Partei Die Linke denkt über Bürgermeisterkandidaten nach
Linke widmen sich „Gedanken-Experiment“

Warendorf -

Der Ortsverband der Linken in Warendorf spielt mit dem Gedanken, einen eigenen Bürgermeisterkandidaten oder, wie er explizit betont, eine Bürgermeisterkandidatin ins Rennen zu schicken. Neben Peter Horstmann und Peter Huerkamp wäre sie oder wäre er die oder der Dritte im Bunde. Dass die Linken das erste Mal zur Kommunalwahl antreten und noch nicht im Stadtrat vertreten sind, sei für kein Hindernis, heißt es im Pressebericht.

Freitag, 22.05.2020, 15:22 Uhr aktualisiert: 24.05.2020, 10:30 Uhr

Der Ortsverband der Linken in Warendorf spielt mit dem Gedanken, einen eigenen Bürgermeisterkandidaten oder, wie er explizit betont, eine Bürgermeisterkandidatin ins Rennen zu schicken. Neben Peter Horstmann und Peter Huerkamp wäre sie oder wäre er die oder der Dritte im Bunde. Dass die Linken das erste Mal zur Kommunalwahl antreten und noch nicht im Stadtrat vertreten sind, sei für kein Hindernis, heißt es im Pressebericht.

Vorsitzende Sarah Saure sei überrascht von der breiten Zustimmung gewesen. ,,Man sagt uns Sachen wie ,Endlich ehrliche Leute‘ oder ,Mal was Neues‘ – ob das die Wechselstimmung ist, von der Daldrup sprach?‘‘, wird sie im Pressetext zitiert. Damit bezieht sie sich auf den Warendorfer SPD-Bundestagsabgeordneten Bernhard Daldrup. Dieser hatte am Montag auf der Aufstellungsversammlung der Kreis-SPD von einer Wechselstimmung gesprochen.

Die Idee einer eigenen Kandidatin sei vom Vorsitzenden Selmar Ibrahimovic gekommen, der bei Recherchen auf Zahlen der Bertelsmannstiftung und des Statistischen Bundesamtes gestoßen sei, die ihn laut eigener Aussage erschreckt hätten, heißt es im Pressebericht weiter. ,,Man muss sich das mal vorstellen: In Deutschland leben Männer und Frauen in einem Verhältnis von etwa 50/50, trotzdem haben nur vier Prozent der Kommunen mit über 2000 Einwohnern eine Bürgermeisterin“, wird Ibrahimovic zitiert. Deutschland profitiere von den vielen Kulturen, die hier seit Jahrzehnten lebten, jeder vierte Deutsche habe einen Migrationshintergrund. Trotzdem schafften es lediglich zwei Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund in das Amt des Bürgermeisters.

Neben Geschlecht und Migrationshintergrund habe Ibrahimovic ein drittes Merkmal angesprochen, das ihn zu der Überzeugung führe, dass in Deutschland ein Repräsentationsproblem bei Bürgermeistern herrscht: ,,Die allermeisten Menschen sind klassische Arbeitnehmer ohne Eigentum, welches ihnen Geld generieren könnte. Dementsprechend haben über 60 Prozent der Deutschen eine Berufsausbildung oder keinen beruflichen Abschluss. Bürgermeister kommen zu 60 Prozent von der völlig gegenüberliegenden Seite der Bildungs- und Berufsabschlüsse, sie sind überwiegend Akademiker.“

Der Ortsverband räumt ein, dass es sich bei der Kandidatenfrage erst einmal nur um „ein Gedanken-Experiment“ handele. Unterschriften habe man noch nicht gesammelt, man sei „viel mehr daran interessiert, Warendorf und seine Stadtteile ernsthaft zu gestalten“. Vielleicht brauche „es mal solche auffälligen Aktionen, um auf Probleme aufmerksam zu machen“.

Die Linken wollen sich die Kandidaten anschauen und über eine mögliche Unterstützung sprechen; die Idee mit der eigenen Kandidatin bleibe aber im Hinterkopf. Festlegen wolle man sich noch nicht, jedoch habe Vorsitzende Sarah Saure „ihre persönliche Meinung“ durchblicken lassen: ,,Peter Horstmann wird zurecht von vielen unterstützt und steht für einen anderen Politikstil als die Etablierten. Wir wollen Verantwortung übernehmen, und mir erscheint Horstmann als der beste Kandidat im Rennen. Das bleibt auch so, wenn die CDU nach langem Warten ihren Kandidaten kürt.“

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