Bernd Kieskemper: Von Thyssen-Krupp ins Spielwarengeschäft
Vierte Generation steigt ein

Freckenhorst -

Nach dem viel zu frühen Tod ihres Mannes hatte Anne Kieskemper kurzzeitig an die Schließung des traditionsreichen Familienunternehmens gedacht, um in ihrem alten Beruf als Krankenschwester zu arbeiten. Doch da hatte sie die Rechnung ohne ihren Sohn Bernd gemacht. Der 27-Jährige hatte einen guten Job bei Thyssen-Krupp. Nach einer „Schnupperzeit“ hat er sich nun entschlossen, in das elterliche Unternehmen einzusteigen.

Dienstag, 07.01.2020, 23:00 Uhr aktualisiert: 07.01.2020, 23:30 Uhr
Anne Kieskemper freut sich, dass ihr Sohn Bernd sich entschlossen hat, in das Familienunternehmen einzutreten. Das kleine Foto zeigt ihn auf dem Arm seines Vaters Rainer, Zwillingsschwester Ina auf dem Arm der Mutter sowie die Großeltern Marianne und Heinz Kieskemper.
Anne Kieskemper freut sich, dass ihr Sohn Bernd sich entschlossen hat, in das Familienunternehmen einzutreten. Foto: Joke Brocker

Als ihr Mann Rainer Silvester vor einem Jahr nach schwerer Krankheit starb, beschäftigten Anne Kieskemper und ihre Familie neben der Trauerarbeit existenzielle Fragen. „Rainer und ich waren immer ein gutes Team. Ich war vorne im Laden, hatte den Kontakt mit den Kunden, er war vor allem im Büro und kümmerte sich um den Internet-Shop“, blickt die Freckenhorsterin zurück und räumt ein, dass ihr der Bürokram nicht so sehr liege wie der Umgang mit den Kunden.

Ihr Geschäft in Everswinkel hatten die Kieskempers bereits 2018 an einen Nachfolger übergeben. Nun dachte Anne Kieskemper darüber nach, auch den Laden in Freckenhorst aufzugeben und in ihren alten Beruf zurückzukehren: „Ich bin gelernte Krankenschwester.“ Doch da hatte sie die Rechnung ohne Sohn Bernd gemacht, der sich jetzt anschickt, in die beruflichen Fußstapfen seines Vaters zu treten. Der 27-Jährige arbeitet seit 2012 bei Thyssen-Krupp in Neubeckum. Parallel zur Ausbildung zum Industriekaufmann hat er ein Betriebswirtschaftsstudium absolviert. Die Vorstellung, das Familienunternehmen aufzugeben, das Urgroßvater Willi Unland vor 92 Jahren gegründet hatte, um es später seiner Tochter Marianne und deren Mann Heinz Kieskemper zu übergeben, behagte Bernd Kieskemper gar nicht. Natürlich hätte er bei seinem bisherigen Arbeitgeber

Karriere machen können, Auslandsaufenthalte inklusive. Aber eigentlich sei er ein bodenständiger Typ und in Freckenhorst verwurzelt: „Ich brauche keine Weltreisen.“ Gleichwohl wechselt er keineswegs blauäugig in eine Branche, aus der sich viele Mitbewerber in Zeiten des Internets zurückgezogen und ihre Läden geschlossen haben. Kieskemper hat sich vorbereitet. Mit viel Verständnis habe sein Vorgesetzter reagiert, als er ihm die Situation daheim schilderte, erzählt er. Bernd Kieskemper nahm das Angebot, zwei Tage pro Woche in den elterlichen Betrieb hineinzuschnuppern und in der übrigen Zeit in seinem Büro bei Thyssen-Krupp zu arbeiten, dankbar an; um sich letztlich für eine berufliche Zukunft im Familienbetrieb zu entscheiden. „Der Job ist interessant. Ich muss nicht nur auf dem Bürostuhl sitzen, jeder Tag ist anders. Mal bediene ich, mal bin ich im Büro, mal im Lager.“ Und vor Weihnachten, erzählt der 27-Jährige schmunzelnd, habe er sogar jede Menge sperriger Geschenke verpackt, obwohl das eine Aufgabe sei, die ihm nicht so ganz liege. Gemeinsam mit Markus Hülk, der gemeinsam mit Rainer Kieskemper den weltweit agierenden Internet-Shop aufgebaut hat, über den vor allem Modelleisenbahnen und deren Zubehör, aber auch andere Spielsachen vertrieben werden, möchte Bernd Kieskemper auch das Internet-Geschäft vorantreiben. Sein Vater sei genau zur richtigen Zeit in den Internet-Handel eingestiegen, findet er. „Ich freue mich“, strahlt Anne Kieskemper. Wenn ihr Sohn, der inzwischen geheiratet hat und in Freckenhorst wohnt, im April offiziell in das Familienunternehmen einsteigt, das auf ein verlässliches Team von zehn Mitarbeitern setzen kann, bleibt sie erst einmal die Chefin. Und wer weiß, vielleicht gibt es in acht Jahren, wenn das 100-jährige Bestehen ansteht, schon die fünfte Kieskemper-Generation . . .

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7176769?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F35766%2F
Zwangspause für „Ratskeller“: Stadt saniert Abluftkanal
Am 24. Januar öffnet der „Ratskeller“ wieder.
Nachrichten-Ticker