Ortsumgehungen: Biologen setzen ihre Arbeit fort
Amphibien-Kartierung trotz Corona

Donnerstag, 26.03.2020, 21:18 Uhr aktualisiert: 26.03.2020, 21:20 Uhr
Bernhard Epmann, Projektleiter bei Straßen.NRW, und Biologe Benjamin Bernhardt, der unerkannt bleiben möchte, um auch künftig in Ruhe seine Arbeit erledigen zu können, stellten in einem kurzen Pressegespräch die Arbeit des Fachbüros für Umweltplanung vor. Die Mitglieder der BVW hatten am Schauplatz des Ortstermins Protestschilder aufgestellt (kleines Foto).
Bernhard Epmann, Projektleiter bei Straßen.NRW, und Biologe Benjamin Bernhardt, der unerkannt bleiben möchte, um auch künftig in Ruhe seine Arbeit erledigen zu können, stellten in einem kurzen Pressegespräch die Arbeit des Fachbüros für Umweltplanung vor. Die Mitglieder der BVW hatten am Schauplatz des Ortstermins Protestschilder aufgestellt (kleines Foto). Foto: Joke Brocker

Denn, so Bernhard Epmann, für die Ortsumgehungen Warendorf, Beelen, Freckenhorst sowie den Ausbau der B 51 zwischen Münster und Telgte zuständiger Projektleiter bei Straßen.NRW, „gute Planungen benötigen solide Grundlagen.“ Auf Basis des Bundesnaturschutzgesetzes gelte es die in den Habitaten vorkommenden (geschützten) Arten zu registrieren und zu verzeichnen, um dann planerisch reagieren zu können. Indem man beispielsweise, wo nötig, Krötentunnel als planerische Maßnahme vorsehe. Weil eine Straßenbaufachbehörde diese Arbeiten zur Erstellung eines landschaftspflegerischen Begleitplans unmöglich leisten kann, setzt sie auf das geballte Wissen der Mitarbeiter des Bochumer Fachbüros für Umweltplanung, die eine Kreuzkröte allein an ihrem Ruf erkennen können. „Mir fällt es schon schwer, Vogelstimmen auseinanderzuhalten“, gab Bernhard Epmann zu.

Da es im Raum Warendorf-Freckenhorst etwa 100 Kleingewässer gibt, wie die Biologen anhand von Luftbildern, aber auch durch Begehungen festgestellt haben, und weil die Laichzeit begonnen hat, gilt das besondere Augenmerk der Fachleute gegenwärtig vor allem Amphibien und Reptilien. Epmann verwies darauf, dass es vergleichbare Untersuchungen bereits zwischen 2008 und 2009 gegeben habe, seine Behörde aber qua Gesetz verpflichtet sei, diese Bestandserhebungen zu aktualisieren.

Um die Öffentlichkeit über die von der BVW argwöhnisch beäugten Aktivitäten der Biologen zu informieren, hatte Straßen.NRW sich entschlossen, trotz Corona zum Pressegespräch einzuladen, bei dem alle Beteiligten sich selbstverständlich an Sicherheits-Vorgaben und Mindestabstände hielten. Priorität hätten für ihre Behörde auch die Sicherheit von Anwohnern und Mitarbeiter, stellten Bernhard Epmann und Pressesprecherin Sandra Beermann klar. Das gelte auch für die zurzeit laufenden biologischen Untersuchungen. Nach Ansicht eines von Straßen.NRW gegründeten Krisenstabes und den zuständigen Behörden bestehe zum jetzigen Zeitpunkt kein Grund für den Abbruch der Arbeiten wegen des Coronavirus‘. „Es ist keine Option, die Untersuchungen in Gänze einzustellen, da wir kein Gefährdungspotenzial erkennen können“, bemerkte Epmann.

Allerdings gelten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. So werden Benjamin Bernhardt und seine Kollegen keinen direkten Kontakt mit den Anliegern aufnehmen und auch keine direkt an Häusern und Höfen liegende Flächen betreten. Seit Beginn der erhöhten Sicherheitsmaßnahmen wegen Corona habe es allenfalls telefonische Kontakte zu den Betroffenen gegeben, berichteten er und die Straßen.NRW-Mitarbeiter im Pressegespräch.

Die Biologen, für die Gummistiefel und Wathosen unverzichtbar sind, setzen auf Sichtbeobachtungen, Kescherfänge und das Ausbringen von Fangreusen sowie deren Kontrolle. Vom Beginn der Laichzeit im März bis zum Frühsommer sind nach Aussage Benjamin Bernhardts sechs Durchgänge geplant.

Wenn der direkte Zutritt zu Teichen und Tümpeln in unmittelbarer Hausnähe wegen der Corona-Pandemie auch mittelfristig nicht möglich sein sollte, sei im „Worst Case“ davon auszugehen, dass ein sehr hochwertiges Ausgleichs-Habitat geschaffen werden müsse, meinte Bernhardt. Biologen entgehe es allerdings nicht, wenn plötzlich in einem Gartenteich Arten auftauchten, die normalerweise nicht dorthin gehörten.

Die Reptilienbeobachtung beginne Ende April, erläuter-te der Biologe, der damit rechnet, im Untersuchungsgebiet auf Ringelnattern, Blindschleichen und möglicherweise auch Waldeidechsen zu treffen. Dass Benjamin Bernhardt sehr wachsam durch die Welt geht, bewies er an Ende des Pressegesprächs, als sein Blick in den Bäumen am Rastplatz Schüttenteich hängen blieb. „Da hingen doch Steinkauz-Röhren“, wunderte er sich, dass diese ausgerechnet mit Beginn der Brutzeit verschwunden sind.

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