gemacht haben, dann möchte ich die erste Anlaufstelle sein.“ So etwas funktioniere aber nur mit gegenseitiger Wertschätzung, so der Polizist. Durch seinen Beruf habe er zwar etwas Macht, die dürfe er aber nie ausnutzen.

Fingerspitzengefühl ist wichtig

Ganz wichtig für Dieter Wohlgemuth ist das Fingerspitzengefühl. Gefühlt jeder Warendorfer ist schon einmal vom „Dorfsheriff“ mit dem Fahrrad oder anderweitig im Straßenverkehr angehalten worden – sei es wegen fehlenden Lichts oder anderer kleinerer Verstöße. „Bußgelder helfen da halt nicht immer. Bei Kindern rufe ich oft die Eltern an und erkläre die Verstöße. Es soll ja nicht wieder vorkommen. Aber das Taschengeld knöpfe ich meistens nicht ab. Davon hat niemand etwas. Meine Aufgabe ist es, die Verkehrssicherheit zu erhöhen, nicht Geld einzunehmen“, meint Wohlgemuth, der aber auch sagt: „Ich kann aber nicht alles durchgehen lassen. Eine gewisse Strenge muss natürlich da sein.“

Wenn die Kinder sich an die Regeln halten und ihn teilweise sogar mit High-Five begrüßen – dann wisse er, dass er alles richtig gemacht habe. „Ich habe in meinen vielen Dienstjahren es erst drei oder vier Mal erlebt, dass jemand abhauen wollte, als ich ihn oder sie anhalten wollte. Selbst wenn ich von Weitem rufe, bleiben eigentlich alle stehen“, so Wohlgemuth, der weiß, dass das in Großstädten ganz anders ist.

Bei der Polizei gibt es Häuptlinge und Indianer. Ich wollte immer Indianer bleiben.

Auch wenn die Phrase „dein Freund und Helfer“ schon etwas abgenutzt sei, sei es eben genau das, was er immer sein wollte – und ist.

„Bei der Polizei gibt es Häuptlinge und Indianer. Ich wollte immer Indianer bleiben“, erklärt der Warendorfer, der seit 15 Jahren drei silberne Sterne auf der Schulter hat und damit Hauptkommissar ist. „Ich bin immer bei der Beförderung schnell durchgerutscht, hatte Glück und so ist das für einen Indianer wie mich die höchste Dienststufe.“

"Waschweib" Dieter Wohlgemuth

Der künftige Pensionär wird nicht müde zu betonen, wie gerne er seinen Job gemacht hat und macht. Er erzählt sowieso gerne von seinem Beruf. „Und auch sonst rede ich ziemlich viel. Meine Frau bezeichnet mich immer als ‚Waschweib‘“, sagt er. er mag es, auf die aufregendsten Momente als Polizist zurückzublicken.

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Foto: privat

„Ich bin heilfroh, dass ich nie auf einen Menschen schießen musste“, sagt Wohlgemuth, der aber berichtet, dass er einmal kurz davor war. Er und zwei Kollegen hatten auf frischer Tat einen Bankräuber gestellt. „Ich habe in die Mündung seiner Pistole geguckt. Ich hätte schießen dürfen.“ Dann habe er aber mit lauten Rufen den Räuber zur Aufgabe bewegen können. „Das war wohl der spannendste Moment meiner Laufbahn“, erinnert sich der Polizist.

Einer der schönsten Momente sei es gewesen, als er mit einem Kollegen einem Mann das Leben retten konnte. Der sei am Steuer seines Auto zusammengebrochen. „Wir haben dann zwar nur Erste-Hilfe geleistet. Aber wenn der Arzt einem dann später sagt, dass wir ihm das Leben gerettet haben, dann ist das schon ein schönes Gefühl“, erzählt Wohlgemuth, dem auch eine besonders kuriose Geschichte in Erinnerung geblieben ist.

