Vortrag zu Vincent van Gogh
Suizid aus Nächstenliebe?

Warendorf -

Interessante Details aus dem Leben des Malers Vincent van Gogh präsentierte Christian Heeck seinen Zuhörern im Theater am Wall.

Donnerstag, 13.02.2020, 08:53 Uhr aktualisiert: 13.02.2020, 17:38 Uhr
Christian Heeck, Ursula De Rooy und Frank Büning widmeten sich dem Leben und Schaffen des Künstlers Vincent van Gogh..
Christian Heeck, Ursula De Rooy und Frank Büning widmeten sich dem Leben und Schaffen des Künstlers Vincent van Gogh.. Foto: Rebecca Lek

Die Vorträge von Christian Heeck erfreuen sich jedes Jahr großer Beliebtheit. Nicht verwunderlich also, dass die Volkshochschule gemeinsam mit dem Kunstkreis Warendorf auch für 2020 eine Veranstaltung geplant hat.

Am Dienstagabend hielt der Münsteraner Kunstvermittler im Dachtheater des Theater am Wall einen Kunstvortrag über den Maler Vincent van Gogh anlässlich der Frankfurter Ausstellung „Making van Gogh – Geschichte einer deutschen Liebe“. Bei seinem kurzweiligen Vortrag widmete sich Heeck auch den Einfluss auf die nachkommenden Maler.

Geheimnisumwitterte Freundschaft

Bevor er aber zu der Ausstellung an sich kam, nahm er das Leben des Künstlers aufs Korn. Er widmete sich hier insbesondere der Beziehung zu seinem jüngeren Bruder Theo, der zu Lebzeiten des Künstlers für seinen Lebensunterhalt aufkam und seinem Idol Paul Gauguin. Die Freundschaft, die Gauguin und van Gogh verband ist geheimnisumwittert, denn obwohl viele Historiker diese erforschten, handelt es sich größtenteils um Vermutungen. Gauguin beschrieb seinen Kollegen als „unordentlich“ und später als „Künstler der nicht richtig tickt“. Weihnachten 1888 trennen sich ihre Wege und van Goghs Gemälde um sein abgeschnittenes Ohr, das daraus resultierte sollte, unvergessen bleiben.

Geradezu schwärmerisch beschrieb Heeck die komplementären Farbkontraste die van Gogh in seinen Werken nutzt und seine Wahl von nur einem Fluchtpunkt im Bild. „Van Gogh war ein leidenschaftlicher und schneller Maler“, erzählte der Kunstvermittler. Trotz seiner Genialität sei der Maler jedoch nicht zu abstrakter Kunst in der Lage gewesen, sondern brauchte immer ein Modell. Eines seiner Liebsten: Er selbst. 35 seiner 864 Gemälde zeigen ihn. Eine weitere Leidenschaft des Künstlers waren verschiedene Bildebenen. „Perspektivische Darstellung hatte der drauf“, beschrieb Heeck.

„Ohne van Gogh gäbe es keinen deutschen Expressionismus

Bei der Frankfurter Ausstellung, die nur noch bis zum 16. Februar andauert, handelt es sich um die größte deutsche Ausstellung rund um van Gogh seit gut 20 Jahren. Hierbei geht es nicht nur um die eigene Kunst von van Gogh, sondern auch um seinen Einfluss auf die nachfolgende Generation. Denn Christian Heeck ist sich sicher: „Ohne van Gogh gäbe es keinen deutschen Expressionismus“. Als Beweis führte er die zahlreichen Besucher seines Vortrags virtuell durch einige Räume der Ausstellung und zeigte beispielhaft Bilder, aus denen der Einfluss van Goghs deutlich wurde.

Zum Ende seines Lebens änderte sich auch der Stil des Künstlers: Spiralförmige Malerei, als wenn „sein Leben flirrend ausklingt“ – so die allgemeine Meinung. Heeck sah den Wandel differenzierter. „Er war kein einfacher, aber ein belesener Mann. Er merkte, dass sich alles umeinander dreht und brachte dies in seinen Bildern zum Ausdruck. Er wollte glaubhaft lebendig malen.“

Über die genauen Gründe seines Ablebens spekulieren die Historiker ebenso wie über seine Zerwürfnis mit Gauguin. Christian Heeck vertrat die Meinung, dass van Gogh seinen Suizid als einen Akt der Nächstenliebe gesehen habe. Sein Bruder Theo, der stets für ihn finanziell eingestanden hatte, hatte mittlerweile eine eigene kleine Familie und Geld nötig. „Ein toter Künstler verkauft sich besser“, meinte Heeck und spielte darauf an, dass Theo, der im Besitz der meisten Kunstwerke des Bruders war, dadurch bessere Preise erzielen würde. Eine These, die zumindest unter den Zuschauern noch recht unbekannt war.

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