Vier weitere Prozesstage/Angeklagte wollen Freisprüche
Beweisaufnahme wird neu aufgerollt

Warendorf -

„Das Landgestüt war mein Leben“, wurde die ehemalige Gestütsleiterin, die aus Warendorf weggezogen und in Bad Salzuflen gemeldet ist, jetzt emotional im Berufungsprozess.

Montag, 13.01.2020, 18:04 Uhr aktualisiert: 14.01.2020, 15:00 Uhr
NRW Landgestüt Warendorf
NRW Landgestüt Warendorf

Vier weitere Prozesstage sind im Berufungsverfahren um die Korruptionsvorwürfe gegen drei ehemalige leitende Angestellte des NRW-Landgestüts vor dem Landgericht Münster angesetzt: 22. Januar, 5., 19. Februar und 4. März.

In Berufung gegangen gegen das Urteil des Amtsgerichts Warendorf sind die ehemalige Gestütsleiterin, ihr Stellvertreter und früherer Verwaltungschef sowie der ehemalige Erste Hauptberittmeister. Alle drei weisen die „Vorteilsnahme im Amt“ zurück, betonen, dass sie nur ihren Dienstauftrag (die Bilanz des Staatsbetriebes aufzubessern) ausgeführt haben, dass das Landwirtschaftsministerium (Dienstherr des Landgestüts in Warendorf) über die Beziehungen mit der Reitsporteinrichtung Al Shaqab in Dohar (Katar) informiert, eine Kooperation sogar ausdrücklich erwünscht gewesen sei. Und so erwarten sich alle drei Ex-Mitarbeiter vor dem Landgericht nicht nur ein milderes Urteil, sondern Freisprüche.

Im Februar vergangenen Jahres hatte das Erweiterte Schöffengericht am Amtsgericht Warendorf sein Urteil gefällt: Schuldig wegen gemeinschaftlicher Vorteilsannahme und Geldstrafen in Höhe von 6400, 5600 und 3300 Euro. Die ehemalige Leiterin des NRW-Landgestüts wurde zu einer Gesamtstrafe von 160 Tagessätzen zu je 40 Euro für vier Fälle, ihr früherer Stellvertreter und Verwaltungsleiter für drei Fälle zu 140 Tagessätzen zu 40 Euro, und der damalige Erste Hauptberittmeister zu 110 Tagessätzen zu 30 Euro verurteilt. Bei Rechtskraft hätte das für alle drei einen Eintrag ins Vorstrafenregister zu Folge. „Das war keine Bagatelle. Das Strafmaß sieht in einem solchen Fall auch Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor“, sah das Gericht den „gefährlichen Anschein der Käuflichkeit“ für erfüllt an.

Begründung: Das ehemalige Führungstrio des NRW-Landgestüts habe privat von seiner Stellung in dem weltweit bekannten Zuchtbetrieb beim Aufbau eines Pferdesportzentrums El Shaqab in Doha profitiert. Alle drei Verurteilten waren Beamte des öffentlichen Dienstes. Bereits die Übernahme der Flugkosten für die Ehepartner durch die Kataris, so die Vorsitzende Richterin, stelle eine Vorteilsnahme dar.

Bereits nach der einstündigen Verlesung der Urteilsbegründung, kündigten Detlev Ströcker, Verteidiger der ehemaligen Gestütsleiterin, und Sebastian Henkel, Verteidiger des früheren Verwaltungschefs, noch im Gerichtssaal an, in die Berufung zu gehen. Die Ex-Gestütsleiterin damals: „Man hat uns in die Wüste geschickt.“

„Das Landgestüt war mein Leben“, wurde die ehemalige Gestütsleiterin, die aus Warendorf weggezogen und in Bad Salzuflen gemeldet ist, jetzt emotional im Berufungsprozess. Der frühere Erste Hauptberittmeister, der arbeitsrechtlich der Gestütsleitung in Warendorf unterstellt war, gab an, dass er „seit der Hausdurchsuchung ein gebrochener Mann“ sei. Und der Ex-Verwaltungschef untermauerte noch einmal, dass es vom Landwirtschaftsministerin ausdrücklich gewünscht gewesen sei, das defizitäre Landgestüt wieder in schwarze Zahlen zu führen: Bis zu zwei Millionen Euro pro Jahr müssten aus Kosten des Steuerzahlers aus der Landeskasse zugeschossen werden.

Dieses Ziel unterstrich auch die frühere Leiterin des Landgestüts. Seit ihrer Anstellung im Jahre 1997 bis zur Suspendierung, sei das das Hauptziel der Kooperation mit Katar gewesen. Auch nach Bekanntwerden der Vorwürfe sollte sie die Beziehungen mit den Scheichs fortführen. Dazu werden jetzt noch einmal Zeugen gehört, auch aus dem Ministerium. Der Prozess wird am 22. Januar um 9 Uhr in Saal 11 fortgesetzt.

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