Versorgung mit Aufgaben läuft / Jetzt muss jeder die Situation verpacken
„Das war‘s - nach zwölf Jahren Schule“

Warendorf -

Gespenstische Ruhe herrscht rund um das Warendorfer Mariengymnasium. Diese Schule steht stellvertretend für all die anderen Schulen, die zwar schon am Montag geschlossen haben aber seit Mittwoch dann komplett auch für die Lehrerschaft die Tore dicht gemacht haben. Damit leisten sie der länderübergreifenden Anordnung auf Schließung von Schulen und Kitas inmitten der Corona-Krise Folge.

Gearbeitet wird aber trotzdem.

Donnerstag, 19.03.2020, 10:10 Uhr aktualisiert: 19.03.2020, 10:30 Uhr
Gespenstische Leere herrscht gestern Morgen vor und in dem Mariengymnasium. Ebenso sieht es an den anderen Schulen in der Stadt aus.
Gespenstische Leere herrscht gestern Morgen vor und in dem Mariengymnasium. Ebenso sieht es an den anderen Schulen in der Stadt aus. Foto: Monika Vornhusen

Türen und Fenster sind geschlossen- gespenstische Ruhe herrscht rund um das Warendorfer Mariengymnasium. Diese Schule steht stellvertretend für all die anderen Schulen, die zwar schon am Montag geschlossen haben aber seit dem gestrigen Mittwoch dann komplett auch für die Lehrerschaft die Tore dicht gemacht haben. Damit leisten sie der länderübergreifenden Anordnung auf Schließung von Schulen und Kitas inmitten der Corona-Krise Folge.

Gearbeitet wird aber trotzdem. Das können fünf Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrgangs des MGW bestätigen, deren Namen der Redaktion bekannt sind. Denn sie sitzen täglich am PC und lernen nun erst einmal das Pensum für die aktuell laufenden zwei Wochen vor den Osterferien, in denen dann die Vorbereitung für die eigentlichen Abi­prüfungen ansteht. Diese starten direkt nach den Osterferien mit den Leistungskursklausuren. Mit Stand gestern steht der Termin bislang noch.

Und wie läuft die Arbeit jetzt? Über den Office Account 365 haben Schüler und Lehrer am MGW in der Vergangenheit bereits gearbeitet – allerdings in ganz unterschiedlicher Ausprägung. „Das hing immer etwas von den jeweiligen Lehrern ab, doch gerade für Gruppenarbeiten konnte man sich darüber gut austauschen“, erläutert eine Abiturientin aus Warendorf. Auf jeden Fall hatten sämtliche Schüler und Lehrer an der Schule schon lange vor Corona eine schuleigene Mail-Adresse. Eigens für die neue Lernsituation seien jetzt auch neue sogenannte Mi­crosoft-Teams für die Schüler eingerichtet worden, und zwar für die Abiturienten dann auch für ihre aktuell laufenden Kurse. „Hierüber bekommen wir jetzt Aufgaben – und das nicht zu knapp.“ Wie man sich das vorstellen muss?

Egal, ob es ein Grundkurs in Englisch, Sozialwissenschaften, Religion, Kunst oder Sport ist – Aufgaben sind für all diese Fächer zu erledigen. Wie das für das Fach Sport zum Beispiel funktioniert? Da muss dann kurzerhand eine Anleitung für ein Workout-Programm erstellt werden und das mit eigener Videoanleitung.

Für die Abiturienten ist das noch ein echter Batzen Arbeit. Denn die Aufgaben sollen nicht nur stichpunktartig bearbeitet werden, es werden durchaus auch umfangreiche ausformulierte Analysen und Bearbeitungen verlangt. „Da das Halbjahr für den Abiturjahrgang so kurz ist, müssen die Lehrer eine Bewertungsgrundlage für uns haben“, so wurde es den Schülerinnen und Schülern erklärt.

Grundsätzlich funktioniere das alles technisch recht gut. Allerdings müsse man schon aufpassen, dass man auch alle gestellten Aufgaben tatsächlich mitbekomme, da diese die Schüler über verschiedene Kanäle erreichen können. Denn dazu werde entweder der Weg über direkte E-Mails an die einzelnen Schülerinnen und Schüler oder über die Microsoft Teams oder eben über den Office Account 365 gewählt.

Was die Vorbereitung auf die Abiklausuren betrifft, so haben die Lehrer ihren Abi­jahrgang mit dem so plötzlichen letzten Schultag am Freitag beruhigt. „Wir haben alles Wichtige schon jetzt fertig, was für die Abiturklausuren nötig ist. Jetzt müsst ihr euch selber vorbereiten. Das Material dazu habt ihr“, gaben die Lehrer dem Jahrgang noch mit auf den Weg.

Was diesem Abiturjahrgang aber plötzlich genommen wurde, war die Vorfreude auf ganz unbeschwerte letzte Schultage mit einer Mottowoche und all den schönen Momenten, die auch mit der Abiturphase verbunden sein können. Eben ein Intensiverlebnis der besonderen Art, das wohl so nicht einfach nachzuholen sein wird.

Und genau das ist es, was viele von ihnen in diesen Tagen nach unten zieht.

„Ich kann die Maßnahmen natürlich verstehen und stehe auch dahinter, doch es ist extrem traurig. Alles kam so plötzlich, vielleicht hätte man durch die Sicht auf andere Ländern auch schon früher Vorbereitungen treffen“, kommentiert eine Schülerin aus Beelen.

Im häuslichen Bereich fühle sich alles erst einmal wie ein ganz normales Wochenende an, obwohl es manchmal schwierig werde, weil das Internet schon sehr langsam arbeite. „Wie man weiter mit der Situation umgehen soll, ohne die eigenen Freunde zu treffen, da habe ich einfach keine Ahnung. Aber ich hätte ein schlechtes Gewissen, wenn man sich jetzt trifft.“ Genau das betont auch ein weiterer Schüler des Abijahrgangs: „Wir haben alle am letzten Freitag geahnt, dass wir wohl nur noch zur Abiprüfung wieder in diese Schule kommen werden. Das war‘s nach zwölf Jahren, einfach so ohne Abschied. Erfahren habe ich das erst definitiv auf dem Weg nach Hause. Man fühlt sich schlecht damit und das macht etwas mit einem.“ Das Bedürfnis, sich mit den Freunden zu treffen, um das alles zu verpacken, sei enorm stark. Aber das gehe nun halt auch nicht.

Zumindest einen positiven Effekt sieht eine Freckenhorster Schülerin in der neuen Situation: Ich versuche die Zeit möglichst produktiv zu nutzen. Wir bekommen ja schon zwei Wochen Vorbereitung geschenkt, wenn man so will.“

Trotzdem sei es natürlich schade, dass es dadurch keine Gelegenheit des Abschieds mehr gebe und diese dem Abijahrgang genommen werde, bedauern die Schüler.

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