Neujahrsempfang der Pfarrei St. Laurentius
„Den Fragen unserer Zeit stellen“

Warendorf -

Auch in Warendorf steht die Kirche vor großen Herausforderungen. Das wurde beim Neujahrsempfang der Pfarrei St. Laurentius deutlich. Kreisdechant Peter Lenfers und die stellvertretende Bürgermeisterin Doris Kaiser zeigten sich aber zuversichtlich, gemeinsam etwas bewirken zu können.

Montag, 06.01.2020, 08:00 Uhr
Ein von Kantor Ratermann ins Leben gerufener Projektchor gestaltete die Eucharistiefeier in St. Laurentius musikalisch.
Ein von Kantor Ratermann ins Leben gerufener Projektchor gestaltete die Eucharistiefeier in St. Laurentius musikalisch. Foto: Stephan Ohlmeier

„Kirche ist und bleibt eine große Baustelle“, war Kreisdechant Peter Lenfers beim Neujahrsempfang der Pfarrei St. Laurentius am Sonntagmorgen überzeugt. Bereits im Rahmen der Eucharistiefeier in der St. Laurentius-Kirche hatte Lenfers angemahnt, dass nur noch ein Viertel der Bevölkerung katholisch sei und die katholische Kirche in eine ungewisse Zukunft gehe. Um sich zukunftsfähig aufzustellen, müsse man sich veränderten Rahmenbedingungen und Fragen unserer Zeit stellen.

Beim anschließenden Empfang im Kolpinghaus ging der Dechant konkret auf die Situation vor Ort ein. Während Ende März die letzten Schwestern das Marienheim verlassen würden, kehre Pfarrer Franklin einen Monat später in seine indische Heimat zurück. Losgelöst von den Personalveränderungen seien Nachjustierungen an der Gottesdienstordnung notwendig: „Es ist inzwischen mehr ein Verstreuen als ein Sammeln.“ Eine weitere Idee sei es, künftig mehr Wortgottesdienste zu feiern und hierfür Ehrenamtliche zu gewinnen.

Ein zweites Schwerpunktthema bleibe die Zukunft der Marien-Kirche. „Wir befinden uns in einen Prozess ohne Denkverbote und versuchen, verschiedene Szenarien zu entwickeln“, sagte Lenfers. Sobald es konkretere Ideen gebe, wolle man diese der Pfarrei vorstellen und ohne Vorfestlegung miteinander diskutieren.

Lenfers zeigte sich überzeugt, dass man diese Herausforderung meistern werde. Bereits im letzten Jahr habe man Personalwechsel in der Küsterei, im Pfarrbüro und den Chören erlebt und gute Lösungen gefunden.

Erschüttert und geschockt sei man nach wie vor von den Missbrauchsvorwürfen gegen einen ehemaligen Pfarrer aus St. Josef. Es werde viel Zeit und Anstrengung benötigen, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Ein großes Dankeschön sprach er allen in der Pfarrei Engagierten aus.

In ihrem Grußwort sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Doris Kaiser , dass nicht nur im kirchlichen, sondern auch im politischen Raum Unruhe und Verunsicherung herrsche. Sie rügte den schärfer werdenden Umgangston gegenüber Ehrenamtlichen: „Alles im Leben hat mit Achtung und Wertschätzung zu tun.“ Gemeinsam müsse man diesen Strömungen – egal aus welcher Richtung sie kämen – entgegentreten: „Wenn wir klein beigeben, haben wir verloren.“

Einen Jahresrückblick von „A“ wie „Allerheiligen“ bis „Z“ wie „Zukunft“ trugen Jutta Blienert und Ariane Wessels vor. Die Pfarreiratsmitglieder erinnerten mit Humor etwa an Maria 2.0, die Indienreise der Pfarrei oder die aufgrund des Regens abgebrochene Maria-Himmelfahrts-Prozession und lobten das Pastoralteam als jung, frisch und dynamisch. Abschließend sagten sie: „Die Zukunft der Kirche in Warendorf liegt in unser aller Hände und wir können sie gemeinsam gestalten.“

Nach dem offiziellen Teil waren alle Mitglieder der Pfarrei eingeladen, auf das neue Jahr anzustoßen und sich auszutauschen. Begonnen hatte der Neujahrsempfang mit der Eucharistiefeier in der St. Laurentius-Kirche, die von Kaplan Matthias Rump zelebriert wurde. Für die musikalische Gestaltung zeichnete ein von Kantor Bernhard Ratermann ins Leben gerufener Projektchor verantwortlich, der von Mitgliedern aus den Vokalensembles der Pfarrei unterstützt wurde.

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