Unverpackte Waren liegen im Trend
Ohne Drumherum

Warendorf/Freckenhorst -

Um Antworten auf die Plastikflut geht es diesmal in der WN-Serie zu Nachhaltigkeit und Klimawandel. Der Trend geht – auch in Warendorf – zu unverpackten Waren.

Freitag, 07.02.2020, 22:58 Uhr aktualisiert: 09.02.2020, 12:45 Uhr
Anne Tovar bietet in ihrem Körnerladen auch Lebensmittel „ohne Drumherum“ an. Aus großen Vorratsgläsern werden Getreide und Körner in der vom Kunden gewünschten Menge abgewogen.
Anne Tovar bietet in ihrem Körnerladen auch Lebensmittel „ohne Drumherum“ an. Aus großen Vorratsgläsern werden Getreide und Körner in der vom Kunden gewünschten Menge abgewogen. Foto: privat (1), Rebecca Lek (2), Joke Brocker (1)

Der Konsument hat Macht, findet Anja Mienhorst . Die Diätassistentin und Meeresbiologin aus Münster weiß, wovon sie spricht, gründete sie doch vor einigen Jahren den ersten Unverpackt-Laden in Münster. Ihre Antwort auf die Plastikflut.

Doch was ist Plastik überhaupt? Kunststoffe werden aus natürlichen Materialien wie Cellulose, Kohle, Erdgas, Salz und Erdöl durch einen Polymerisierungs- oder Polykondensationsprozess hergestellt. „Poly“ bedeutet auf Griechisch „viel“, denn Plastik besteht in der Regel aus vielen kleinen, miteinander verknüpften chemischen Bausteinen.

Wirklich recyclen kann man Plastik nicht. Eigentlich downcycelt man nur.

Anja Mienhorst

Das Problem: Plastik ist nicht biologisch abbaubar und zerfällt über Tausende von Jahren wieder in die kleinsten Teile, wie Mienhorst weiß. „Wirklich recyclen kann man Plastik nicht. Eigentlich downcycelt man nur“, sagt die Meeresbiologin „und das bei maximal bei 30 Prozent des gesamten Kunststoffmülls, der Rest wird verbrannt.“ „Plastik vergeht nicht“, stellt Mienhorst klar, die jetzt im Haus der Familie einen Vortrag zum Thema plastikfreies Einkaufen hielt.

Rund zehn Millionen Tonnen an Abfällen werden jährlich in die Ozeane gespült. Zum einem durch die Plastikverpackungen, zum anderen aber auch durch die Inhaltsstoffe. „Viele Kosmetikprodukte und Zahnpastasorten enthalten Mikroplastik. Mit jeder Nutzung gelangt davon etwas über den Abfluss in die Gewässer“, weiß Mienhorst. Die einzige Möglichkeit ist auf solche Produkte zu verzichten sei es die Produzenten dadurch unter Druck zu setzen. „Der Konsument hat Macht“.

Auf Plastik im Alltag zu verzichten ist ein Trend, der auch in Warendorf festzustellen ist. Beispiel: Biohof Schulze-Schleppinghoff in Freckenhorst. Die meisten Verpackungen hier bestehen aus Glas und Papier. Backwaren, Käse, Wurst und Fleisch sind an der Frischetheke erhältlich. Der Familienbetrieb arbeitet schon seit Jahrzehnten auf diese Art und Weise. „Wir wollten ganzheitlich nachhaltig Landwirtschaft betreiben“, erzählen Werner Suntrup und Christian Schulze-Schleppinghoff. Das Geschäft sei jedoch nicht einfach gewesen, da Bioprodukte unter hohen Auflagen produziert würden und einen anderen Preis hätten als konventionell hergestellte Lebensmittel. „Andere Lebensmittel sind einfach zu billig“, erklärt Inhaber Christian Schulze-Schleppinghoff.

Lebensmittel machen Lebensqualität aus.

Johanna Austermann

Das sieht auch Johanna Austermann so. „Lebensmittel machen Lebensqualität aus“, findet die junge Unternehmerin und ärgert sich: „Es gibt kaum andere Länder, in denen Lebensmittel so günstig sind.“ Ihr Familienbetrieb hat neben dem frischen Gemüse und der Frischetheke, auch auf unverpackte Lebensmittel gesetzt. Aus insgesamt 40 Schütten können sich die Kunden Nudeln, Mehr, Nüsse, Kaffeebohnen und noch vieles mehr in Mehrwegbehälter abfüllen.

Seit dem letzten Winter hat der Hof Austermann zudem eine weitere Sparte eingeführt. Waschmittel, Spülmittel und Seifen lassen sich nämlich ganz einfach selber herstellen. „Bei uns kann man jetzt die Bestandteile dafür kaufen und bekommt auch ein genaues Rezept. Gerade zu Weihnachten lief das Geschäft sehr gut“, erzählt Johanna Austermann. Ganz auf Plastik verzichtet der Betrieb allerdings nicht. „Umweltfreundlich denken bedeutet für uns auch, Altbestände aufzubrauchen. Es wäre Verschwendung beispielsweise alle Schüsseln wegzuwerfen und zu ersetzen. Muss etwas Neues angeschafft werden, achten wir dann aber natürlich darauf, dass es umweltfreundlich ist“, so Austermann weiter. Eine große Herausforderung für den Betrieb ist der geschälte Spargel. „Wir brauchen etwas, das umweltfreundlich aber auch praktikabel ist. Wenn die restlichen Plastikverpackungen aufgebraucht sind, haben wir eine Alternative mit Papiertüten gefunden, die Nässe aushalten sollen.“

Wo immer es möglich ist, versucht auch Anne Tovar, Inhaberin des Körnerladens in der Freckenhorster Straße, Plastikbeutel durch Tüten aus Papier zu ersetzen. Leider sei das (noch) nicht immer möglich, bedauert sie. Knusprige Cornflakes beispielsweise würden in Papiertüten schnell weich.

Ware, die bei Tovar in großen Säcken gelagert wird, kann in Gefäße von Zuhause abgefüllt werden. Auch loser Tee wird aus großen Dosen direkt in mitgebrachte Behältnisse umgefüllt. Um der wachsenenden Nachfrage der Kunden nach unverpackten Waren gerecht zu werden, gibt es im Körnerladen inzwischen außerdem ein Ohne-Drumherum-Regal. Darin befinden sich große Gläser mit Getreide, Körnern oder Hülsenfrüchten, die dann, entsprechend der Kundenwünsche, direkt in mitgebrachte Dosen oder Gläser abgefüllt werden. Ein Unverpackt-Einkauf macht Arbeit. „Ein unverpackter Einkauf erfordert definitiv mehr Planung. Ich muss wissen, was ich in welcher Menge kaufen möchte und entsprechende Behältnisse mitnehmen“, betont Mienhorst als Expertin. Eine Alternative zu Unverpacktläden sind nach Ansicht Mienhorsts immer das Lokale oder Regionale: „Landwirte vor Ort oder der Wochenmarkt sind immer Gelegenheit, bewusst einzukaufen“. Wichtig sei es nur, dass man reagiere und handele. Nach dem Motto: Die Handlung jedes Einzelnen zählt.

Ein unverpackter Einkauf erfordert definitiv mehr Planung. Ich muss wissen, was ich in welcher Menge kaufen möchte und entsprechende Behältnisse mitnehmen.

Anja Mienhorst
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