Monika Lucht ist auch in Corona-Zeiten für die Kinderhilfe Nepal aktiv
Das Glück, helfen zu dürfen

Warendorf -

Wie schon das verheerende Erdbeben, bei dem 9000 Menschen in Nepal ums Leben gekommen waren und Millionen ihre Lebensgrundlage verloren hatten, trifft auch die Corona-Epidemie die Ärmsten der Armen besonders hart. Monika Lucht: „Es ist zu befürchten, dass durch Hunger geschwächte Menschen schneller dem Virus zum Opfer fallen.“

Freitag, 10.07.2020, 18:18 Uhr aktualisiert: 12.07.2020, 14:36 Uhr
Monika und Jürgen Lucht mit dem Wäschekorb voller Briefe und Geschenke, adressiert an die Patenkinder in Nepal
Monika und Jürgen Lucht mit dem Wäschekorb voller Briefe und Geschenke, adressiert an die Patenkinder in Nepal Foto: Joachim Edler

Durch Reiseverbote und Quarantänemaßnahmen ist auch die Arbeit vieler Hilfsorganisationen derzeit kaum möglich. Dabei wird ihre Hilfe nun gebraucht wie nie zuvor. „Viele Menschen in Nepal leben von der Hand in den Mund. Gehen sie nicht zur Arbeit, verdienen sie auch kein Geld – und können sich keine Nahrung kaufen“, skizziert die Warendorferin Monika Lucht von der Kinderhilfe Nepal ein Bild vom harten Corona-Lockdown in dem Land. Dennoch versuche die Nepalhilfe über Ansprechpartner vor Ort zu helfen und Hilfspakete zu verteilen. „Reis, Linsen, Tee und andere Lebensmittel werden an Familien in Not verteilt. Allerdings sind Übergabe und Transport eine Herausforderung. Aufgrund des Lockdown darf sich niemand aus dem engsten Umkreis seines Wohnortes entfernen.“

Aufgrund des Lockdown darf sich niemand aus dem engsten Umkreis seines Wohnortes entfernen.

Monika Lucht

Sieben Millionen Menschen, rund ein Viertel der Bevölkerung, leben in Nepal unterhalb der Armutsgrenze und somit tagtäglich von der Hand in den Mund. Der strikte Lockdown, der in Nepal im März verhängt wurde und gesamtgesellschaftlich nicht zuletzt aufgrund des fragilen Gesundheitssystems notwendig war, so Monika Lucht, werde deshalb für Millionen Menschen mit jedem weiteren Tag zur existenziellen Bedrohung. „Wir wissen, dass es auch für uns in Deutschland eine schwierige Zeit ist, aber es trifft hier eines der ärmsten Länder der Welt und daher bitten wir um Spenden für die Projekte unseres Vereins.“

Das Ehepaar Monika und Jürgen Lucht sowie einige Warendorfer wollten Ostern dieses Jahren ihre Patenkinder in Nepal besuchen und sich ein Bild von den Schulen machen, die die Kinderhilfe Nepal finanziell unterstützt. Doch dann kam Corona. Seitdem liegen Briefe und Geschenke für die Patenkinder in einem Wäschekorb im Wohnhaus der Luchts. Für Monika Lucht ist die Wartezeit unerträglich, wie sie sagt.

Man liebsten würde sie sofort in ein Flugzeug steigen. Doch der internationale Flughafen in Kathmandu ist für alle kommerziellen ankommenden und abgehenden Flüge bis mindestens 22. Juli geschlossen.

Grenzübergänge auf dem Landweg sind ebenfalls geschlossen. Die von der nepalesischen Regierung verhängte allgemeine Ausgangssperre sei zwar ge­lockert und Behörden, einige Dienstleister und Banken durften den Betrieb wiederaufnehmen, weiß die Warendorferin.

Doch die Abstandsregeln zur Eindämmung der Verbreitung von COVID-19 gelten weiter. Fahrzeuge seien nur nach einem alternierenden System von geraden und ungeraden Nummernschildern erlaubt. Distriktübergreifende Fahrten seien verboten.

In vielen Gemeinden am Fuße des Himalayas hängt das ganze Leben von dem Geld ab, das Touristen in der Hauptsaison hier ausgeben.

