Gastronomie und Einzelhandel in Zeiten des Corona-Virus
Von Menü-to-go bis Bestellung per Video

Warendorf -

Aktuell ist bei aller Besonnenheit und Vorsicht auch Improvisation und Kreativität gefragt – vor allem bei Gastronomen und Einzelhändlern. Viele versuchen in der Corona-Krise einen Lieferservice auf die Beine zu stellen oder den Gästen einen Abholservice anzubieten.

Donnerstag, 19.03.2020, 20:18 Uhr aktualisiert: 20.03.2020, 10:42 Uhr
Die Innenstadt zur besten Einkaufszeit: wie ausgestorben. Türen zu, Tische weg, Gitter runter. Mitarbeiter des Ordnungsamtes kontrollieren das.
Die Innenstadt zur besten Einkaufszeit: wie ausgestorben. Türen zu, Tische weg, Gitter runter. Mitarbeiter des Ordnungsamtes kontrollieren das.

Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Aktuell ist bei aller Besonnenheit und Vorsicht auch Improvisation und Kreativität gefragt – vor allem bei Gastronomen und Einzelhändlern. Viele versuchen kurzfristig einen Lieferservice auf die Beine zu stellen oder den Gästen einen Abholservice anzubieten – mit kontakt- und bargeldloser Lieferung beispielsweise. Damit die Branche nicht völlig unter den aktuellen Gegebenheiten zusammenbricht und wenigstens etwas Geld verdienen kann, wird auch empfohlen Gutscheine für die „Nach-Corona-Zeit“, die hoffentlich bald wieder einkehrt, zu erwerben.

„Die Corona-Krise wird uns noch viel Geld kosten“, prophezeit Rudolf Hülsmann von der gleichnamigen Konditorei in der Fußgängerzone, die am Donnerstag wie ausgestorben ist. Nur vereinzelte Passanten. Türen zu, Tische weg, Gitter runter. Mitarbeiter des Ordnungsamtes kontrollieren, ob die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus eingehalten werden und Geschäfte, die nicht öffnen dürfen, auch tatsächlich geschlossen sind.

Rudolf Hülsmann hat sein Café geschlossen, der Verkauf am Tresen geht aber weiter. Das darf er. Die Oster-Produktion in der Backstube hat er aber runtergefahren und Kurzarbeit beantragt, wie er sagt. Wie andere seiner Kollegen übrigens auch. In dem Familienunternehmen arbeiten zwei Service-Kräfte, Halbtagskräfte, ein Geselle, ein Meister, zwei Auszubildende, die Chefin und er. Gemeinsam mit seiner Frau Geva hat sich der Konditormeister in diesen schwierigen Zeiten überlegt, einen Außer-Haus-Service anzubieten. Er liefert Leckeres aus der Konditorei (Pferdeäppel und Co.) zu Außerhaus-Preisen ab einem Bestellwert von 25 Euro frei Haus. „Wir kommen allerdings nicht für drei Stückchen Sahnetorte.“

Für Hans Eikmeier, Inhaber des „Rauchfangs“, kommen die Maßnahmen etwas zu spät: „Erst sollten wir um 18 Uhr, dann um 15 Uhr schließen und jetzt Null.“ Er lässt seine Gaststätte im Ort und den Grill am Wilhelmsplatz komplett geschlossen. Gerne hätte er die jetzt übrig geblieben Lebensmittel an die „Warendorfer Tafel“ weitergegeben. Doch die Lebensmittelausgabe an Bedürftige ist in Corona-Zeiten ebenfalls dicht.

Das Restaurant Ella&Fritz von Niklas Rentsch bietet ein Menü to go zur Abholung an. Bis 15 Uhr am Tag der gewünschten Abholung bestellen, Abholung 18 bis 20 Uhr, die Speisekarte gibt es im Internet, Bestellung per Email, die Rechnung kommt ebenfalls per Email.

Mc Donalds am August-Wessing-Damm hält den Drive-in-Schalter geöffnet.

Die Pizzeria Il Mulino in der Oststraße liefert – nach telefonischer Absprache – Pizza und Pasta außer Haus. Andere Gastronomen überlegen noch, machen einen Lieferservice davon abhängig, ob NRW eine Ausgangssperre als schärfere Maßnahme gegen die Eindämmung das Corona-Virus verhängt. Auch Einzelhändler zeigen sich derzeit erfinderisch. So bietet „Holland & More“ eine Bestellung per Video-Schaltung aus dem Geschäft zum Kunden nach Hause an. Auch das Modehaus Ebbers ist im Notfall erreichbar, wenn jemand ganz dringend noch Kleidung benötigt. Andere Einzelhändler und Filialisten verwiesen per Aushang auf Online-Shopping. Die Optiker dürfen die Läden zwar geöffnet halten, nehmen in der Regel aber nur Reparaturaufträge entgegen, meiden den direkten Kontakt mit Kunden. Abstand halten und trotzdem Zusammenhalten ist das Gebot der Stunde.

„Abstand halten“ gilt auch für den Paketzulieferer DHL. Mitarbeiter des Paketzulieferers treffen sich mit ihren gelben Fahrzeugen am Donnerstagmorgen in der Warendorfer Fußgängerzone. 250 Pakete und Päckchen pro Wagen müssen heute an den Mann oder die Frau gebracht werden. Eine übliche Tagesmenge. Zwar sei ein Großteil der Firmenkunden aufgrund der Krise weggebrochen, erzählen sie, dafür würden aber viele Bürger jetzt online bestellen. Das Risiko, das Virus über den Stift oder den Scanner bei der Auslieferung zu verteilen, will man nicht mehr eingehen. Stattdessen unterschreiben die Paketzusteller selbst auf dem Gerät, sobald das Paket ausgeliefert wurde. „Wir stellen es dann nur noch vor die Tür, meiden den direkten Kontakt mit dem Empfänger.“ Teilweise machen sie das mit Handschuhen. Denn: „Das Coronavirus bleibt laut Robert-Koch-Institut bis zu 24 Stunden auf einem groben Pappkarton.“

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