150. Galeriekonzert: „Noah-Quartett“ entfesselt musikalischen Sturm
Draußen Sabine, drinnen Beethoven

Warendorf -

Wer dem Sturm trotzte und am Sonntagabend den Weg zum 150. Galeriekonzert fand, wurde mit einem fulminanten Hörgenuss belohnt: Das Noah Streichquartett aus Hamburg bot Kammermusik auf höchstem Niveau.

Dienstag, 11.02.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 11.02.2020, 15:18 Uhr
Das Noah-Quartett: Alexandra Psareva, Michael Stürzinger (2. Violine), Erik Wenbo Xu (Viola) und Bettina Barbara Bertsch (Violoncello) starteten mit Beethovens c-moll-Quartett op. 18 Nr. 4, einem „frühen“ Werk des vor 250 Jahren geborenen Komponisten.
Das Noah-Quartett: Alexandra Psareva, Michael Stürzinger (2. Violine), Erik Wenbo Xu (Viola) und Bettina Barbara Bertsch (Violoncello) starteten mit Beethovens c-moll-Quartett op. 18 Nr. 4, einem „frühen“ Werk des vor 250 Jahren geborenen Komponisten.

Ein besonderes Konzerterlebnis bot sich dem Publikum beim 150. Galeriekonzert am Sonntagabend im Sophiensaal. Während draußen Sturmtief „Sabine“ heranrückte und wohl auch den einen oder anderen potenziellen Zuhörer zu Hause festhielt, wurde drinnen Kammermusik auf höchstem Niveau geboten. Das Noah-Streichquartett aus Hamburg spielte Beethoven und entfesselte musikalisch einen Sturm, der den gesamten Saal in Atem hielt.

Zu Beginn wandte sich Alexandra Psareva (1. Violine) an das Publikum. Sie dankte den Anwesenden für ihr Kommen mit den Worten „Sie sind die Helden – die klassische Musik hat gewonnen“. Alexandra Psareva, Michael Stürzinger (2. Violine), Erik Wenbo Xu (Viola) und Bettina Barbara Bertsch (Violoncello) starteten mit Beethovens c-moll-Quartett op. 18 Nr. 4, einem „frühen“ Werk des vor 250 Jahren geborenen Komponisten.

Vom ersten Takt an zogen die vier Musiker mit ihrem warmen, überaus präsenten Quartettklang das Auditorium in ihren Bann. Kontrastreich und lebendig wurde der 1. Satz präsentiert. Im 2. Satz (Andante scherzoso) zeigte das Ensemble, wie man mit verhaltenem sotto voce-Spiel lange Spannungsbögen gestalten kann – vorausgesetzt, man verfügt über ein solch‘ traumwandlerisches Zusammenspiel wie das Noah Quartett.

Insgesamt wurde dieses sehr „klassische“ c-moll-Werk in keinem Moment als leichtgewichtiges Eröffnungsstück interpretiert.

Es folgte das dritte der sogenannten Rasumowsky-Quartette (C-Dur op. 59 Nr.3) aus Beethovens mittlerer Schaffensperiode. Hier sind die technischen Anforderungen an die Spieler immens gesteigert. Die atemberaubenden Passagen nicht nur der 1. Violine meisterten die vier Musiker jedoch wie „nebenher“ und stellten so Beethovens bisweilen sehr eigenwillige „Gedanken“ in den Vordergrund.

Im 2. Satz ließ das Cello mit betörenden Pizzicato-Klängen aufhorchen. Mit dem 4. Satz – einer Fuge in rasantem Tempo – brach dann der ultimative Orkan los. Beethoven will mit diesem Satz extreme Ausdrucksbereiche ausloten und das Noah Quartett setzte diese Absicht eins zu eins um. Bemerkenswert dabei, wie unprätentiös die Vier ihre stupende Technik einsetzten: niemals stand ihre Virtuosität als Selbstzweck im Vordergrund. Das cis-moll-Quartett op. 131 aus dem Jahr 1826 stellt allerhöchste Ansprüche sowohl an die Spieler als auch an die Zuhörer. Richard Wagner deutete das Werk mit seinen sieben Sätzen bildhaft als Tagesablauf des Menschen Beethoven vom „Erwachen am Morgen“ bis zum Abend: „So winkt ihm die Nacht. Sein Tag ist vollbracht“.

Die verschiedensten Tonarten und Stimmungen werden durchmessen. Kompromisslos und mit großer Spannung gestaltete das Noah Quartett dieses Werk: oft eine quasi reduzierte Musik, die sich auf das Wesentliche beschränkt und von daher nicht gerade leicht „konsumierbar“ ist.

Der anhaltende Beifall und die Tatsache, dass soeben zum 150. Mal ein „Galeriekonzert“ stattgefunden hatte, veranlassten das Noah Quartett zu einer Zugabe. Cellistin Bertsch dankte Reinhold Schoppmann (Vater der Galeriekonzerte) für seine unermüdliche Arbeit und perfekte Organisation. Diese seien lebenswichtige Voraussetzung für das Wirken klassischer Kammermusik-Ensembles. Als weiteres Werk von Beethoven erklang darauf der 3. Satz aus dem letzten Quartett des Meisters (op. 135): ein ergreifender Gesang in Des-Dur, der fast tonlose Passagen einerseits und emotional aufgeladene Melodik andererseits einschloss.

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