Monika Lucht

„Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Nepals. Derzeit sind keine Genehmigungen für Bergsteige-Expeditionen oder zum Trekking mehr erhältlich; bereits erteilte Genehmigungen nicht mehr gültig.“ Vor allem für die Menschen in den Bergregionen sei die Situation existenzbedrohend.

„In vielen Gemeinden am Fuße des Himalayas hängt das ganze Leben von dem Geld ab, das Touristen in der Hauptsaison hier ausgeben. Zudem fehlen Zehntausenden Familien derzeit zum Überleben insbesondere die Löhne der nepalesischen Arbeitsmigranten, die derzeit im Ausland (unter anderem in Indien und Katar) im Lockdown festsitzen.“

Wie schon das verheerende Erdbeben, bei dem 9000 Menschen ums Leben gekommen waren und Millionen ihre Lebensgrundlage verloren hatten, trifft auch die Corona-Epidemie die Ärmsten der Armen besonders hart. Monika Lucht: „Es ist zu befürchten, dass durch Hunger geschwächte Menschen schneller dem Virus zum Opfer fallen.“

Über die Dachorganisation der Kinderhilfe Nepal wird Monika Lucht immer auf dem Laufenden gehalten. Die Lage sei nach wie vor angespannt, die Zahl der an Covid-19-Infizierten in den vergangenen Wochen noch einmal gestiegen. Es gibt kaum Testmöglichkeiten.

Für Monika Lucht sind aufgrund der Corona-Krise wichtige Einnahmequellen für die Nepalhilfe weggebrochen: „Flohmärkte dürfen nicht stattfinden. Auch Vorträge sind derzeit nicht möglich.“ Und so freut sie sich um so mehr, wenn jemand an ihrer Haustür an der Bremer Straße 30 klingelt, um eine kleine Spende abzugeben. „Einige halten mich auch auf der Straße an und stecken mir einen Schein zu.“

Auch, wenn Monika Lucht nicht auf Flohmärkte gehen oder Vorträge in Schulen oder bei Vereinen halten kann, pflegt sie doch die persönlichen Kontakte, in diesen Zeiten meist per Telefon. Oder auf ein Gespräch, wenn sie die Sammeldosen leert, die sie in Warendorfer Geschäften aufstellen durfte. Es vergeht kein Tag, an dem Monika Lucht nicht in Aktion für die Nepalhilfe ist. Nie geht sie ohne Flyer aus dem Haus. Es kann ja sein, dass sich ein Nepal-Kontakt ergibt.

Erst vor kurzem wurde sie im Schwimmbad angesprochen: „Sie sind doch Frau Lucht von der Nepalhilfe. Ich möchte auch gerne ein Patenkind.“ Und ein paar Tage später war wieder in Kind in Nepal glücklich.

So ein Patenkind ist auch Seema Kathri. Die 22-jährige Studentin konnte noch vor Ausbruch der Corona-Pandemie aus Nepal ausreisen. Sie arbeitet für ein Jahr bei einer Familie in Freiburg als Au-pair. Möglich gemacht hat dies eine Warendorfer Familie. „Seema Kathri wird, sobald es Corona zulässt, nach Warendorf kommen und etwas über sich erzählen“, freut sich Monika Lucht bereits jetzt auf die Begegnung. „Ich empfinde es als Glück, helfen zu dürfen“, ist einer der Leitsprüche von Monika Lucht.

Ehemann Jürgen Lucht hat seiner Frau Monika mit einem Bericht im aktuellen Jahresbericht der Nepalhilfe überrascht. „Meine Frau wusste nichts davon.“ Eindrucksvoll schildert er dort, wie das Ehepaar auf einer Trekking-Reise 2003 erstmals in Kontakt mit der Kinderhilfe Nepal kam. Der Bergführer erzählte dem deutschen Ehepaar, dass er durch die Nepalhilfe die Möglichkeit bekam, eine schulische Ausbildung zu absolvieren. Er sei in ärmlichsten Verhältnissen aufgewachsen und ein Schulbesuch wäre ohne diese Hilfe völlig unmöglich gewesen. „Das war der Startschuss für Monikas Nepal-Engagement.“

IBAN DE24 7705 0000 0578 2114 01 (Stichwort Monika Lucht Nepalhilfe)

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7488629?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F35766%2F
Nachrichten-Ticker