Einens Siedlungsgeschichte
Schädelknochen und Urne in alter Emsfurt

Einen-Müssingen -

In Einen wollen Archäologen spektakuläre Funde gemacht haben. Franz-Ludwig Blömker wundert das nicht. Auch auf seinem Grundstück wurden 1977 bereits Funde aus der Bronzezeit geborgen.

Sonntag, 12.07.2020, 14:36 Uhr aktualisiert: 13.07.2020, 11:44 Uhr
Auf dem Grundstück von Maria und Franz-Ludwig Blömker wurde diese Urne gefunden.
Auf dem Grundstück von Maria und Franz-Ludwig Blömker wurde diese Urne gefunden. Foto: J. Krass Hofatelier

„Ob die Archäologen hier einen gar spektakulären Fund gemacht haben, wie es in einem Medienbericht hieß, weiß ich nicht, aber bedeutungsvoll sind die neuerlichen Entdeckungen in unserer Nachbarschaft sicher“, meint der Einener Franz-Ludwig Blömker . „Überrascht bin ich als Laie nicht, weil bei Voruntersuchungen im Jahr 2019 schon Siedlungsspuren aus der Bronze- bis Römischen Kaiserzeit gefunden wurden und auch in der Vergangenheit bereits mehrfach solche Entdeckungen gemacht wurden.“ Der Heimatfreund ist, wie seine Ehefrau Maria Blömker-Stockmann , in Einen-Müssingen aufgewachsen und seit Jahrzehnten an archäologischen Funden als Nachweise zur heimatlichen Siedlungsgeschichte interessiert.

Blömker erinnert an einige Funde. So wurden auch 1997/1998 auf der gegenüberliegenden Straßenseite bei Grabungen zur Vorbereitung eines Teils des Gewerbegebietes „Grüner Markenweg“ Spuren einer großen Zahl an Vorratsgruben gefunden. Mit Keramikstücken, Miniaturgefäßen, Webgewichten, Messern und Schmuck wurden die Funde des Westfälischen Museums für Archäologie der Eisenzeit bis Römischen Kaiserzeit zugeordnet.

Bronzener Eidring

Bronzener Eidring Foto: J. Krass HOFATELIER

Ein Jahr zuvor, im Juli 1996, wurden beim Neubau einer Reithalle im Westen der Einener Dorfbauerschaft zwei zerstörte Leichenbrandnester, eine zerdrückte Urne sowie ein verschmolzenes Stück Bronze und eine Feuersteinklinge aus nordeuropäischem Geschiebefeuerstein geborgen. Wahrscheinlich handelte es sich bei dem Fundort um einen zerstörten Teilbereich eines ebenfalls eisenzeitlichen bis kaiserzeitlichen Gräberfeldes. Blömker hatte das Westfälische Museum für Archäologie auf Bodenverfärbungen aufmerksam gemacht, die er auf der Baufläche der Reithalle beobachtet hatte. „Leider“, schreibt er in einer Pressemitteilung, „war es da für eine umfassende archäologische Untersuchung des Geländes schon zu spät, so dass eine Notgrabung der Archäologen nur noch wenig zu Tage bringen konnte.“

„Auch in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg gab es schon Berichte, denen zufolge in der Nähe der alten Emsfurt ,alte Krieger‘ begraben liegen sollen“, weiß Blömker. Als sein Schwiegervater Paul Stockmann und dessen Brüder das als „Porstknapp“ bezeichnete Gelände mit dem damaligen Eigentümer Böckenholt untersuchten, fanden sie in einer Tiefe von ein bis zwei Metern einen menschlichen Schädel, eine kleine Urne und einen verrosteten Dolch. Einige Zeit später wurden am Osthang des hügeligen Ackers oberhalb des nördlichen Emsufers mehrere Schädelknochen hochgepflügt. Der damalige Einener Schulrektor Lengsfeld hat nachfolgend im April 1951 einen Suchschnitt in die Erderhebung gelegt und dabei Pfostenlöcher entdeckt. Lengsfeld fand dabei eine dem 8. Jahrhundert zugeordnete Randscherbe und einen neuzeitlichen Schädel.

Über die Notgrabung auf der Baufläche der Reithalle in Einen wurde wie über einen weiteren archäologischen Fund aus einer Sandgrube in Warendorf-Velsen im „Neujahrsgruß“ 1997 des Westfälischen Museums für Archäologie berichtet. Auch diese Fundstelle liegt unweit nördlich der Ems. Dort wurden runde Gruben von etwa ein bis 1,2 Meter Durchmesser mit senkrechten Wänden entdeckt. Dem archäologischen Bericht zufolge dürfte es sich um Vorratsgruben eines Siedlungsplatzes gehandelt haben, der ebenfalls der jüngeren Eisenzeit bis älteren Kaiserzeit zugerechnet wird.

Im Buch „Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe“ mit der Fundchronik 1989/1990 der archäologischen Bodendenkmalpflege (Jahrgang 9, Verlag Philipp von Zabern, Mainz) ist ein Fund auf dem Grundstück von Maria und Franz-Ludwig Blömker selbst beschrieben. Unweit des jetzigen Grabungsfeldes am Grünen Markenweg in Einen wurden bereits 1977 bronzezeitliche und mittelalterliche Funde geborgen. Aus zahlreichen Scherben konnte ein großes doppelkonisches Gefäß mit Zylinderhals rekonstruiert werden. Die Eberhard-Karls-Universität Tübingen hat etwa 950 Kubikzentimeter Leichenbrandreste aus dem Urnengefäß analysiert und feststellen können, dass es sich um den Leichenbrand einer 40- bis 50-jährigen Frau gehandelt hat. Selbst Erkrankungen der Frau wie eine Hirnhautentzündung, Entzündungen des Iliosacralgelenkes und einer Bandscheibe eines Brustwirbels konnten noch nachgewiesen werden. Eine Tuberkulose wurde als Ursache der Entzündungen nicht ausgeschlossen.

Neben einer Geschossspitze aus Eisen, einem Spinnwirtelfragment, weiteren Eisenfragmenten und Scherben ist ein massiver bronzener Eidring aus dem nordischen Bereich der eindrucksvollste Fund der Blömkers. Die Museumsarchäologen haben den Eidring der jüngeren bis jüngsten Bronzezeit zugeordnet. Er ist also älter als die aktuell in Einen wieder gefundenen Nachweise einer jedenfalls bis in die Eisenzeit zurückreichenden Siedlungsgeschichte des Dorfes an der Ems.

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