Achte Woche der Ausgangssperre in Italien
Die Welt endet am Briefkasten

Ancona/Warendorf -

Die Ausgangssperre in Italien ist beendet - fast zumindest. Nadine Jansen - die Familie lebt in Einen - ist Wahlitalienerin und berichtet.

Mittwoch, 06.05.2020, 07:17 Uhr aktualisiert: 06.05.2020, 08:48 Uhr
Seit Montag gibt es erste Lockerungen – nach acht Wochen kompletter Ausgangssperre. Darüber berichtet Nadine Jansen.
Seit Montag gibt es erste Lockerungen – nach acht Wochen kompletter Ausgangssperre. Darüber berichtet Nadine Jansen. Foto: privat

Achte Woche der Ausgangssperre in Italien – komplette Ausgangssperre. Für mich bedeutete das bis Montag: Ich war seit Anfang März nicht weiter als bis zum Briefkasten. Einkaufen darf nur eine Person pro Haushalt, bei uns übernimmt das mein Mann.

Es ist merkwürdig, wenn die eigene Welt räumlich so begrenzt ist. Wir sind froh, gesund zu Hause zu sein – und doch fehlen die sozialen Kontakte. Jetzt wurden die Ausgangsbeschränkungen zumindest etwas gelockert. Sportliche Personen (da gehöre ich jetzt nicht unbedingt zu) dürfen wieder joggen, andere eventuell spazieren gehen. Vieles ist schwammig formuliert, oft müssen die Präsidenten der jeweiligen Regionen (entspricht politisch etwa einem Bundesland in Deutschland) nachbessern und konkretere Anordnungen geben.

Deutschland ein rotes Tuch

Bürgermeister werden darüber entscheiden, ob Parks in den Städten unter Einhaltung strenger Sicherheitsvorschriften wieder geöffnet werden können. Treffen mit Freunden? Weiterhin tabu!

Die wichtigsten Infos zur Maskenpflicht in NRW

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  • Die Stadt Münster hatte als erste Großstadt in Nordrhein-Westfalen bekanntgegeben, eine Maskenpflicht einzuführen - später zog das Land nach. Ab dem 27. April gilt dies. Doch wo werden die Masken überall zur Pflicht? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

    Foto: dpa
  • Wann muss ich die Maske tragen?

    Immer dann, wenn eine Dienstleistung in Anspruch genommen oder erbracht wird und der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann, müssen Nase und Mund bedeckt werden.

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  • Wo muss ich die Maske tragen?

    Die Maskenpflicht gilt im öffentlichen Personennahverkehr, an Haltestellen, in Bahnhöfen und im Taxi, beim Einkauf im Einzelhandel und bei der Erbringung und Einholung von Dienstleistungen. Also auch in Apotheken, Arztpraxen, Tankstellen und auf Wochenmärkten sowie bei der Abholung von Speisen und Getränken. Für Beschäftigte kann eine Plexiglas-Abtrennung die Maskenpflicht ersetzen.

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  • Wer muss eine Maske tragen?

    "Betroffen von der Verpflichtung sind alle Personen ab Vollendung des fünften Lebensjahres", heißt es in einer Mitteilung der Stadt Münster. 

    Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen können, sind von der Pflicht befreit“, stellt NRW-Gesundheitsminister Laumann klar.

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  • Welche Art von Maske muss ich tragen?

    Ja, aber es sollte eigentlich nur für eine Übergangszeit sein. „Wenn man bis Montag keine Maske besorgt hat, darf man auch einen Schal oder ein Tuch tragen“, sagt NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Wolfgang Heuer, Leiter des Krisenstabs in Münster, bittet sogar darum, zertifizierte Masken Krankenhäusern, Arztpraxen, der Pflege oder dem Rettungsdienst vorzubehalten. Grundsätzlich gilt es, Mund und Nase zu verdecken. 

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  • Was passiert, wenn ich keine Maske trage?

    Wer keine Maske trägt, darf aus Geschäften oder Bussen verwiesen werden. Das Land hat bewusst keine feste Summe für mögliche Bußgelder festgelegt, sondern überlässt deren Höhe den Ordnungsämtern der Kommunen. Das Bußgeld soll auch nicht sofort angeordnet werden, sondern erst, wenn sich Betroffene nach einem entsprechenden Hinweis weigern, Masken aufzusetzen.

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  • Welche Regelung gibt es für Schulen?

    Eine landesweite Pflicht gilt hier nicht. Die Entscheidung treffen die jeweiligen Schul-Leitungen. Dabei spielt der gebotene Mindestabstand eine wichtige Rolle. Besonders an die Schülerinnen und Schüler, die zur Prüfungsvorbereitung in die Schulen zurückkehren, richtet sich die Bitte des Krisenstabs in Münster, schon ab sofort in Bus und Bahn eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen. 

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  • Wie kann ich mir eine Maske selbst nähen?

    Die Stadt Münster hat auf ihrer  Homepage  eine Nähanleitung in gleich mehreren Sprachen veröffentlicht. Zudem gibt es auch Videos im Netz, in denen das Nähen erläutert wird.