Erinnerungen bleiben für immer

Indirekt konnte der „Dorfsheriff“ nämlich einen Mordfall mit aufdecken. Durch seine vielen Kontakte sei er auf einen Betrüger aufmerksam geworden. „Der hat in mehreren Städten Sozialhilfe kassiert.“ Bei der Aufnahme der Anzeige musste Dieter Wohlgemuth auch DNA-Spuren sichern. Es stellte sich raus, dass der Mann für zwei Morde in den 60er-Jahren verantwortlich war. „Zu dem Zeitpunkt waren es wohl die Mordfälle, die am längsten zurückliegen und dank DNA-Spuren noch aufgeklärt werden konnten – weltweit.“

Wir werden ihn sehr vermissen.

Helmut Linnenbank über Dieter Wohlgemuth

Solche Erinnerungen werden Dieter Wohlgemuth für immer bleiben. Auch wenn er jetzt in den Ruhestand geht. „Wir werden ihn sehr vermissen. Als ich vor drei Jahren sein Kollege als Bezirksbeamter wurde, hat er mir sehr geholfen. Man kommt nirgends hin, wo man ihn nicht kennt. Das stößt Türen auf. Und er nutzt es ohne Überheblichkeit – einfach kollegial“, schwärmt Helmut Linnenbank, der nicht ausschließen will, dass bei ihm auch eine Träne fließt, wenn der Kollege dann seinen letzten Arbeitstag hat.

Ab Dezember verabschiedet Wohlgemuth sich aus dem Straßenbild, dann wird Resturlaub genommen. Im neuen Jahr wird er nur noch einen Termin offiziell wahrnehmen: Karneval. Das hat er sich selbst so ausgesucht. Noch einmal als Zugnummer eins den Rosenmontagsumzug anführen. „Noch einmal winke, winke machen“, sagt Dieter Wohlgemuth und verspricht: „Ich werde weiterhin ein Ansprechpartner für die Menschen bleiben.“ Dann aber nicht mehr als „Dorfsheriff“. Sondern nur noch als Dieter.

Pläne für den Ruhestand

Dieter Wohlgemuth hat keine Angst, dass er nach dem letzten Arbeitstag „in ein emotionales Loch“ fällt. „Ich bin mir ganz sicher, dass das nicht passiert“, sagt er im WN-Gespräch. Dafür habe er auch einfach zu viele Pläne für den Ruhestand.

„Ich liebe das Leben“, steht in Wohlgemuths WhatsApp-Status – und eben dieses Leben will er weiter genießen: „Wir haben ja schon jahrelang ein Wohnmobil. Das werden meine Frau und ich noch öfter nutzen. Ich reise gerne. Auch Kurztrips bieten sich an.“ Er überlegt auch, noch etwas zu arbeiten. „In einem anderen Bereich, da bin ich gerade am Optionen sichten. Aber ich bin da ja ganz frei jetzt.“

Auch seine zwei Motorräder will der Polizist im Ruhestand öfter bewegen. „Und ich hoffe, ich kann noch lange Tennis spielen“, sagt Wohlegmuth, der aktiv beim TC Sassenberg ist.

Mehr Zeit wird er auch für seine zwei Enkel haben. „Und die meisten Veranstaltungen werde ich auch noch besuchen – nur halt nicht mehr in Uniform.“  Bei den Bürgerschützen und im Schützenverein Hinter den drei Brücken ist Wohlgemuth ohnehin Mitglied. „Karneval ist auch gesetzt. Ich bin sowieso jemand, der gerne feiert. Mir wird sogar nachgesagt, ich würde des Öfteren die Läden abschließen“, erzählt der „Dorfsheriff“, der aber eine Lieblingsveranstaltung hat: „Ich liebe die Bundeschampionate. Etwas Vergleichbares hat die Stadt nicht zu bieten.“

Eine Veranstaltung wird Wohlgemuth in Zukunft hingegen eher auslassen. „Auch wenn mir das Gestüt und deren Mitarbeiter sehr ans Herz gewachsen sind, werde ich mir die Hengstparade wohl nicht mehr ansehen. Ich war in meinem Leben bei 55 Vorstellungen – das muss reichen.“

Langeweile wird also bei Dieter Wohlgemuth auch im Ruhestand nicht aufkommen. Zur Not erzählen ihm seine Tochter oder sein Schwiegersohn von der Arbeit. Beide sind nämlich – Polizisten.

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