Warendorf bringt‘s
Es geht um Solidarität

Warendorf. -

Innerhalb kürzester Zeit haben sich der Plattform „Warendorf bringt‘s“ mehr als 90 Gewerbetreibende angeschlossen. Wie dieses Netzwerk entstanden ist, erzählten Alice Kaufmann, Katarina Marjanovic, Dirk Knappheide und weitere Beteiligte jetzt in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Mittwoch, 08.04.2020, 20:04 Uhr aktualisiert: 08.04.2020, 21:00 Uhr
Kümmern sich nicht nur um das Alltagsgeschäft, das zurzeit häufig auch mit Krisenmanagement zu tun hat, sondern auch um „Warendorf bringt‘s“
Kümmern sich nicht nur um das Alltagsgeschäft, das zurzeit häufig auch mit Krisenmanagement zu tun hat, sondern auch um „Warendorf bringt‘s“

Manchmal braucht es nur einen kleinen Schneeball, um eine Lawine auszulösen. Alice Kaufmann wird das bestätigen können. Gespräche mit Werbeagenturen sind für die Marketingleiterin der Stadtwerke Warendorf GmbH Alltagsgeschäft. So traf sie sich vor knapp drei Wochen mit Alexander Ludwig, dem Geschäftsführer der Agentur „Ink 3 D Design“ in Münster. Eigentlich, um mit ihm über die Überarbeitung der Heimatbeats-Seiten zu sprechen. Hellhörig wurde sie, als sie erfuhr, dass die Agentur gerade unter Hochdruck an einem Online-Auftritt „Münster bringt‘s“ arbeitete, in Auftrag gegeben von der „Initiative Starke Innenstadt“ (ISI). Diese wollte einerseits Online-Riesen etwas entgegensetzen und die durch die Corona-Krise bedrohte Existenz der Geschäftsleute vor Ort sichern, andererseits auch der Kundschaft helfen. Beeindruckt vom „Deine-Stadt-bringt‘s“-Konzept, das sich inzwischen auch in anderen Kommunen etabliert hat, hatte Alice Kaufmann schon auf dem Weg nach Warendorf für sich beschlossen, auch hier mal einen „Testballon“ steigen zu lassen und so eine Plattform für die hiesigen Gewerbetreibenden zu schaffen. In Zusammenarbeit mit den Profis von „Ink 3D“.

Ein Wochenende investierte sie in die Planung, die Stadtwerke-Geschäftsführer Urs Reitis sofort überzeugte. „Wir sehen es auch als eine unserer Aufgaben, die Attraktivität unserer Heimatstadt mitzugestalten, und ein großer Teil dieser Attraktivität basiert auf dem hohen Engagement des örtlichen Gewerbes sowie des Einzelhandels“, war für ihn klar, dass den krisenbedingt gebeutelten Geschäftsleuten geholfen werden müsste.

Sofort an ihrer Seite hatten Reitis und Kaufmann den Wiwa-Vorsitzenden Markus Hinnüber. Der Verein „Wirtschaft für Warendorf“ hatte sich selbst bereits Gedanken über eine Plattform für die Warendorfer Geschäftsleute und die Etablierung eines Lieferservice-Angebotes gemacht, das von Sparkasse Münsterland Ost und Volksbank Warendorf unterstützend begleitet werden sollte. Als sich herausstellte, dass die Stadtwerke bereits an so einer Plattform arbeiteten, war für Markus Hinnüber klar, „dass eine Bündelung der Angebote auf einem gemeinsamen Portal sinnvoll“ wäre. Wiwa – damit auch alle Mitglieder in den Ortsteilen – sowie die Geldinstitute waren also mit im Boot. „Es musste vor allem schnell gehen“, blickt Wiwa-Vorstandsmitglied Cornelia Köster zurück. Das Konzept der Kollegen von „Ink 3“ sei gut. Da habe man nichts Neues erfinden müssen. Gleichwohl entwickelte die Geschäftsführerin der Agentur „Pilotfisch“ mit ihrem Team an nur einen Tag einen Radio-Spot sowie Aufkleber, die die Lieferanten aus Warendorf und den Ortsteilen nun in ihre Schaufenster kleben können.

Damit Alice Kaufmann in der Flut der Aufgaben nicht untergeht – das Alltagsgeschäft, in dem Corona-bedingt gegenwärtig das Krisenmanagement an erster Stelle steht, läuft natürlich weiter – unterstützen sie Kollegin Daniela Stricker im Homeoffice (sie kümmert sich um den Relaunch der Stadtwerke-Website), Katarina Marjanovic, die ein studienbegleitendes Praktikum bei den Stadtwerken absolviert, und Schwimmmeister Dirk Knappheide.

Dabei ist es keineswegs so, dass Knappheide Langeweile hätte. Er und seine Kollegen erledigen bereits jetzt Restaurationsarbeiten im Hallenbad, die sie ursprünglich nach Eröffnung des Freibades angehen wollten. Parallel dazu wird das Freibad für den Saisonstart vorbereitet, der eigentlich für den 9. Mai vorgesehen ist. Vier Stunden seines Arbeitstages verbringt der Schwimmmeister nun am Schreibtisch und kümmert sich unter anderem um die Logistik. Alice Kaufmann steht in ständigem Austausch mit den Händlern und dem „Warendorf bringt’s“-Entwickler. Alle Beteiligten betonen, dass es ihnen nicht um Profit gehe: „Wir wollten einfach Solidarität zeigen.“ Mittlerweile haben sich mehr als 90 Unternehmen und Einzelpersonen gemeldet, die sich bei „Warendorf bringt’s“ engagieren. Stadtwerke-Geschäftsführer Urs Reitis ist begeistert: „Dass wir mit der Plattform „Warendorfbringts.de einen solchen Erfolg haben, das hat uns schlichtweg überwältigt.“

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