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  • Hat die Maskenpflicht einen Einfluss auf das Abstandsgebot?Nein, dieses gilt weiter in vollem Umfang. „Es wäre gefährlich, wenn die Maske ein zu großes Gefühl der Sicherheit geben würde“, sagt NRW-Gesundheitsminister Laumann: „Das Abstandsgebot ist aber viel wichtiger.“

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  • Dürfen die Masken auch beim Autofahren getragen werden?Laut ADAC Nordrhein grundsätzlich ja. Allerdings müsse das Gesicht deutlich erkennbar sein, sonst droht ein Bußgeld von 60 Euro. In Taxis muss der Fahrgast eine Maske tragen. In Fahrschulen sowohl der Lehrer als auch der Schüler. Es darf zudem kein weiterer Schüler auf der Rückbank mitfahren. Dort darf nur ein Prüfer im Fall der Prüfung sitzen - natürlich mit Maske.

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  • Können Restaurants und Kneipen bald wieder öffnen?Ziemlich sicher nicht. „Dieses Thema sehe ich derzeit nicht“, sagt Laumann: „Dazu gehört mehr als die Frage nach einer Maskenpflicht.“ 

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  • Erleichtert die Maskenpflicht Besuche im Alten- oder Pflegeheim?Noch nicht sofort. Ein Gutachten soll aber Wege aufzeigen. Dafür müssen aber auch Einzelfall-Fragen geklärt werden. Zum Beispiel, ob Besucher direkt zu ihren Angehörigen gelangen können, ohne durch das gesamte Heim zu gehen.

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  • Tragen die Fußballprofis Masken auf dem Platz?Nein, sagt DFB-Chefmediziner Tim Meyer. „Wenn Spieler mit Masken spielen würden, das fände aus meiner Sicht keine Akzeptanz“, sagte Meyer, der die medizinische Task Force zur Fortsetzung der Bundesliga leitet, der Deutschen Presse-Agentur. Das Bundesarbeitsministerium prüft nach „Spiegel“-Informationen aber die Möglichkeit, Profis bei einem Neustart der Bundesliga mit Gesichtsmasken spielen zu lassen.

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Wer jedoch Verwandtschaft in der Nähe hat, kann diese wieder besuchen. Mit Masken und Handschuhen zwar, und ohne das gemeinsame Mittag- oder Abendessen, aber immerhin ist nach rund zwei Monaten ein Wiedersehen erlaubt.

Im Porträt

Nadine Jansen absolvierte 2002/2003 ein Volontariat bei der IVZ. Im Anschluss arbeitete sie zunächst für eine Redaktion in München, danach freiberuflich für verschiedene Tageszeitungen, das Goethe-In­stitut und den Stern. Zudem ist sie geprüfte Übersetzerin für Italienisch. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in der Nähe der Hafenstadt Ancona in Italien. Für die Zeitung berichtet sie hin und wieder über die Situation in ihrer neuen Heimat.

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Meine Verwandtschaft? Die sitzt in Deutschland. Deutschland ist für einige hier leider ein rotes Tuch. In Italien hoffen viele auf die Eurobonds. Da die Bundesregierung aber genau das ablehnt, zeigt sich vor allem in den sozialen Netzwerken eine – ich nenne es jetzt mal harmlos – „schuldzuweisende“ Stimmung. Und die ist den Deutschen gegenüber nicht ohne und hat auch mich persönlich schon getroffen. Bei Facebook ist das schnell erledigt: Seiten entfolgen, „Freunde“ aus der Liste löschen und schon sieht die Welt gleich etwas besser aus.

Aufmunterungspost und "Care-Pakete"

Das ist sie auch jenseits des Briefkastens, denn die Nachbarn hier sind eine ganz andere Kategorie, grüßen freundlich und zeigen deutlich, dass wir das alle gemeinsam durchstehen. So wie die allermeisten Italiener. „Andersdenkende“ gibt es leider überall – auch über Landesgrenzen hinweg.

Die Grenzen sind weiterhin zu. Die Besuche meines Patenonkels, meiner Eltern und einer Freundin mussten auf unbestimmte Zeit verschoben werden – ebenso wie die Sprachprüfungen, die ich eigentlich im April und Mai abnehmen sollte.

Ob beruflich, privat oder räumlich – unsere Welt hier ist viel kleiner geworden. Mit der Karnevalsfeier im Kindergarten endete in unserer Region bereits Ende Februar der Besuch von Kindergärten und Schulen. Jetzt ist klar: Kindergärten und Schulen bleiben auch weiterhin geschlossen – mindestens bis zu Beginn des kommenden Schuljahres im September.

Somit ist auch für die kleine Dame des Hauses der tägliche Gang zum Briefkasten ein kleines Highlight. Bislang gab es keine Lockerungen für Kinder. Keine Spaziergänge, keine Entdeckungstour im Wald, sondern einfach nur „zu Hause“. Und das endet eben am Briefkasten, der jedoch die eine oder andere Überraschung bereithält: Aufmunterungspost für mich und „Care-Pakete“ für die Kleinste. Und Kontakt zum Kindergarten? Den gibt es aus dem Wohnzimmer – per Online-Unterricht . . .

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