Gedenkstättenwoche des Paul-Spiegel-Berufskollegs
Beeindruckend und gewinnbringend

Warendorf -

Zum ersten Mal hat das Paul-Spiegel-Berufskolleg Ende Januar eine Gedenkstättenwoche angeboten. Interessierte Schüler aller Bildungsgänge besuchten verschiedene Erinnerungsorte: die Steinwache in Dortmund, die Villa ten Hompel in Münster, das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und Riga. Beeindruckt, aber auch schockiert kehrten die Schüler zurück und berichteten in einem Pressegespräch von ihren Eindrücken.

Donnerstag, 06.02.2020, 21:20 Uhr aktualisiert: 06.02.2020, 21:30 Uhr
Die Gruppe des Paul-Spiegel-Berufskollegs vor dem Ghetto-Museum in Riga. Begleitet wurde die Gruppe unter anderem von den Lehrern Moritz Wehmschulte (2. v. l.) und Kristin Antemann (3. v. l.). Die Gruppe besuchte auch die Gedenkstätte im Wald von Bikernieki (kleines Foto).
Die Gruppe des Paul-Spiegel-Berufskollegs vor dem Ghetto-Museum in Riga. Begleitet wurde die Gruppe unter anderem von den Lehrern Moritz Wehmschulte (2. v. l.) und Kristin Antemann (3. v. l.). Die Gruppe besuchte auch die Gedenkstätte im Wald von Bikernieki (kleines Foto).

Mit der jüngeren deutschen Geschichte „brutalst konfrontiert“ wurden Schüler des Paul-Spiegel-Berufskollegs während der von Politiklehrer Roland Niehues erstmalig konzipierten Gedenkstättenwoche. Das auf Freiwilligkeit basierende, klassenübergreifende Angebot für Schüler aller Bildungsgänge soll künftig alle zwei Jahre angeboten werden.

Vier Erinnerungsorte hatten die Schüler in der letzten Januarwoche besucht, um Antworten auf die Frage „Wie können Menschen so unmenschlich sein?“ zu finden. Tagesfahrten führten zur Villa ten Hompel in Münster und zur Steinwache in Dortmund. Die Lehrer Konrad Schoppmann und Bettina Glasmeyer sowie zwei Mitarbeiter des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks Dortmund (IBB) hatten 16 Schüler auf einer eine einwöchigen Fahrt nach Auschwitz begleitet. Der Historiker Matthias M. Ester (Geschichts-Kontor Münster), Daniel Gollmann vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sowie die Lehrer Kristin Antemann und Moritz Wehmschulte waren mit 22 Schülern nach Riga gereist.

Die Rückkehrer zeigten sich nachhaltig beeindruckt, als sie am Donnerstag in einem Pressegespräch von ihren Eindrücken und von den Begegnungen mit Zeitzeugen berichteten, die nach Aussage von Jil Schubert und Luisa Steinkamp sehr engagiert von ihren Erinnerungen erzählt hatten und – anders als die Menschen auf den Straßen Rigas, die die Vergangenheit, so Jils Einschätzung, am liebsten verdrängten – Fragen bereitwillig beantworteten. „Man hat gemerkt, dass es ihnen gut tat, darüber zu sprechen“, meinte Luisa.

„Beeindruckend und gewinnbringend“ war die Reise in das kleine Lettland mit seiner komplexen Geschichte für den Historiker Daniel Gollmann. Als bedrückend habe er vor allem das ehemalige Rigaer Ghetto in der Moskauer Vorstadt empfunden. Das extrem arme Viertel sehe immer noch aus wie in den 40er-Jahren und vermittle einen authentischen Eindruck von jener Szenerie, in die reichsdeutsche, aber auch lettische Juden gerieten, als sie hier interniert und terrorisiert wurden.

Als besonders berührend empfand es Kristin Antemann, den Spuren der Warendorfer Juden zu folgen, die nach Riga deportiert und im Wald von Bikernieki erschossen worden waren.. Beim Besuch der Gräber- und Gedenkstätte hatten die Schüler mit Kurzreferaten an einzelne junge Opfer erinnert. Jeder habe im Laufe des Aufenthaltes einen Moment erlebt, in dem die Grenze des Erträglichen erreicht war, hat Antemann beobachtet. Für einen älteren Schüler sei das beispielsweise der Besuch der Gedenkstätte für Kinder gewesen. Jil Schubert zeigte sich emotional angefasst vom Zanis Lipkes Memorial, das an den „Judenretter“ Janis Lipke erinnert: „Dass jemand Gesetze bricht, um Menschen zu retten, das hat mich berührt.“ Spannend war für die Gruppe auch der Kontakt zu Juden, die heute als Teil der Stadtgesellschaft in Riga leben, die Gruppe durch die Synagoge führten und bereitwillig über jüdisches Leben in Riga informierten. „Wir hatten viel Zeit zum Nachdenken und zum Austausch. Das ist der Vorteil so einer Fahrt“, stellte Matthias M. Ester klar, dass es sich bei den Gedenkstättenwochen nicht um „Gedenkstätten-Tourismus“ handele.

Angesichts des „riesengroßen Friedhofs“, wie eine Schülerin das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau bezeichnete, war auch der Gruppe um Konrad Schoppmann nicht nach oberflächlichen Gesprächen zumute. . Totenstill sei es im Bus gewesen, und bei der Besichtigung des Konzentrationslagers sei nur darüber gesprochen worden, erzählte Philipp Nöh. In drei Tagen vor Ort habe er mehr gelernt als in der Schule. Nöh zeigte sich geschockt vom Ausmaß der in Auschwitz-Birkenau industriell betriebenen Tötung. Yosif Molugeta, seit drei Jahren in Deutschland, erzählt, dass er während der Besichtigung des Vernichtungslagers immer wieder an seine Heimat, Eritrea, habe denken müssen, an die unter dem diktatorischen Regime leidenden Menschen. „Das war sehr traurig für mich.“ Das sei auch während der abendlichen Reflexion zu spüren gewesen, erzählt Konrad Schoppmann. Immer wieder hätten sich die Schüler, die unter anderem mit dem im Dorf Birkenau aufgewachsenen Jan Tobiasz ein Zeitzeugengespräch führten und den Hungerbunker, im Stammlager Auschwitz sahen, in dem Pater Maximilian Kolbe ermordet wurde, gefragt „Warum hat die Welt nichts dagegen gemacht? Und was macht die Welt heute?“ Einer von ihnen habe schließlich in Anlehnung an ein Wort Richard von Weizsäckers gesagt: Wir sind nicht verantwortlich für das, was damals geschehen ist, sondern für das, was draus wird.“

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