27-jähriger Drogenabhängiger zur Therapie verurteilt
Verlorene Rechnung lässt Einbrecher auffliegen

Warendorf -

Der 27-jährige Russe, der bei seinem Großeltern in Sassenberg sozialen Halt finden soll, hat ein langes Vorstrafenregister: Einbrüche und Diebstahl. Immer wieder sind Drogen im Spiel. Kokain, Cannabis, Ecstasy und Alkohol gehören zum Alltag. Bereits im jungen Alter von elf Jahren, so das ärztliche Gutachten, nimmt er erstmals Cannabis, das er seinem drogenabhängigen Vater stiehlt. Regelmäßiger Konsum mit 13. Mit 14 kommt Alkohol (Wodka) dazu. Versuche, unter ärztlicher Kontrolle und der Gabe von Methadon aus dem Drogenkreislauf herauszukommen, scheitern. Er gerät auf die schiefe Bahn. Erneut Einbrüche, tätliche Angriffe und verbale Wutattacken. Das Urteil des Warendorfer Schöffengerichts unter Vorsitz von Richterin Ines Pielemeier gleich vorweg: Zwei Jahre und drei Monate Haft. Mit der Chance auf eine Therapie.

Donnerstag, 13.02.2020, 17:08 Uhr aktualisiert: 13.02.2020, 21:18 Uhr

Der 27-jährige Mann, in Kasachstan geboren, in Deutschland aufgewachsen und seit fünf Monaten in Untersuchungshaft, ist geständig. Er räumt den Wohnungseinbruch in Münster, den Diebstahl von Turnschuhen aus einem Schuhgeschäft in Warendorf und der anschließenden Verfolgungsjagd ein, bei der er einen Mann mit dem Messer bedroht hat. Ebenso den tätlichen Angriff mit einem Besenstiel auf einen Mann in Warendorf, der dadurch zwei Zähne verlor und die verbalen Entgleisungen, Spuckattacken und Beleidigungen („Waschlappen, Schlampen, A...löcher...“) gegenüber Polizeibeamten bei der Festnahme. Noch im Gerichtssaal entschuldigt sich der Mann für sein unflätiges Verhalten bei einem Polizeibeamten. „Ansonsten ist er ein feiner Kerl“, betont seine Verteidigerin, diese „fiesen Ausraster“ habe ihr Mandant immer, wenn er auf Entzug sei. Das Urteil des Schöffengerichts unter Vorsitz von Richterin Ines Pielemeier nach vierstündiger Verhandlung: Zwei Jahre und drei Monate Haft. Das Urteil lag damit unter dem Strafmaß des Staatsanwaltes, der eine feste Unterbringung in einer Entziehungsanstalt (§64 Strafgesetzbuch) gefordert hatte. Das Gericht hielt sich an das ärztliche Gutachter: Therapie statt Haft. Der junge Mann hat im April einen Therapieplatz in Aussicht. Bis dahin bleibt er in Haft. Sollte er die anschließende Therapie erfolgreich beenden, wird ihm die Haft erlassen. Die Zeit der Untersuchungshaft wird angerechnet. Wäre das Gericht dem Staatsanwalt gefolgt, hätte der Verurteilte, mindestens zwei Jahre in einer „geschlossenen Entziehungsanstalt“ verbringen müssen – andernfalls zurück in den Knast gemusst und dort seine Strafe absitzen. Aufgrund seiner Drogenabhängigkeit wurde dem 27-Jährigen in allen Fällen eine verminderte Schuldfähigkeit zugesprochen. Der Russe, der bei seinem Großeltern in Sassenberg sozialen Halt finden soll, hat ein langes Vorstrafenregister: Einbrüche und Diebstahl. Immer wieder sind Drogen im Spiel. Kokain, Cannabis, Ecstasy und Alkohol gehören zum Alltag. Bereits im jungen Alter von elf Jahren, so das ärztliche Gutachten, nimmt er erstmals Cannabis, das er seinem drogenabhängigen Vater stiehlt. Regelmäßiger Konsum mit 13. Mit 14 kommt Alkohol (Wodka) dazu. Versuche, unter ärztlicher Kontrolle und der Gabe von Methadon aus dem Drogenkreislauf herauszukommen, scheitern.

Es ist der 11. September 2019, als der junge Mann wie er selbst angibt, nach der Einnahme von Kokain, Methadon und Pillen, spontan beschließt, in eine Wohnung in Bahnhofsnähe in Münster einzubrechen. Zwei Tage lang war mit einem Freund aus Einen-Müssingen um die Häuser gestrichen, E-Scooter gefahren und wieder voll auf Drogen gewesen. Zunächst gibt er an, alleine über ein auf Kipp stehendes Fenster in die Wohnung im Hochparterre eingebrochen zu sein. Doch die Beute, zwei Koffer und eine Tasche voller Diebesgut im Wert von 6000 Euro lassen darauf schließen, dass er nicht alleine war. Der Geschädigte, der damals mit seiner Lebensgefährtin im Schlafzimmer schlief, sagt vor Gericht aus, dass die physische Belastung seit des Einbruchs sehr groß sei. Seine Freundin habe nicht mehr in der Wohnung schlafen können, sie sei bei dem kleinsten Geräusch aufgeschreckt. Zwar sei ein Großteil des Diebesgutes wieder aufgetaucht, verschwunden blieben aber ein teurer Cartier-Ring, ein Erbstück, und die Autoschlüssel. Noch im Gerichtssaal fragt er den Angeklagten, ob er Angst haben muss, dass der zweite Täter eines Tages vor seiner Tür steht. Der Angeklagte verneint dies. Dass die Polizei dem Mann auf die Spur gekommen war, ist einem dummen Zufall zu verdanken. So hatte der Mann beim Einbruch eine Rechnung mit Anschrift, Kostenübernahme durch den LWL, verloren. Dem Wohnungseigentümer fiel dieser Zettel erst einen Tag später auf. Er wollte mal sehen, wo der Einbrecher wohnt – und sieht ihn prompt mit der geklauten Reisetasche. Er alarmiert die Polizei, die ein Großteil des Diebesgutes sicherstellt.

„In den eigenen vier Wänden nach dem Einbruch nicht mehr sicher zu sein, ist eine große physische Belastung“, wendet sich die Richterin an den 27-Jährigen. Nicht billigen könne sie auch sein verbales Verhalten gegenüber den Polizeibeamten: „Das ist eine echte Zumutung.“

Der Angriff mit einem Besenstiel auf einen Mann in einer Wohnung in Warendorf, wurde nicht weiter verfolgt. Zum Leidwesen des geschädigten Mannes und seiner Frau, die vor Gericht als Zeugen aussagten. Nachts seien sie vom Angeklagten, den sie kannten, und zwei weiteren, unbekannten Russen heimgesucht worden. Während der Angeklagte ihn mit einem Besen beworfen und der Holzstiel ihn im Gesicht getroffen hatte, habe ein anderer Mann ihn an der Wohnungstür zusammengeschlagen.

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