Flüchtlingsunterbringung im „Birkeneck“
„Ein katastrophaler Zustand“

Mittwoch, 05.02.2020, 19:15 Uhr aktualisiert: 05.02.2020, 19:20 Uhr
Katastrophal ist nach Ansicht der ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuer die Unterbringung der geflüchteten Menschen im ehemaligen Hotel Birkeneck vor allem aufgrund unhaltbarer hygienischer Zustände in der Gemeinschaftsküche.
Katastrophal ist nach Ansicht der ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuer die Unterbringung der geflüchteten Menschen im ehemaligen Hotel Birkeneck vor allem aufgrund unhaltbarer hygienischer Zustände in der Gemeinschaftsküche.

Die meisten Geflüchteten stammten aus Syrien, dem Irak, dem Iran, aus Afghanistan, Armenien und Aserbaidschan, berichtete Blume. Im vergangenen Jahr hatte die Verwaltung noch 70 Zugänge nicht anerkannter sowie anerkannter oder Resettlement-Flüchtlinge (besonders schutzbedürftige Flüchtlinge, denen temporärer humanitärer Schutz gewährt wird) verzeichnet, denen 105 Abgänge gegenüberstanden. Die Zahl der Zuweisungen habe damit zwar etwas höher als im Jahr 2018 gelegen, sei aber nicht vergleichbar mit den Zuweisungen in den Jahren 2016 und 2017, betonte Blumes Kollege Thomas Mundmann.

Die Stadt hat ganz bewusst auf die dezentrale Unterbringung der Geflüchteten gesetzt. Und das hat sich nach Ansicht des Ersten Beigeordneten Dr. Martin Thormann im Großen und Ganzen auch bewährt.

Probleme scheint es allerdings im ehemaligen Hotel Birkeneck in Müssingen zu geben, wie Hermann Lutterbeck berichtete, der zu einem Kreis Ehrenamtlicher gehört, der sich um die in Einen-Müssingen lebenden geflüchteten Menschen kümmert. 16 junge Männer aus verschiedenen Ländern und unterschiedlichen Verhältnissen, die ergo unterschiedliche (Ernährungs-)Gewohnheiten und offenbar auch sehr unterschiedliche Vorstellungen von Ordnung und Hygiene haben, leben hier unter einem Dach. Doch für das Putzen von Treppe und Küche fühle sich offenbar niemand zuständig. „Es fehlt eine stringente Vorgabe, wer wann was zu tun hat“, hat Lutterbeck festgestellt. Auch ein Küchendienst habe nicht funktioniert.

Iris Blume bestätigte unhaltbare hygienische Zustände in der Küche, dass Türschlösser an den Schränken aufgebrochen worden seien und ganze Türen inzwischen fehlten. Lutterbeck: „Die Küche ist im Prinzip zerlegt.“ Neue Hausbewohner seien erschrocken, wenn man ihnen sage, dass sie hier leben sollen. Die Küche sei eine Zumutung, meinte Lutterbeck, der auch langjährige Unterbringung der Bewohner in Hotelzimmern in Frage stellte. Einige lebten dort seit vier Jahren und würden zunehmend depressiv. Der ehrenamtliche Flüchtlingshelfer: „Das ist ein katastrophaler Zustand.“ Eine Unterbringung in Hotelzimmern sei gewiss nicht unzumutbar, befand Dr. Martin Thormann. Es handele sich immerhin um Räume.

Die von Lutterbeck geschriebene Situation entspreche nicht dem Gesamtbild und dürfe so auch nicht bleiben. Die Verwaltung, versprach er, werde sich des Themas annehmen.

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