Passant stürzt auf der Fleischhauerstraße
Ein tückisches Pflaster

Warendorf -

Nach einem schweren Sturz auf der Fleischhauerstraße scheut sich Friedrich Kreuzberg, die Stadt in Regress zu nehmen. Dabei ist ein Anwalt der Ansicht, dass man sich bei so schweren Verletzungen, wie sie der 77-Jährige davongetragen hat, auf jeden Fall juristischen Rat holen sollte.

Dienstag, 04.02.2020, 16:18 Uhr aktualisiert: 05.02.2020, 14:09 Uhr
Weil auf der Fleischhauerstraße an einigen Stellen Pflastersteine fehlen, ist Friedrich Kreuzberg schwer gestürzt. Dabei hat er sich unter anderem die linke Hand verletzt.
Weil auf der Fleischhauerstraße an einigen Stellen Pflastersteine fehlen, ist Friedrich Kreuzberg schwer gestürzt. Dabei hat er sich unter anderem die linke Hand verletzt. Foto: Joke Brocker

Schulter und Finger geprellt, eine geschwollene rechte Hand, Hautabschürfungen an der linken Hand, einen Cut am Arm, Hämatome an den Knien, die Oberlippe durchschlagen, Verletzungen im Mundraum, Uhr und Brille kaputt – eigentlich hatte Friedrich Kreuzberg nur einkaufen gehen wollen. Doch nach einem Sturz auf der Fleischhauerstraße sah der 77-Jährige aus, als wäre er in eine veritable Schlägerei geraten.

Tatsächlich aber war der freischaffende Künstler mit einem Fuß in eine regelrechte Stolperfalle getreten, fehlen doch auf der Fleischhauer Straße, wie auch in der Krückemühle, eine ganze Reihe von Pflastersteinen. „Hat die Stadt nicht eine Sorgfaltspflicht?“, fragt sich Kreuzberg, der in der WN-Redaktion notärztlich versorgt und anschließend zur weiteren ambulanten Behandlung ins Krankenhaus gebracht wurde.

Dass er noch Glück im Unglück gehabt habe, sei seiner eigentlich robusten Konstitution zu verdanken, glaubt Kreuzberg, der den rechten Arm nun in einer Schlinge trägt. Weniger sportliche Menschen, ist er überzeugt, hätte es noch schlimmer erwischt.

Im Krankenhaus habe man ihm berichtet, dass er kein Einzelfall sei, schon häufiger seien Patienten eingeliefert worden, die im Bereich Krückemühle, Fleischhauerstraße gestürzt waren.

Niels Heermann, Teamleiter Tiefbau, bedauert das. Im Zuge der Verkehrssicherungspflicht würden die Straßen regelmäßig kontrolliert, versichert er und kündigt an, den aktuellen Fall zum Anlass für noch stärkere Kontrollen nehmen zu wollen: „Wir werden die Kontroll-Intervalle verkürzen.“ In der Fleischhauerstraße werde man nun „schnellstmöglich tätig“.

Während andere wahrscheinlich direkt zum Anwalt gelaufen wären, um die Stadt auf Schadensersatz und Schmerzensgeld zu verklagen, ist Friedrich Kreuzberg zögerlich, scheut, obwohl ihn die kaputte Brille ärgert und ihm die Schmerzen zu schaffen machen, den Gang zum Anwalt.

Ginge es nur um eine kaputte Hose, würde auch Oliver Kock, Fachanwalt für Versicherungsrecht in der Kanzlei Kläne, Frye& Partner sowie Vorsitzender bei Haus & Grund Warendorf, die Sache auf sich beruhen lassen. Anders, findet er, sehe das bei körperlichen Beeinträchtigungen aus.

Auch Menschen mit geringem Einkommen oder kleiner Rente könnten die Beratung durch einen Anwalt in Anspruch nehmen, sagt Kock.

Sie müssten lediglich beim Amtsgericht einen so genannten Beratungshilfeschein beantragen, mit dem sie dann einen Anwalt ihrer Wahl aufsuchen könnten. Sollte es in der Folge tatsächlich zu einem Prozess kommen, könnten die Betroffenen Prozesskosten-Hilfe beantragen.

Die Kommunen selbst seien im Übrigen über die GVV-Kommunalversicherung gegen Schadensersatzansprüche Dritter versichert.

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