Stephan Hebel liest in Warendorf
Resignation ist keine Lösung

Warendorf -

Mit Stephan Hebel holte sich die Volkshochschule (VHS) am Donnerstag einen bekannten Journalisten und Autor ins Haus. Er stellte sein Buch „Merkel. Bilanz und Erbe einer Kanzlerschaft“ vor, das im letzten Jahr erschienen ist. Dabei handelt es sich bereits um das dritte Buch von Hebel, das sich um Merkel dreht.

Samstag, 16.11.2019, 14:44 Uhr aktualisiert: 16.11.2019, 15:00 Uhr
Rolf Zurbrüggen, Leiter der VHS, freute sich über den Besuch des Autors Stephan Hebel (r.) der sein Buch „Merkel. Bilanz und Erbe einer Kanzlerschaft“ vorstellte.
Rolf Zurbrüggen, Leiter der VHS, freute sich über den Besuch des Autors Stephan Hebel (r.) der sein Buch „Merkel. Bilanz und Erbe einer Kanzlerschaft“ vorstellte. Foto: Rebecca Lek

Der große Andrang bei der Veranstaltung blieb allerdings aus. Füllt Hebel in Frankfurt Säle, hatte er in Warendorf eine kleine „Arbeitsgruppe“ – übrigens ausschließlich Frauen. Kurzerhand warf der Frankfurter sein Konzept für den Abend um und gestaltete einen interessanten Abend mit der Chance, direkt mit ihm in die Diskussion zu gehen.

Zu Beginn widmete er sich der aktuellen politischen Lage und den letzten Wahlergebnissen. Mit großer Sorge betrachte er die Entwicklung der AfD und die großen Wahlerfolge. „Die AfD ist parteigewordener Rassismus und keine politische Alternative“, stellte Hebel klar. Er gab aber auch eine Prognose darüber ab, wer seiner Meinung nach als nächster die Bundesregierung führen wird: Annegret Kramp-Karrenbauer, Armin Laschet oder Friedrich Merz.

Anschließend kam er zum eigentlichen Thema: Angela Merkel und ihre Politik. Einen Knackpunkt machte er an der Flüchtlingssituation von 2015 fest.

Die politische Reaktion der Kanzlerin ließ ihre Beliebtheit sinken, und die Wähler spalteten sich in zwei Lager: Begeistertes Lob und Hassreden wechselten sich ab. Merkels Image bröckelte aber bereits zwei Jahre zuvor, als ihr Mantra „Deutschland geht es gut“ ins Wanken kam. „Wir vergessen viel zu oft, dass Deutschlands Erfolg, sein Export- und Wohlstandsmodell, zu großen Teilen auf Kosten der Umwelt, der Menschen in ärmeren Ländern und unserer europäischen Partner erwirtschaftet wird“, erklärte Hebel. Etwas, das eine anwesende Landwirtin bekräftigte. Sie schilderte das „Hühnerproblem“: Deutsche essen am liebsten die Brust, die Schenkel werden in afrikanische Länder exportiert. Hier treibt es wiederum lokale Hühnerbauern in den Ruin. Diese suchen den Wohlstand woanders, um genau zu sein in Deutschland, und kommen als Flüchtlinge ins Land.

Es entwickelte sich eine rege Diskussion über die politische Ausrichtung der etablierten Parteien, die große Koalition, Flüchtlingspolitik, den Atomausstieg und noch vieles mehr. Viele der Besucher wirkten am Ende jedoch resigniert. „Wie kann es sein, dass wir hier an einem kleinen Tisch so viel begreifen und die großen Politiker nichts davon umsetzen?“ Für Stephan Hebel jedoch keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. „Wir müssen immer einer Ideologie folgen. Resignation ist einfach keine Lösung“.

Ein Kernproblem, das es zu lösen gilt, liegt laut Hebel in der Annäherung der eta­blierten Parteien. Sie entwickeln sich zu einer breiten Mitte, um gemeinsam gegen die AfD zu bestehen. Es folgt eine fehlende politische Ausgeglichenheit, Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten. Die einzige Lösung sieht der Frankfurter in einer Partei, die eine Meinungsalternative darstellt. „Rassismus ist keine Meinung. Sie ist unanständig und sonst nichts!“, stellte Hebel jedoch in Bezug auf die AfD nochmals klar.

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