Jungunternehmer bangen um ihre Existenz
Klug durch die Krise

Warendorf -

Kinobetreiber Johannes Austermann tut die Schließung richtig weh, hat der Jungunternehmer doch gerade kräftig in das Warendorfer Kino investiert. Doch: „Das Wohl meiner Mitarbeiter und Gäste geht vor. Einige Monate kann ich die Schließung überleben, aber dann bin ich bei Null – und muss die Schulden des Umbaus noch abbezahlen“, beschreibt der der 23-Jährige seine Situation in Corona-Zeiten.

Mittwoch, 25.03.2020, 18:35 Uhr aktualisiert: 26.03.2020, 10:33 Uhr
Johannes Austermann hat mit seinem Team die Schaufenster des Scala Filmtheaters umdekoriert und fiebert dem Ende der Schließung entgegen
Johannes Austermann hat mit seinem Team die Schaufenster des Scala Filmtheaters umdekoriert und fiebert dem Ende der Schließung entgegen Foto: Rebecca Lek

Die Wirtschaft ächzt unter der Last des Corona-Virus. Die stark betroffenen Branchen (unter anderem Einzelhandel und und Gastronomie) kämpfen um ihre Existenz . Nach dem schleppenden Jahresauftakt fieberten die Unternehmen den milderen Temperaturen entgegen. Dann kam „Corona“.

„Bereits der Februar und der angefangene März waren nicht kostendeckend. Die Zahlen gingen durch Verunsicherungen in der Bevölkerung merkbar zurück“, erzählt Benedikt Großfeld , Inhaber der ortsansässigen Diskothek Gleis 64. Im vergangenen Jahr übernahm er das „Linus“. „Noch im Februar investierten wir in lebensgroße Palmen, neue Technik, C02-Effekte, Konfetti-Shooter und Ähnliches“, so Großfeld weiter.

Kinobetreiber Johannes Austermann tut die Schließung richtig weh, hat der Jungunternehmer doch gerade kräftig in das Warendorfer Kino investiert. Doch: „Das Wohl meiner Mitarbeiter und Gäste geht vor. Deshalb haben wir gemeinsam mit der Stadt frühzeitig entschieden, das Scala-Filmtheater während der Corona- Krise zu schließen. Für ihn jedoch eine ungünstige Zeit, denn der Winter ist seine Hauptsaison. Schlimmstenfalls könne er erst wieder ab September kostendeckend arbeiten. Austermann startete erst letztes Jahr durch und investierte in umfangreiche Modernisierungs- und Renovierungsmaßnahmen. „Einige Monate kann ich die Schließung überleben, aber dann bin ich bei Null – und muss die Schulden des Umbaus noch abbezahlen“, beschreibt der der 23-Jährige seine Situation.

Als CDU-Ratsmitglied sei er selber in der Kommunalpolitik aktiv und habe an den Landtag appelliert, schnelle und sinnvolle Hilfe für betroffene Unternehmen zu geben.

An Maßnahmen der Regierung mangelt es nicht. Auf Bundes- und Landesebene wurden bereits unterschiedliche Rettungsschirme gebildet, die zur Entlastung der Unternehmen führen sollen. Die betroffenen Unternehmer in Warendorf sind jedoch skeptisch. „Was am meisten an unseren Nerven zerrt: Es ist kein Ende in Sicht“, erzählte Thomas Wörmann, Inhaber der Gaststätte „Zur Sonne“. Und er spricht im Namen der Gastronomen vor Ort. Wie die meisten hat auch er für die Belegschaft Kurzarbeit beantragt. Die bisherigen Maßnahmen hält er dennoch für nicht ausreichend. „Die Steuerstundung hilft nur kurzfristig. Der große Hammer kommt ja später. Die Betriebsschließung wurde angeordnet. Entsprechend müssten die Einbrüche bei den Einnahmen auch ersetzt werden“, macht sich der 50 Jährige seinem Unmut Luft. Eine Meinung, die die Regierung zwar versteht, aber wirtschaftlich in dem Rahmen nicht leisten kann. „Wir sind uns über die Tragweite durchaus bewusst und versuchen schnelle und unbürokratische Hilfe anzubieten“, betont der CDU-Landtagsabgeordnete Daniel Hagemeier.

Mittlerweile bilden sich unter den Unternehmern jedoch Gruppierungen, die unterschiedliche Dinge von der Politik fordern. „In meinen Augen, gibt es nur zwei sinnvolle Maßnahmen, wie der Staat hier unterstützen kann. Zum einen fordern wir gemeinsam mit der Dehoga und tausenden anderen Betrieben die Steuersenkung von 19 auf sieben Prozent. So kann die Liquidität durch Kredite abgedeckt werden, die später dann durch die Steuerersparnis zurück gezahlt werden können. Somit rettet der Staat gleich eine ganze Branche mit einer einfachen Maßnahme“, skizziert Diskothekeninhaber Großfeld seine Ideen und hofft gleichzeitig auf weitere Zuschüsse, um laufende Kosten decken zu können.

Austermann derweil distanziert sich von Krediten. „Es bringt mir nichts, mich wegen der Corona-Krise zu verschulden. Ich weiß nicht, wie lange ich den Kredit abbezahlen müsste, um wieder schwarze Zahlen zu schreiben“. Eine drastische Lage, denn der Jungunternehmer steht mit seiner Meinung nicht alleine da.

Für Kleinunternehmen hat die Regierung Soforthilfen bereitgestellt. „Wir sind mit Herzblut dabei und möchten unsere heimische Wirtschaft klug durch die Krise führen“, betont Daniel Hagemeier. Daher steht das Wirtschaftsministerium für telefonische Fragen täglich (auch am Wochenende) von 8 bist 18 Uhr bereit. „Mit unseren Maßnahmen möchten wir auch ein Zeichen der Solidarität entsenden“, so Hagemeier weiter. In wieweit die Maßnahmen jedoch ausreichend sind, sei nicht absehbar.

„Eines ist Fakt. Mit einer derartigen Ausnahmesituation konnte niemand rechnen“, so Großfeld und appelliert gleichzeitig an die Bevölkerung: „Es zählt momentan nur eines. So schnell wie möglich den Virus eindämmen, um so wieder auf den Normalzustand zurück zu kommen“.

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