"Rettungsschirm" sorgt für Empörung
Corona-Krise: Scharfe Kritik vom Josephs-Hospital an Jens Spahn

Warendorf -

Große Empörung bei Peter Goerdeler. Der Vorstandsvorsitzende des Warendorfer Josephs-Hospitals kritisiert den geplanten „Krankenhaus-Rettungsschirm“, dessen Pläne Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Wochenende vorstellte, aufs Schärfste. Goerdeler spricht von Wortbruch.

Sonntag, 22.03.2020, 16:46 Uhr aktualisiert: 22.03.2020, 18:41 Uhr
"Rettungsschirm" sorgt für Empörung: Corona-Krise: Scharfe Kritik vom Josephs-Hospital an Jens Spahn
Das Josephs-Hospital in Warendorf kritisiert den neuen „Krankenhaus-Rettungsschirm“ von Jens Spahn. Foto: Christoph Lowinski

Die Corona-Pandemie bedeutet für die Krankenhäuser eine große, zusätzliche Belastung. Gesundheitsminister Jens Spahn forderte, dass zusätzliche Intensivkapazitäten geschaffen und planbare Operationen zunächst abgesagt werden. „Das war auch richtig von Herrn Spahn, das einzufordern“, sagt Peter Goerdeler , Vorstandsvorsitzender des Warendorfer Josephs-Hospitals, der aber betont, dass Spahn seine eindringlichen Worte mit dem Versprechen verbunden habe, die Krankenhäuser dabei finanziell ausreichend zu unterstützen.

"Rettungsschirm" habe Namen nicht verdient

Und der Gesundheitsminister hatte damals tatsächlich gesagt, dass kein Krankenhaus ins Defizit rutschen werde, „koste es, was es wolle“. Und darauf habe man vertraut, erklärt Goerdeler, der sich am Wochenende aber schockiert und enttäuscht zeigte. Denn der von Jens Spahn vorgestellte „Rettungsschirm“ für Krankenhäuser hätte nicht einmal den Namen verdient. „Von den Versprechungen Spahns ist nicht viel übrig geblieben“, so der Vorstandsvorsitzende.

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Der Vorstandsvorsitzende des Josephs-Hospitals Peter Goerdeler. Foto: Lowinski

30 000 Euro für jeden neuen Intensiv-Behandlungsplatz, 4,5 Milliarden Euro für zusätzlich anfallende Kosten in der Pflege und 2,4 Milliarden Euro als Ausgleich für den Verzicht oder die Verschiebung von planbaren Operationen versprach am Spahn am Samstag für die deutschen Krankenhäuser. Das würde die anfallenden Kosten bei weitem nicht decken, ließ die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sofort verlauten. Und noch problematischer sieht Goerdeler die bürokratischen Hindernisse. Kleinteilige Nachweise würden gefordert. Die DKG und das Josephs-Hospital zeigten sich enttäuscht. Nach der ersten heftigen Kritik am Samstag, besserte Spahn am Sonntagmorgen den „Rettungsschirm“ finanziell aus. „Murks bleibt aber Murks“, meinte Goerdeler auf Nachfrage der Westfälischen Nachrichten am Sonntag.

Von den Versprechungen Spahns ist nicht viel übrig geblieben.

Peter Goerdeler

Zuvor hätten sich die DKG und die Krankenkasse AOK sogar auf ein Paket verständigt, was den Krankenhäusern unbürokratisch geholfen und gleichzeitig nicht zu explodierenden Kosten auf Kassenseite geführt hätte, erklärt. Gerade deshalb sei es völlig unverständlich, weshalb Spahn diesen Vorschlag nicht akzeptiert habe und  diesen „Rettungsschirm“ ins Leben gerufen habe.

Intensivkapazitäten verdoppelt

Seit einer Woche, seit der Umsetzung der Maßnahmen –  so wurde zum Beispiel die  Intensivkapazität von acht auf 16 erhöht und diverse planbare Operationen abgesagt –  würden dem Josephs-Hospital 50 000 Euro Umsatz am Tag fehlen. Die Absagen könnten dem Warendorfer Krankenhaus Verluste in Millionenhöhe einbringen. Zumal keiner genau weiß, wie lange die Corona-Krise noch andauere, so Goerdeler. Für viele Krankenhäuser könnte das den finanziellen Ruin bedeuten. „Wir sind gut aufgestellt und tun alles dafür, dass das bei uns nicht der Fall sein wird“, so Goerdeler, der sich trotzdem total enttäuscht  zeigt. Die Hoffnung sei noch da, dass effektiv geholfen würde. „Aktuell glaube ich das aber leider nicht.“,

Aktuell seien übrigens vier Coronavirus-Patienten im Josephs-Hospital untergebracht, auf der Intensivstation aber noch keiner. „Ich gehe aber stark davon aus, dass sich das bald ändert“, sagt Goerdeler, der im Gespräch immer wieder betont, dass ja nicht nur die Corona-Patienten vernünftig betreut werden müssten, sondern auch alle anderen.

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