Krippkes bekieken mit dem Heimatverein
Von Abstürzen und Entführungen

Freckenhorst -

Es war diesmal nur eine kleine Gruppe, die sich auf Einladung des Heimatvereins zum traditionellen Krippkes bekieken einfand. Besucht wurden drei Familien, die vier höchst unterschiedliche Krippen präsentierten und allerlei Spannendes zu erzählen wussten.

Sonntag, 29.12.2019, 17:10 Uhr
Aus Olivenholz ist die Krippe, die Dorothee und Heiko Villwock aus Israel mitgebracht haben. Ihr Anblick stimmt nachdenklich.
Aus Olivenholz ist die Krippe, die Dorothee und Heiko Villwock aus Israel mitgebracht haben. Ihr Anblick stimmt nachdenklich.

Früher war nicht nur mehr Lametta, früher beteiligten sich auch viel mehr Freckenhorster am Krippkesbekieken, zu dem der Heimatverein seit mittlerweile mehr als zwei Jahrzehnten zwischen Weihnachten und Silvester einlädt. Auf die Prozedur, die Teilnehmer auf mehrere Gruppen zu verteilen, konnte Heimatvereinsvorsitzende Wilma Richter am Freitag allerdings getrost verzichten. Und so kehrte an diesem Nachmittag und Abend, sehr zur Überraschung der Hausbewohner und Krippenbesitzer, lediglich eine Gruppe in drei gut beheizte Freckenhorster Wohnzimmer ein.

Einige Teilnehmer erinnerten sich daran, dass sie bereits 2002 bei Irmgard Hahnig in der Schillerstraße zu Gast waren, um den rustikal anmutenden Krippenstall aus Fachwerk und die hübschen Figuren zu bestaunen. Die Krippe, die sie jedes Jahr mit „Gefühl und Liebe“ aufbaue, sei jedes Jahr zu Weihnachten erweitert worden, erzählte Irmgard Hahnig den Besuchern. „Die Heilige Familie haben wir bei Oer in Warendorf gekauft“, erinnerte sie sich. Dann aber habe sie eine günstigere Bezugsquelle in Telgte aufgetan und die übrigen Figuren, darunter die im Moos knienden Könige, dort erstanden.

Die Gastgeberin hielt für die Besucher nicht nur hochprozentige Getränke, sondern auch eine Überraschung bereit. Auf der Mundharmonika, die sie als 14-Jährige geschenkt bekam, stimmte sie „Kommet, ihr Hirten“ an. Damit war für die Gäste klar, welches Lied sie zum Dank anstimmen würden.

Böse abgestürzt (und das offenbar unbemerkt von den Hausbewohnern) waren während der Feiertage – vielleicht beim Stephanus-Steinigen, jenem Trinkritual, das auch im Münsterland am zweiten Weihnachtstag vor allem von Teilen der männlichen Bevölkerung gepflegt wird ? – in einer aus Baumrinden bestehenden Krippe in der Spitalstraße ein Hirte und ein Schaf. Während Krippenbesitzerin Gabriele Hinkel den Gästen bei Glühwein und selbst gebrannten Mandeln erzählte, dass der Stern über der Krippe eine Maßanfertigung aus dem Warendorfer Weihnachtswäldchen sei und dass sie die kleinen Jutesäcke in der sternenfunkelnden Krippe ausnahmslos selbst genäht habe, half eine Besucherin dem Hirten und dem Schäfchen heimlich wieder auf die Beine.

Um dann der Geschichte einer inzwischen neun Jahre zurückliegenden Kindesentführung zu lauschen. Weihnachten 2010 stand die Alra-Krippe von Gabriele und Friedel Hinkel noch in Mainz. Die drei Enkelkinder des Paares waren zu Besuch gekommen und hatten während der Festtage mit der Krippe gespielt. Als Gabriele Hinkel nach der Abreise der Familie Wohnung und Krippe aufräumte, fiel ihr auf, dass das Jesuskind verschwunden war. Sie startete einen Rundruf bei ihren Kindern. Schließlich fand ihr Sohn das Jesuskind. In Freckenhorst. In einer Tasche. Neben der Barbie-Puppe seiner Tochter. Drei Monate später, die Hinkels besichtigten ihr künftiges Haus in der Spitalstraße in Freckenhorst, nahmen sie das Jesuskind, dem kein Haar gekrümmt, kein Ohrläppchen abgeschnitten worden war, wieder in Empfang. „Dann habt ihr ja ein Findelkind“, kommentierte ein Gast die amüsante Geschichte.

„Das Jesuskind war schon mal weg. Als wir ein neues gekauft hatten, war es plötzlich wieder da“, wusste auch Dorothee Villwock von einer zeitweise verwaisten Krippe zu berichten, als sie die Gruppe im Erdgeschoss ihres Hauses begrüßte. Die dort aufgebaute Krippe mit den zeitlosen Holz-Figuren, die wie Speckstein anmuten und sich wie Handschmeichler anfühlen, ist der ganze Stolz von Tochter Lina. Traditionell hätten ihre Eltern die Krippe mit einem Christstern dekoriert, erzählte Dorothee Villwock, die diese Tradition selbstverständlich fortsetzt. Das ganz besondere Souvenir, das sie 1997 von einer Israel-Reise mitgebracht hatten, die sie unter anderem ins Caritas Hospital nach Bethlehem führte, präsentierten Dorothee und Heiko Villwock den vom selbst gebackenen Hutzelbrot naschenden Besuchern in der ersten Etage ihres Hauses. Eine Krippe aus Olivenholz.

Sobald sie die stilisierten Figuren aufbaue, müsse sie an die Bethlehem von Jerusalem trennende Mauer, die Mauer zwischen Westbank und Israel, denken, erzählte Villwock. „Ich denke dann immer, was haben wir es hier gut.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7159413?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F35766%2F
Nachrichten-Ticker