Dorothee Wiedeler, Monika Abeling und ihr Gartentraum
Es summt und brummt und blüht

Freckenhorst -

„Hier können wir prima Reis anbauen. Reis schmeckt auch“, entfuhr es Dorothee Wiedeler irgendwann im Januar oder Februar angesichts der gigantischen Wasserfläche, auf der sie und Monika Abeling eigentlich Gemüse anbauen und Blumen aussähen wollten. Inzwischen haben die Leiterin der Kita Wichtelhöhle und die langjährige Leiterin der Freckenhorster Seniorenheime das 1650 Quadratmeter große Areal von Tina und Franka Niehaus in ein blühendes Paradies verwandelt, in dem es in diesen Tagen summt und brummt.

Samstag, 25.07.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 26.07.2020, 15:30 Uhr
Dorothee Wiedeler und Monika Abeling (v. l.) haben sich den Traum vom eigenen Garten erfüllt und unweit des Kreuzklosters binnen kürzester Zeit ein kleines Paradies geschaffen.
Dorothee Wiedeler und Monika Abeling (v. l.) haben sich den Traum vom eigenen Garten erfüllt und unweit des Kreuzklosters binnen kürzester Zeit ein kleines Paradies geschaffen. Foto: Joke Brocker

„Nature please“ – keine leeren Worte, die auf Monika Abelings olivgrünem T-Shirt prangen. Im Garten herrsche keine Hektik, in der Erde zu wühlen habe etwas geradezu Meditatives findet sie – und kommt aus der Gartenarbeit praktisch gar nicht mehr heraus. In Dorothee Wiedeler hat sie eine Art Seelenverwandte gefunden. Die Frauen haben sich seit 2008 durch den Generationengarten am Kreuzkloster „gewühlt“, die Idee vom Ackerkindergarten gemeinsam umgesetzt und seitdem von einem gemeinsamen Gartenprojekt geträumt, das in diesem Frühjahr in Angriff genom

 

 

 

 

men wurde. Der Weg dorthin war allerdings ein im wahrsten Sinne des Wortes steiniger. Allerlei Gerümpel, das frühere Pächter des Gartens zurückgelassen hatten, und jede Menge Steine und Schutt galt es zu entsorgen, um den Boden vorbereiten zu können. Die Gärtnerinnen standen dabei unter einem gewissen Druck, konnte doch der Bauwagen aus Leer, den Monika Abeling bei Ebay „geschossen“ hatte, jeden Moment eintreffen.

Bis dahin mussten doch zumindest die Bodenarbeiten abgeschlossen sein. Die steinharte Erde wurde um-, Kompost untergegraben, es wurden Beete angelegt, für die Stefan Schnieder, Monika Abelings Ehemann, Rahmen aus Holz baute, und eine Wildblumenwiese ausgesät. Damit die Gärtnerinnen, unter ihnen Geva Wiedeler und eine Freundin, die mit Spaß die Kartoffeln setzten, wussten, was sie wo gepflanzt hatten, malte Lorenz Wiedeler eifrig Schilder. Den Hauptweg, der ein knappes Vierteljahr später durch Gemüsebeete und eine prächtige Wildblumenwiese führt, in der es summt und brummt, taufte er „Via Laurenzia“, den Stall für Hahn „Casanova“ und die Hybridhühner Frieda, Traudel, Hedwig, Emmi, Ida und Heidimi, die im Juni ihr Quartier bezogen, „Villa Hennenberch“. Das einstige Gartenhaus hatte Michael Malchow zur Verfügung gestellt und mit Hilfe von Heiko Villwock und Dieter Farwick, der die Gärtnerinnen bei der Auswahl der Villen-Bewohner beriet, aufgebaut. Das Federvieh, an das sich auch Dorothee Wiedelers Dackelhündin Cleo längst gewöhnt hat, fühlt sich augenscheinlich wohl. Schon nach drei Tagen legten die Hühner die ersten Eier. Heidimi, benannt nach ihren drei Paten Heiko, Dieter und Michael, legt sogar Eier mit Doppeldotter. Demnächst werden die Hühner ein wenig enger zusammenrücken müssen, denn Monika Abelings aus Afghanistan stammender Pflegesohn Asim, der fast täglich im Garten ist, soll eine Glucke mit vier Küken geschenkt bekommen. Eier, freut sich Dorothee Wiedeler, habe sie schon länger nicht mehr kaufen müssen. Monika Abeling frohlockt: „Ich brauche kein Gemüse mehr zu kaufen“ und lässt den Blick zufrieden über die „Via Laurenzia“ schweifen. Zu beiden Seiten des Weges wachsen, umzingelt von Wild-, Sonnen- und Ringelblumen, Rote Beete in Weiß und Rot, Kürbisse, Melonen, Zucchini, Gurken, Möhren, Zwiebeln, verschiedene Kartoffelsorten, historische Tomaten, Bohnen, Artischocken, Paprika, Peperoni, Zuckermais, Weihrauch, Erdbeeren,Himbeeren, Kräuter und Brunnenkresse, Brombeeren, Jostabeeren. Der Birnbaum trägt Früchte, Feigenbaum und Wein, der den Sitzplatz vor dem Bauwagen vielleicht eines Tages in eine lauschige Laube verwandeln wird, geben dem Garten einen südlichen Touch.

Warum Erbsen und Kohlsorten nicht so recht gedeihen wollen, haben die beiden Gärtnerinnen noch nicht herausgefunden, dafür aber, dass sie manche Pflanzen zu eng gesetzt haben. „Learning by doing“, kommentiert Dorothee Wiedeler, die gerne ein Staudenbeet für den Herbst anlegen möchte und Stauden-Spenden gerne entgegennimmt, den klassischen Anfänger-Fehler. Die letzte Baustelle im 1650 Quadratmeter großen Garten-Paradies soll im August abgeschlossen sein. Bis dahin soll der Lehmofen, gebaut von Heiko Villwock, Lorenz Wiedeler und Asim, fertig sein. „Dann wollen wir Brot und Pizza backen“, freuen sich die Gärtnerinnen. Eichenstämme, die schon bereitliegen, sollen dann

 

 

 

 

Besuchern aus dem Kreuzkloster oder der Kita Wichtelhöhle als Sitzplatz dienen. Auch eine Feuerstelle wollen die Frauen dort einrichten. „Der Garten erdet. Da kommt man runter“, überlegt Dorothee Wiedeler und erzählt lachend, dass sie vor lauter Entschleunigung schon mal vergessen hat, die Gummistiefel vor dem Einkauf im Supermarkt gegen Straßenschuhe zu tauschen. Das Schönste aber sei, dass sie mit dem Anblick ihres Gartens anderen Menschen eine Freude machen könnten. Eine alte Dame, bestätigt Monika Abeling, habe schon Interesse an einem Kürbis angemeldet. Während sie das erzählt, bleibt im benachbarten Apfelgarten eine junge Frau stehen, erfreut sich an dem Blumenmeer und ruft über den Zaun „Warum wird das bei mir nicht so? Ich habe auch Wildblumen ausgesät. Das ist hier so schön!“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7507353?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F35766%2F
Nachrichten-Ticker