Landestheater Detmold spielt „Alte Liebe“
Zufriedenheit contra Lebenslust

Warendorf -

Lore und Harry sagen sich längst nicht alles. Seit 40 Jahren sind sie verheiratet. „Der Mann ist so leicht zufriedenzustellen“, regt Lore sich über Harry auf. „Ich brauche mehr.“

Donnerstag, 27.02.2020, 16:18 Uhr aktualisiert: 28.02.2020, 16:52 Uhr
Nach 40 Ehejahren ist es sichtlich Zeit für Lore und Harry, ihre Beziehung einmal auf den Prüfstand zu stellen.
Nach 40 Ehejahren ist es sichtlich Zeit für Lore und Harry, ihre Beziehung einmal auf den Prüfstand zu stellen. Foto: Beate Trautner

Endlich gab es die Komödie „Alte Liebe“ im Theater am Wall zu sehen. Im Januar musste die Vorstellung ausfallen, sie wurde nun am Mittwoch nachgeholt. Zum Glück!

Die Komödie aus der Feder von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder präsentierte sich mit Witz und gelungenen Dialogen, aber auch tiefsinnigen ernsten Momenten. So wird „Alte Liebe“ zum gelungenen Versuch einer literarischen Paartherapie.

Die Inszenierung von Jan Steinbach zeigt sich mit einem Bühnenbild, in dem es nichts Überflüssiges gibt – alles, was da ist, wird auch bespielt. Die Protagonisten des Zwei-Personen-Stücks, Kerstin Klinder als Lore und Jürgen Roth als Harry, spielen überzeugend und bodenständig. Einfach sehr authentisch.

Die Geschichte ihrer Ehe spielen sie auf zwei verschiedenen Ebenen – aus dem direkten Spiel wechseln sie zwischendurch in eine Erzähl-Ebene. Denn Lore und Harry sagen sich längst nicht alles. Dem Zuschauer gegenüber brauchen sie hingegen kein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Lore und Harry sind seit 40 Jahren verheiratet. Harry genießt seinen Ruhestand und ist zufrieden mit dem, was er hat. Lore ist Bibliothekarin und hat immer Hunger nach Literatur, Schönheit und Musik. „Der Mann ist so leicht zufriedenzustellen“, regt Lore sich über Harry auf. „Ich brauche mehr.“

Aber was sie genau braucht und was sie genau möchte, kann sie nicht benennen. Ein emotionaler Mix aus Nähe und Distanz, Eifersüchten, Erwartungen, Ängsten und Vorwürfen begleitet die beiden auf ihrem Weg. Am Anfang weichen sie ernsten Themen aus, aber dann beginnen Lore und Harry eine schonungslose und ehrliche Reflexion über ihre Ehe und kommen sich am Ende wieder nahe.

Und das Publikum amüsiert sich dabei köstlich. Aber vielleicht ist es auch ein selbst erkennendes Lachen, denn viele Situationen könnten die Zuschauer auch aus eigener Erfahrung kennen.

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