Petition an Gesundheitsminister Spahn
Rheuma-Kranke machen die Welle

Warendorf -

„Bis März war ich zu 90 Prozent beschwerdefrei, jetzt haben die Schmerzen wieder zugenommen“, erzählt Martin Hietkamp, der sich selbst ehrenamtlich in der Rheuma-Liga engagiert. Wie Hietkamp geht es 380 anderen Rheumakranken der Warendorfer Arbeitsgruppe, die seit März auf die Wassergymnastik verzichten müssen.

Donnerstag, 16.07.2020, 12:38 Uhr
Seit Ausbruch der Corona-Pandemie im März ruht die Wassergymnastik – ein lebensnotwendiger Therapiebaustein für viele Rheuma-Kranke.
Seit Ausbruch der Corona-Pandemie im März ruht die Wassergymnastik – ein lebensnotwendiger Therapiebaustein für viele Rheuma-Kranke. Foto: Rheuma Liga

Martin Hietkamp leidet an starker Arthrose. Seit vier Jahren nimmt der 56-Jährige einmal in der Woche am sogenannten Funktionstraining, der Wassergymnastik, teil. Ein Angebot der Arbeitsgruppe Warendorf der Deutschen Rheuma-Liga. Doch seit Ausbruch der Corona-Pandemie im März ruht die Wassergymnastik. Und seitdem muss Hietkamp auf einen lebensnotwendigen Therapiebaustein verzichten.

„Bis März war ich zu 90 Prozent beschwerdefrei, jetzt haben die Schmerzen wieder zugenommen“, erzählt Hietkamp, der sich selbst ehrenamtlich in der Rheuma-Liga engagiert.

Wie Hietkamp geht es 380 anderen Rheumakranken der Warendorfer Arbeitsgruppe, die seit März auf die Wassergymnastik verzichten müssen. Hietkamp habe seine Schmerzen nur durch Osteopathie und Physiotherapie einigermaßen im Griff, erzählt er weiter. Doch ohne Wassergymnastik seien Rückschläge in der Beweglichkeit und Gesundheit zu befürchten, betonen Gaby Hollmann und Brigitte Bloching, ebenfalls ehrenamtlich für die Rheuma-Liga im Einsatz. „Täglich rufen Betroffene in der Geschäftsstelle an und schildern uns, dass sie immer steifer werden.“ Zum Glück sei die Trockengymnastik wieder gestartet. Doch könne die Verordnung der Ärzte nicht einfach von Wasser- auf Trockengymnastik umgeschrieben werden. Was auch auffällt: Eine große Anzahl Rheuma-Kranke habe inzwischen von der Gymnastik auf der Matte zum Training auf dem Stuhl (Sitzgymnastik) gewechselt, um überhaupt beweglich zu bleiben.

Für die Trockengymnastik musste ein Hygienekonzept erstellt werden, das sowohl den Vorgaben der Stadt als auch denen der Rheuma-Liga gerecht wird. In der Praxis sieht das so aus: Desinfizieren, Lüften, darauf achten, dass Nasen- und Mundschutz getragen wird, stark verkleinerte Gruppen. Es sei auch keine Alternative, mit Gruppen an die frische Luft zu gehen. „Das Wetter ist viel zu unbeständig. Und Nordic Walking können wir nicht anbieten, da die Verordnung dafür nicht passt.“ Da derzeit nur die Hälfte an Verordnungen abgerechnet werden könne, so Gaby Hollmann (Sprecherin der AG), bedeute das auch geringere Einnahmen. „Die Kosten für Badmiete und Therapeuten laufen aber weiter.“

Die Rheuma-Liga ist ehrenamtlich Anbieterin in der ärztlich verordneten Kassenleistung Funktionstraining. Doch verursachen die durch die Covid-19-Pandemie nötigen Hygienemaßnahmen erhebliche Mehrkosten, dass die gemeinnützige Rheuma-Liga ohne staatliche Unterstützung an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit getrieben wird. Gaby Hollmann: „Die Krankenkassen als unser Vertragspartner sind bisher nicht bereit, die Vergütungssätze für den Mehraufwand beim Funktionstraining zu erhöhen. Sie berufen sich auf fehlende gesetzliche Regelungen.“ Deshalb hat die Deutsche Rheuma-Liga eine Petition an die Politik, speziell an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, gestartet. Auch die Warendorfer Arbeitsgruppe beteiligt sich an der Online-Petition „Mach die Welle für Menschen mit Rheuma“ und hofft viele Unterstützer zu finden. Stand Donnerstag hatten bereits über 3400 Menschen die Petition im Internet unterzeichnet.

Gegenüber unserer Zeitung schildern die Vertreter der Arbeitsgruppe Warendorf, die Probleme in Corona-Zeiten. „Wegen der Abstandsregeln müssen Gruppen halbiert werden, so dass Betroffene nur noch alle 14 Tage das Bewegungsangebot wahrnehmen können.“

Angeboten wird die Wassergymnastik im Sole Vital in Bad Laer, der Klinik Maria Frieden in Telgte und in der Sportschule der Bundeswehr. Es gibt 25 Wassergymnastik-Gruppen, eine in Bad Laer, 20 in der Klinik Maria Frieden und vier in der Sportschule der Bundeswehr. Trockengymnastik wird in sieben Gemeinschaften angeboten, plus drei Gruppen Sitzgymnastik.

Nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie werde deutlich, so die für die Rheuma-Liga in Warendorf ehrenamtlich Tätigen, wie dringend ein neues Hallenbad benötigt wird. Denn die Schwimmhallen der Sportschule der Bundeswehr seien keine feste Konstante für die 500 Mitglieder, da die Kapazitäten dort durch Bauarbeiten oder eigene Veranstaltungen stark eingeschränkt seien. Die Rheuma-Liga habe der Stadt ihre Hilfe bei der Umsetzung eines neuen Hallenbades angeboten, damit die Bedürfnisse der Rheuma-Kranken berücksichtigt werden. Brigitte Bloching: „Wir haben ein Bad-Problem!“

 

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