Freckenhorster Ortsumgehung
„Ding soll durchgepeitscht werden“

Freckenhorst. -

Für eine ortsnahe Freckenhorster Ortsumgehung macht sich eine Initiative aus Landwirten und weiteren Bürgern aus Walgern und dem Ostbezirk stark, die die vom Landesbetrieb Straßen NRW im Dezember öffentlich vorgestellte Planung für total überzogen und nicht mehr zeitgemäß hält. Sollte die Planfeststellung kommen, wollen die Bürger klagen.

Donnerstag, 16.01.2020, 16:28 Uhr aktualisiert: 16.01.2020, 18:09 Uhr
Stellten die Variante einer ortsnahen Trasse um Freckenhorst vor (v. l.): Ursula Dühlmann, Paul Lütke Laxen, Marvin Brinkmann, Manfred Lensing-Holtkamp, Alfred Heine, Martin Albers, Monika Albers, Ralf Erlemeyer, Nils-Peter Beckervordersandforth, Bernhard Kremann, Heinz Witteler und Norbert Dühlmann. Die rosafarbene Trasse auf dem Plan ist di
Stellten die Variante einer ortsnahen Trasse um Freckenhorst vor (v. l.): Ursula Dühlmann, Paul Lütke Laxen, Marvin Brinkmann, Manfred Lensing-Holtkamp, Alfred Heine, Martin Albers, Monika Albers, Ralf Erlemeyer, Nils-Peter Beckervordersandforth, Bernhard Kremann, Heinz Witteler und Norbert Dühlmann. Die rosafarbene Trasse auf dem Plan ist di Foto: Joke Brocker

Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Projektes in der gegenwärtig vorgesehenen Größenordnung sowie dessen Verträglichkeit mit Ökologie und landwirtschaftlichen Belangen sind es, die Norbert und Ursula Dühlmann antreiben, sich für eine ortsnahe Freckenhorster Ortsumgehung zu engagieren. Eine, die nicht auf der Linie der ehemals geplanten, mittlerweile auf Landstraßenniveau zurückgestuften Kraftfahrstraße verlaufen soll, sondern deutlich ortsnäher, so wie es Bernhard Kremann, Vorsitzender der Bürgerinitiative Verkehrskonzept Warendorf (BVW), und Mitstreiter wie Ralf Erlemeyer seit Jahren fordern.

Mit einem sehr konkreten Plan, im Auftrag der BVW seinerzeit von Städte- und Verkehrsplanerin Anne Mechels (Ingenieurbüro Planersocietät) entwickelt, wirbt Kremann seit gut vier Jahren unermüdlich für diese Trasse. Beginnen soll sie an der Everswinkeler Straße in Höhe des Hofes Bußmann, dann in Richtung Neuer Friedhof verschwenkt werden, um über einen Kreisverkehr Busch“ in Richtung Sportplatz am Feidiek und von dort durch einen weiteren Kreisel zur Warendorfer Straße (und dort in einen dritten Kreisel) beziehungsweise über die Waterstroate in Richtung B 64 geführt zu werden.

Die haben keinen politischen Auftrag.

Paul Lütke Laxen

Diese Umgehung entlaste vor allem die Brücken- und die Merveldtstraße, weil etwa Berufspendler aus den angrenzenden Wohngebieten im Bereich Feidiek über den dortigen Kreisel direkt auf die Umgehungsstraße fahren könnten. Obwohl Bürgermeister Axel Linke, mit den Plänen der Freckenhorster konfrontiert, in der Vergangenheit mehrfach auf das laut Landesbetrieb Straßen NRW abgeschlossene Linienverfahren verwiesen hatte, stellten Kremann und Co. die Pläne am 11. Dezember anlässlich der Bürgerveranstaltung zur Ortsumgehung im Stiftshof noch einmal vor. Wenngleich sie Bernhard Epmann vom Landesbetrieb an diesem Abend die Aussage entlocken konnten, dass eine neue Linienführung das Projekt vielleicht zwei Jahre verzögern würde, sind die Bürger aus Walgern und dem Westbezirk doch enttäuscht, dass ihr Vorschlag auch an diesem Abend offenbar kaum jemanden ernsthaft interessiert hat. Aus Angst, am Ende gar keine Ortsumgehung zu bekommen, nehme eine schweigende Mehrheit offenbar sogar die schlechteste aller Möglichkeiten in Kauf, meinen Landwirte und Anwohner aus Walgern und dem Westbezirk.

Geradezu empört sind sie darüber, dass der Landesbetrieb, obwohl sich doch inzwischen sämtliche Umgehungsstraßen-Planungen grundlegend geändert hätten, im Dezember eine Trasse präsentierte, „die auf einer 30 Jahre alten Planung basiert“, wie Paul Lütke Laxen sagt. „Und das Ding soll nun durchgepeitscht werden“, fürchtet er. Dass der Landesbetrieb keine Kapazitäten für die Erarbeitung einer optimalen Lösung hat, bezweifelt er und meint: „Die haben keinen politischen Auftrag.“

Wir wollen eine Umgehung für Freckenhorster.

Alfred Heine

Nicht nur Alfred Heine hat das Gefühl, dass der Bürgerwille ignoriert wird: „Wir wollen eine Umgehung für Freckenhorster“, stellt er beim abendlichen Pressegespräch im Wohnzimmer der Familie Dühlmann klar, dass das Letzte, was die Freckenhorster wollten, zusätzlicher Fernverkehr aus der Umgebung auf einer großzügig dimensionierten Umgehungsstraße sei.

Die nach drei Jahrzehnten wieder aus der Schublade gezogene Planung sei nicht mehr zeitgemäß, ist sich die Runde einig und verweist auf ihrer Ansicht nach total überzogene Brückenbauwerke, „Schandflecken für die Natur“, mit deren Bau ein gewaltiger Flächenverbrauch einhergehe. Während die Trasse in der jetzigen Linienführung ein rund einen Hektar großes Naturschutzgebiet komplett zerschneide, würden mit der ortsnahen Variante, die von Landwirtschaft, Grundeigentümern und Landwirtschaftskammer mitgetragen werde, deutlich weniger Flächen zerschnitten. Zudem könnten sämtliche Wirtschaftswege erhalten bleiben. Manfred Lensing-Holtkamp als Vertreter des NABU am Tisch und naturgemäß kein Freund versiegelter Flächen, kündigt an, das nach Aussage der Anlieger rund 120 Jahre alte NABU-Naturschutzgebiet „Schüttenteich“ nicht kampflos herzugeben.

Obwohl sie die Hoffnung, dass die Politik doch noch das Gespräch mit ihnen suchen wird, noch nicht aufgegeben haben, zeigen sich auch die Bürger aus Walgern und dem Westbezirk kampfeslustig: „Wenn die Planfeststellung kommt, wird geklagt.“

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