Leben im Frauenhaus: Spenden für Lastenrad erwünscht
Nabelschnur zur Welt erhalten

Warendorf -

Es war kein Rückblick in dem bisher fast ritualisierten eigentlichen Sinne über die Arbeit des Frauenhauses. Dennoch gab es Spannendes zu berichten über eine Zeit voller Herausforderungen für die Bewohnerinnen und auch das achtköpfige Betreuerteam des Frauenhauses.

Dienstag, 28.07.2020, 23:43 Uhr aktualisiert: 29.07.2020, 14:56 Uhr
Jasmin Hofmann (l.) und Anneli Krieter vom Frauenhaus-Team Warendorf ziehen Bilanz zur aktuellen Situation: Bewegende Hilfe und kreative Aktionen prägen die Corona-Zeit.
Jasmin Hofmann (l.) und Anneli Krieter vom Frauenhaus-Team Warendorf ziehen Bilanz zur aktuellen Situation: Bewegende Hilfe und kreative Aktionen prägen die Corona-Zeit. Foto: Monika Vornhusen

Die gut funktionierenden Fahrräder aus dem hauseigenen Fuhrpark waren viele Woche die Nabelschnur zur Außenwelt. Das ist ein Aspekt von vielen, den Jasmin Hofmann und Anneli Krieter vom Betreuungsteam des Warendorfer Frauenhauses zukünftig mit der Corona-Zeit im Frauenhaus verbinden werden.

Beide zogen gestern Morgen in einem „Outdoor-Pressegespräch“ eine Bilanz der vergangenen sechs Monate. Es war kein Rückblick im eigentlichen Sinne über die Arbeit des Frauenhauses. Dennoch gab es Spannendes zu berichten über eine Zeit voller Herausforderungen für die Bewohnerinnen und auch das achtköpfige Betreuerteam des Frauenhauses. „Mit Beginn des Lockdowns hatte es uns kalt erwischt, denn das Frauenhaus nimmt teilweise bis zu 20 Bewohnerinnen auf. Wir verfügen aber nur über drei Bäder, und alle teilen sich gemeinsam eine Küche“, beschreibt Anneli Krieter die Situation. Wäre jemand erkrankt an Corona, hätte man nicht alle schützen können.“ „Das Frauenhaus-Team war immer schon krisenerprobt, doch die letzten Monate waren eine Herausforderung“, so Jasmin Hofmann. Zugleich habe es aber auch viele Highlights und rührende Hilfe aus der Bevölkerung gegeben.

Jetzt stehen die Arbeits- und Notfallpläne für eine optimale Teamarbeit, und von Woche zu Woche versuchen sich alle zurück in die Normalität zu tasten. Denn Normalität, das bedeutete vor Corona auch ein Team an Ehrenamtlichen, geregelte Schul- und Kitamöglichkeiten für die Kinder und Sprachunterricht sowie Ausflugsmöglichkeiten für die Bewohnerinnen. Jetzt sieht alles anders aus. „Leider ist die komplette Unterstützung durch Ehrenamtliche gezwungenermaßen weggebrochen in der Lockdown-Zeit“, so Anneli Krieter. Ein Großteil der ehrenamtlichen Helfer zähle obendrein zur gefährdeten Risikogruppe. Auch Sachspenden von außen nimmt das Frauenhaus aus hygienischen Gründen derzeit nicht an und bittet um Verständnis. Doch immerhin leistet ein Ehrenamtler noch Unterstützung und repariert die Fahrräder, mit der die Verbindung zur Außenwelt aufrecht erhalten werden konnte. „Ansonsten ist die Betreuung der Bewohnerinnen nun sehr zeitintensiv, weil alle Fahrten und Besorgungen in Begleitung einzeln erledigt werden müssen“, sagt Anneli Krieter.

Im Gedächtnis bleiben aber positive Momente: So beispielsweise das spontane Angebot der Kirchengemeinde St. Laurentius, eine möblierte Wohnung zur Verfügung zu stellen, um ein Ausweich- beziehungsweise Quarantäne-Quartier zu schaffen. „Das mussten wir in einem Fall auch nutzen, der sich aber glücklicherweise nicht als Corona-Erkrankung bestätigt hat“, erläutert Krieter. Auch die Stadt stellte ein teilmöbliertes Zimmer zur Verfügung. Die Bewohnerinnen und ihre Kinder entwickelten eine künstlerische Ader, so dass die Wände im Frauenhaus jetzt bunt sind. Und die Firma Murrenhoff stellten das notwendige Rüstzeug zur Verfügung, um eine Pflanzaktion im Garten des Frauenhauses zu starten.

Ganz oben auf der Wunschliste steht für das Frauenhaus-Team die Anschaffung eines Lastenfahrrads – ein Rad mit drei Rädern, auch für diejenige Frauen, die ungeübt im Radfahren sind. Über die Plattform „Betterplace“ laden die Vertreterinnen des Frauenhauses ein, eine Spende dafür zu tätigen. Infos:

 

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