Eichenprozessionsspinner
Ein Kampf auf vielen Ebenen

Warendorf -

„Schon der milde Winter ließ zu Anfang 2020 vermuten, dass sich das Aufkommen an Eichenprozessionsspinnern im Vergleich zum Vorjahr nicht verringern wird. Dennoch hat die Stadt Warendorf davon abgesehen, im späten Frühjahr ein Biozid zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners zu verwenden.“ Der Grund: Das Mittel an sich und auch die Wirkung seien umstritten. „Im vergangenen Jahr wurde das Biozid mit Rücksicht auf sonstige Lebewesen in den Baumkronen (Schmetterlinge etc.) nur an Einzelbäumen, die 2018 stark befallen waren, zum Einsatz gebracht. Das Ergebnis war von Baum zu Baum unterschiedlich; aber insgesamt nicht befriedigend“, so die Stadt auf Anfrage unserer Zeitung.

Donnerstag, 23.07.2020, 15:12 Uhr
Die feinen Brennhaare der Raupen des Eichenprozessionsspinners verursachen vielerlei Beschwerden.
Die feinen Brennhaare der Raupen des Eichenprozessionsspinners verursachen vielerlei Beschwerden. Foto: Archiv

So manch einen hat es bei der Fahrradtour über Land schon richtig heftig erwischt: Rote Pusteln übersähen wenige Stunden später bestimmte Hautregionen. Und es juckt sehr unangenehm und das für viele viele Tage. Und damit nicht genug: Oftmals bilden sich auch Eiterbläschen und Knötchen, die sich hartnäckig auf der Haut halten. Mit jedem „Juck-Angriff“ stellt sich dann wieder die Frage: Wann ist diese Schädlingssaision endlich vorbei und wie steht es um die Bekämpfung der Raupen? Die Westfälischen Nachrichten fragten bei der Stadt Warendorf nach. Pressesprecherin Lena Fröhlich gab Auskunft.

„Schon der milde Winter ließ zu Anfang 2020 vermuten, dass sich das Aufkommen an Eichenprozessionsspinnern im Vergleich zum Vorjahr nicht verringern wird. Dennoch hat die Stadt Warendorf davon abgesehen, im späten Frühjahr ein Biozid zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners zu verwenden.“ Der Grund: Das Mittel an sich und auch die Wirkung seien umstritten. „Im vergangenen Jahr wurde das Biozid mit Rücksicht auf sonstige Lebewesen in den Baumkronen (Schmetterlinge etc.) nur an Einzelbäumen, die 2018 stark befallen waren, zum Einsatz gebracht. Das Ergebnis war von Baum zu Baum unterschiedlich; aber insgesamt nicht befriedigend.“

Deshalb sei 2020 vorbeugend gearbeitet worden: Vorbereitend auf die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners wurden im Frühjahr dieses Jahres durch den Baubetriebshof 150 Nistkästen für Meisen in der Hoffnung, dass die Meisen die Larven des Eichenprozessionsspinners als Futter für den Nachwuchs verwenden, aufgehängt.

„Dieser vorbeugenden Maßnahme haben sich dankenswerterweise viele Bürgerinnen und Bürger angeschlossen. Inwieweit diese Maßnahme von Erfolg gekrönt ist, lässt sich nur schwer ermitteln“, heißt es dazu in der Pressenotiz der Stadt.

Aber es wurde noch mehr unternommen: „Darüber hinaus wurden 70 Eichen, die im vergangenen Jahr stark befallen waren, mit Fallen für den Eichenprozessionsspinner ausgestattet.

Die Eichenprozessionsspinner sollen durch einen um den Baum geschlungenen Ring daran gehindert werden, von der Baumkrone zum Boden und zurück zu krabbeln. Vielmehr sollen die Eichenprozessionsspinner durch eine Öffnung im Ring in einen mit einem Lockstoff ausgestatteten Kunststoffbeutel hineinfallen. Diese Maßnahme hat leider nicht den gewünschten Erfolg gebracht.“

Erfolgreicher verlaufen seien dagegen die Maßnahmen des Baubetriebshofes, so wie sie bereits im vergangenen Jahr angewandt wurden. Wenn die Nester nicht mit einem mobilen Heißwassergerät beseitigt werden konnten, wurden die Nester mit einem Sprühkleber eingesprüht, händisch abgenommen, die befallenen Stellen abgeflämmt und das Nest anschließend entsorgt. Vorsorglich wurden frühzeitig langfristige Mietverträge für ein entsprechendes Heißwassergerät und eine Hubarbeitsbühne abgeschlossen. Diese Geräte waren im Vorjahr zu den entsprechenden Zeiten nicht mehr zu bekommen.

Die langfristige Miete war sehr hilfreich. Die Mitarbeiter des Baubetriebshofes konnten unmittelbar tätig werden und den entsprechenden Befall an städtischen Bäumen beseitigen. In der Zeit von Mitte Mai bis ca. Ende Juni waren die Mitarbeiter fast täglich im Einsatz.

„Die Arbeiten zur Beseitigung des Eichenprozessionsspinners sind für die eingesetzten Mitarbeiter, aber auch für die Mitarbeiter der beauftragten Unternehmen sehr strapaziös“, heißt es in der Pressenotiz. Die Arbeiten können nur in einem Vollschutzanzug und unter Verwendung einer Atemschutzmaske ausgeführt werden. Und dennoch lässt sich gelegentlich ein Kontakt mit den Brennhaaren des Eichenprozessionsspinners, verbunden mit den allseits bekannten Auswirkungen, nicht vermeiden. Zusätzlich führt der Einsatz unter Vollschutz bei hohen Temperaturen zu erheblichen körperlichen Belastungen. Aus diesem Grund wurden die Arbeiten oftmals früh morgens oder spät abends durchgeführt.

Im vergangenen Jahr waren Mitarbeiter des Baubetriebshofes rund 350 Stunden für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners tätig. „In diesem Jahr sind bis zum 20. Juli schon 547 Stunden“, trägt Fröhlich auf die Anfrage der WN zusammen. Für die Miete von Maschinen, sonstige Sachkosten und die Beauftragung von Fremdunternehmen sind bislang Kosten von rund. 18 000 Euro angefallen.

In den letzten Tagen und auch in der nächsten Zeit werden die in den Bäumen zurückgelassenen Reste (beispielsweise Brennhaare soweit sichtbar) beseitigt.

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