Trauung während der Krise
In Zeiten von Corona: Hochzeit ohne Gäste

Warendorf -

„Eigentlich sollte dieser Tag zu einem unvergesslichen Erlebnis werden, wollten wir ihn mit unseren Liebsten feiern, die jetzt daheim sind.“ Jan und Katrin Gatzen gaben sich am Samstag im Trauzimmer des Historischen Rathauses zu Warendorf das Ja-Wort. Mit dabei nur ihre Trauzeugen und die Standesbeamtin. Hochzeit in Coronazeiten. Trauung unter besonderen Umständen.

Sonntag, 29.03.2020, 12:04 Uhr aktualisiert: 29.03.2020, 18:58 Uhr
Jan und Katrin Gatzen, geborene Stricker
Jan und Katrin Gatzen, geborene Stricker, heirateten am Samstag in Warendorf. Foto: Joachim Edler

Das hätten sich Jan und Katrin Gatzen (geborene Stricker) niemals vorstellen können. Als sie Ende vergangen Jahres ihre standesamtliche Trauung planten und den Termin auf den 28. März 2020 festzurrten, da war für sie die Welt noch in Ordnung. Kein Coronavirus und keine Kontaktsperre. 30 Hochzeitsgäste, darunter sieben Kinder, aus dem engsten Familienkreis waren eingeladen, mit dem Brautpaar einen unvergesslichen Tag zu feiern. Die Hochzeitsgesellschaft: in allen Ecken und Enden Deutschlands verstreut.

Trauung unter besonderen Umständen

Am Samstag sieht alles anders aus. Der historische Ratssaal fast menschenleer. Vier Personen haben sich eingefunden. Bewusst hat das Paar auf eine große Hochzeitsgesellschaft verzichtet. Lediglich die Trauzeugen sind dabei: Theresa Stricker, die Schwester der Braut, und Sebastian Anton, der beste Kumpel des Bräutigams. Standesbeamtin Doris Lau darf dem frisch vermählten Paar nach der Trauung nicht einmal zum Gratulieren die Hand geben. Hochzeit in Coronazeiten. Trauung unter besonderen Umständen. Mit Abstand. Den traditionellen Kuss gibt sich das frischvermählte Paar am Ende der Zeremonie aber doch. Dazu erklingt das per Handy auf die Musikanlage im Trauzimmer und von den Brautleuten gewünschte Lied „Ich und du“.

Das Paar nimmt es gelassen: „Wir nehmen es jetzt wie es ist, machen das Beste draus. Die große Feier wird auf jeden Fall nachgeholt.“ Traurig ist es dennoch. „Eigentlich sollte dieser Tag zu einem unvergesslichen Erlebnis werden, wollten wir ihn mit unseren Liebsten feiern, die jetzt daheim sind. Viele unserer Familienmitglieder kennen sich noch gar nicht, da wäre die Hochzeit eine tolle Chance gewesen.“ Immerhin hatte das Paar schon Kleid, Schuhe, Fliege und Anzug und Hut parat.

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Foto: Edler

Absage an geladene Gäste

Als klar war, dass es weitere Einschränkungen aufgrund der Coronakrise in NRW geben wird, zogen Jan und Katrin vor zweieinhalb Wochen die Reißleine und sagten allen geladenen Gästen ab, darunter auch ihren Eltern. „Da wir auch viele ältere Hochzeitsgäste haben, wollten wir kein gesundheitliches Risiko eingehen. Die Sicherheit ging uns vor.“

Dabei hätte das Paar neun Gäste mitbringen dürfen. Einschließlich Standesbeamten, lässt die Stadt Warendorf bei Trauungen aktuell noch zehn Personen im Trauzimmer zu. Abstand halten ist aber auch hier das Gebot der Stunde. Dass das Paar dennoch mit den Trauzeugen allein bleibt, ist ein diplomatischer Schachzug: „Wo sollten wir die Grenze ziehen? Wen sollten wir einladen, wen nicht. Das fanden wir unfair und haben dann allen abgesagt – in der Hoffnung, im Sommer 2022 - auch mit den Eltern – eine große Sause zu feiern.“ Denn dann ist das Enkelkind, das in Katrin Stricker-Gatzens Bauch heranwächst, zwei Jahre alt.

Den Termin verschieben, daran hatte das Paar zwar kurz gedacht, doch eine komplette Absage kam für die Gatzens nicht in Frage. Auch mit Blick auf die Ringe. „Als wir beim Juwelier waren gab es drei Möglichkeiten: Herz, Name des Partners oder das Datum in den Ring eingravieren. Wir haben uns fürs Datum entschieden.“

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Foto: Edler

Kennengelernt in Wilhelmshaven

Kennengelernt hat sich das Paar während des Studiums der Wirtschaftswissenschaften in Wilhelmshaven. Jan, in Oldenburg aufgewachsen, ist heute Vertriebsleiter und Katrin, gebürtig aus Warendorf, hat die Teamleitung in der Personalabteilung eines Automobilkonzerns inne. Das Paar wohnt und arbeitet in Sindelfingen.

Der Hochzeitsantrag klassisch, beim letzten Sommerurlaub in Italien. Als das gechartete Boot auf dem Gardasee stoppte, sich das Gespräch zwischen den beiden gerade um Fernbeziehungen und Treue drehte, machte Jan Nägel mit Köpfen und zog den Ring aus der Tasche. Im April zieht das Paar übrigens um, von Süddeutschland nach Bad Laer.

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