Pastoralreferent Ulrich Hagemann startet Solidaritätsaktion
Zusammenhalt trotz Coronavirus

Warendorf -

Die Idee war schnell geboren. Als Ulrich Hagemann immer öfter las, dass das Coronavirus gerade bei älteren Menschen einen schweren Verlauf nehmen kann und diese Personengruppe zu schützen ist, stand für den Pastoralreferenten der Pfarrei St. Laurentius in Warendorf fest: „Wir müssen helfen.“ Der 39-Jährige gründete kurzerhand bei Facebook die Gruppe „Warendorfer helfen Warendorfer“, die innerhalb 48 Stunden auf rund 450 Mitglieder gewachsen ist.

Montag, 16.03.2020, 15:56 Uhr aktualisiert: 17.03.2020, 12:36 Uhr
„Brauchen Sie Hilfe?“
„Brauchen Sie Hilfe?“ Foto: Joachim Edler

Statt zum Schoko-Hasen hat Ulrich Hagemann zum reduzierten Schokoladen-Nikolaus im Lebensmittelmarkt an der Ecke gegriffen. Der sei zwar nur noch bis März haltbar, aber Schokolade gehe in diesen Zeiten immer, lacht der Pastoralreferent der katholischen Pfarrgemeinde St. Laurentius, um dann aber wieder ernst zu werden: „Das Coronavirus verändert unseren Alltag immer mehr“, sagt Hagemann. Gerade ältere Mitbürger und Menschen mit Vorerkrankungen seien besonders hart getroffen, weil ihnen geraten werde, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen, um eine Ansteckung möglichst zu vermeiden.

Damit die älteren und kranken Menschen nicht ihrem Schicksal überlassen bleiben, hatte Hagemann die spontane Idee, eine Solidaritätsaktion in der Facebook-Gruppe „Die bist Warendorfer, wenn . . .“ zu starten. Das war am Freitag. Stand Montagmorgen gab es bereits 450 Follower, hatten sich über das Wochenende viele Helfer in der eigenen Facebook-Gruppe „Warendorfer helfen Warendorfern“ zusammengefunden. Darunter 40, die zum harten Kern der Gruppe gehören und Botendienste oder Einkäufe übernehmen möchten. „Wir sind eine schlagkräftige Truppe und warten aktuell auf Aufträge, um Menschen aus der Risikogruppe den Gang zum Supermarkt oder zur Apotheke abzunehmen.“ Diese Helfer machen das ehrenamtlich, ohne finanzielle Gegenleistung – und sie waren bereit, erzählt der Pastoralreferent weiter, in Zeiten des Datenschutzes, eine Kopie ihres Ausweises abzugeben, um jeglichen Missbrauch (Enkeltrick) vorzubeugen. In der Regel strecken die Helfer das Geld für den Einkauf vor. Sie können sich an der Haustür identifizieren. Gezahlt werden muss nur, was auf dem Kassenbon steht. Damit das Ganze keinen falschen Zungenschlag bekommt: „Wir sind nicht dazu da, das Döner-Taxi zu ersetzen.“

Mit Patrick Brummel fand der Pastoralreferent schnell einen Mitstreiter für die Solidaritätsaktion. Beide stellen ihre Handynummern zur Verfügung, um die Botendienste koordinieren zu können. Schnell und unbürokratisch hatten die Werbeagenturen „Geistreich“ und „Pilotfisch“, als sie im Internet von der Aktion erfuhren, ihre Hilfe angeboten und Flyer gedruckt. Hagemann ist beeindruckt ob der Hilfsbereitschaft. Und er weiß: Fettmarkt, Karneval – der Warendorfer feiert gern. Auch in Krisenzeiten füreinander dasein – das sei ein solidarisches Zeichen. „Es gibt immer noch Menschen, die Tür an Tür in einem Mehrfamilienhaus leben, sich aber gar nicht kennen.“ Die Krise dürfe nicht zu Panik, Isolation und Hilflosigkeit führen. Zusammenhalt trotz Coronavirus. Unabhängig von der Aktion, findet der Pastoralreferent: „Wenn alle Menschen auf der Welt zwei Wochen zu Hause bleiben würden, wäre Corona gegessen.“

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