Erstes Warendorfer Papiertheaterfestival
Eine leidenschaftliche Welt

Warendor -

Am Ende kam doch der Abbruch: Nach drei Vorstellungen musste Veranstalterin Magdalena Oxfort vom Westpreußischen Landesmuseum dem Publikum die Anordnung des Ordnungsamtes überbringen, dass das erste Warendorfer Papiertheaterfestival selbst im als privat erklärten Rahmen wegen der Corona-Gefahr nicht mehr stattfinden dürfe

Dienstag, 17.03.2020, 18:51 Uhr aktualisiert: 17.03.2020, 19:00 Uhr
Die Premiere bestritten Beate Trautner und Ulrich Vetter (l.) in der Galerie Kronenberg mit einer Adaption von Hänsel und Gretel, in der Mäuse, konstruiert von Manfred Kronenberg, die Rolle der Menschen übernahmen. Eine Oper in historischer Kulisse präsentierte Hans-Günter Papirnik (gr. Foto).
Die Premiere bestritten Beate Trautner und Ulrich Vetter (l.) in der Galerie Kronenberg mit einer Adaption von Hänsel und Gretel, in der Mäuse, konstruiert von Manfred Kronenberg, die Rolle der Menschen übernahmen. Eine Oper in historischer Kulisse präsentierte Hans-Günter Papirnik (gr. Foto). Foto: Ulrike von Brevern

. Der zweite Teil am kommenden Wochenende fällt komplett aus. Die Mitteilung traf auf großes Bedauern, wirkte der kurze, aber abwechslungsreiche Blick in die liebenswürdige Welt der Papiertheatermacher doch wie ein Virus und verlangte beim Publikum nach mehr.

Manfred Kronenberg , Inhaber der Galerie KronenbergKunst und treibende Kraft hinter der Festivalidee, ist bekennender Papiertheaterfan mit ansteckender Wirkung. Zwei der drei Bühnen, die zu sehen waren, hatte er mit großer Leidenschaft selbst ausgestattet. Seine Kontakte in die Szene sorgten dafür, dass neben einer heimischen Produktion rund um Theatermacherin Beate Trautner zwei erfahrene Papiertheaterenthusiasten aus Essen und dem Bergischen Land erahnen ließen, wie breit die Möglichkeiten dieser kleinen Theaterform sind. „Es gibt bei diesen Theatern nichts, was es nicht gibt“, hatte Kronenberg am Premierenabend geschmunzelt. Und die Theatermacher erwiesen sich als begierig, dem jeweils rund 20-köpfigen Publikum pro Vorstellung auch einen Einblick in die Welt hinter den Kulissen zu geben.

Das Papiertheater geht auf die bildungsbürgerliche Theaterleidenschaft vor rund 200 Jahren zurück, erläuterte Hans-Günter Papirnik, im wahren Leben Sonderschullehrer aus Essen. Die Theaterbesucher damals wollten die Familie, besonders auch die Heranwachsenden, an dem kulturellen Erlebnis teilhaben lassen. So produzierten Bilderbogenverlage eigens Figuren und Kulissen, mit denen die Stücke nachgestellt werden konnten. Papirnik entführte mit seinem „Abu Hassan“ nach einer Oper von Carl Maria von Weber in einer solchen historischen Kulisse in die Welt der Märchen von Tausend und einer Nacht.

Während sich der Essener in seinem selbstkonstruierten Theaterwagen auf die Figurenführung konzentrierte, weil Text und Musik – letztere als historischer Livemittschnitt der Oper vom 19. Dezember 1944 in Berlin – fertig vorproduziert aus dem Lautsprecher kam, mussten Beate Trautner und ihr Spielpartner Ulrich Vetter alles gleichzeitig im Griff behalten: Text, Figuren, Kulissenschieben, und dabei immer schon an die nächste Szene denken, erklärte Vetter. „Das ist wirklich sehr komplex“, gab eine erleichterte Beate Trautner nach der gelungenen Premiere des von ihr verfassten Stücks „Hans und Greta“ – einer modernen Adaption des Märchens von Hänsel und Gretel – zu.

Die Akteure bespielen das Theater aus ungewohnter Perspektive: Nicht nur die Figuren, auch die Kulissen sind für sie ausschließlich von hinten zu sehen. Um die Figuren richtig zu führen, greift Papirnik zu einem Trick: Die langen Führungsstangen seiner Schauspieler enden in Korken, die mit Richtungspfeilen markiert sind. Trautner und Vetter dagegen setzten ihre griffigen Figuren mit der Hand. Peter Schauerte-Lüke aus Wipperfürth, der in einem von Kronenberg konstruierten „Globe-Theatre“ Shakespeare gab, arbeitet mit einer anderen Technik: Er spielt die Figuren mit kurzen Griffstangen, dafür aber von der Seite des Theaters aus, dabei rezitiert, singt und musiziert er live. Unterdessen bestückt Massimo Schauerte-Lüke von hinten die kleine Drehbühne im Zentrum des Theaters mit den nächsten Szenenbildern.

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